Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V.
Tat Tatenhausen (AD)
Tat.Lob - Loburg
Tat.Lob - Archiv Tatenhausen, Loburg
Permalink des Findbuchs


Signatur : Tat.Lob - Loburg

Name : Loburg

Beschreibung :

Einleitung :

Der nachfolgend erschlossene Bestand "Loburg" ist Teil der Überlieferung des Archivs Tatenhausen, das 1995 von Benedikt Freiherr Teuffel zu Birkensee im Depot der Vereinigten Westfälischen Adelsarchive im LWL-Archivamt für Westfalen hinterlegt wurde. Er trug die alte Lokatur K13, umfasst einen Entstehungszeitraum von 1559 bis 1785 (dem Besitzwechsel des Hauses Loburg an die Familie von Beverförde) und wurde 2011 neu verzeichnet. Zu früheren Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten am Bestand Tatenhausen sei auf die entsprechenden Bemerkungen in den Einleitungen der Findbücher Tatenhausen, Akten; Tatenhausen, Kolonate und Tatenhausen, Keuschenburg verwiesen.

Einen Schwerpunkt des Bestandes Loburg bilden die Prozess-Unterlagen. Hierbei ist vor allem der Rechtsstreit des Propstes Heidenreich Adolph Adrian Anton von Nagel gegen die ehemalige Nottulner Kanonissin Elisabeth Bernhardina Theodora Stephana, geb. von Valcke, Witwe des Johann Kaspar von Nagel, zu nennen. Nachdem Johann Kaspar von Nagel im Jahr 1716 Elisabeth von Valcke geheiratet hatte, ging das Gut Loburg auf ihn über. Sein jüngerer Bruder Heidenreich Adolph schlug eine geistliche Laufbahn ein. Als Johann Kaspar aber 1732 starb, verklagte Heidenreich die Witwe seines Bruders, die kurz darauf den Generalleutnant von Mengersen geheiratet hatte, auf die Hälfte der Loburgischen Güter. Der Prozess wurde durch eine Geldzahlung der Witwe von Nagel an Heidenreich von Nagel beendet. Weitere personenbezogene Dokumente zu Heidenreich von Nagel befinden sich im Bestand Tatenhausen, Keuschenburg unter dem Systematikpunkt "Personenbezogenen Dokumente und Korrespondenzen". Eine zeitgenössische Darstellung des Prozessverlaufes (1743) findet sich unter den Nummern Tat.Lob.68. und Tat.Lob.75. Vgl. als Ergänzungsüberlieferung auch die entsprechende Reichskammergerichtsakte im LAV NRW, Abt. Westfalen (Reichkammergericht Nr. O N 23). Die große Zahl der im Bestand enthaltenen Schuldverschreibungen zeugt von der finanziell prekären Situation der Familie Nagel, die sich vor allem nach dem Neubau des Stammsitzes im 18. Jahrhunderts zuspitzte (vgl. dazu auch die Einleitung zu Archiv Tatenhausen, Keuschenburg). Einen weiteren Schwerpunkt der Überlieferung bilden die Kolonate. Insgesamt gab es 51 von der Grundherrschaft abhängige Höfe.

Die Loburg wird 1294 als "Lohus" zum ersten Mal urkundlich erwähnt und war zunächst ein Schulzenhof. 1412 wurde sie mit "Lohoff castrum" als Burg klassifiziert. Zu dieser Zeit bewohnte die Familie von Bevern die Loburg. Danach gelangte sie durch Heirat an die Familie von Stael. 1563 kam es zu einer Erbteilung (vgl. Tat.Lob.64). Die eine Hälfte der Höfe sowie eine Entschädigung von 3.500 Talern ging an die Geschwister Heinrich, Johann und Lenecke Korff, die andere Hälfte der Höfe und das Haus Loburg an die Familie Droste zu Senden. Die Loburg gelangte schließlich an Elisabeth Anna Droste, die das Gut in die Ehe mit Adolf von Nagel miteinbrachte. 1651 wird Adolf von Nagel zu Ittlingen als Besitzer genannt. Mit der benachbarten Familie Schenckinck auf Haus Bevern gab es mehrere Konflikte um Gerichtsbarkeiten. Der andauernde Konflikt zwischen den beiden Familien findet in zwei Streitfällen Niederschlag (Tat.Lob.23 u. Tat.Lob.31). Um 1760 wurde Haus Loburg nach Plänen Johann Conrad Schlauns zu einem kleinen barocken Schloss umgebaut. Der Bau des Schlosses vermehrte die Geldsorgen der überschuldeten Familie. 1785 gelangte das Schloss durch eine Zwangsversteigerung in die Hand der Freiherren von Elverfeldt genannt Beverfoerde zu Werries. Die Familie von Nagel bezog nun die Keuschenburg bei Ennigerloh. 1899 brannte die Loburg ab und wurde 1900/1901 in erweiterter Form wieder aufgebaut. 1951 wurde sie an das Bistum Münster verpachtet, das das Gymnasium Johanneum von Wadersloh hierher verlegte.

Als Ergänzungsüberlieferung sei auf den Urkundenbestand des Archivs Tatenhausen im LWL-Archivamt (Dep. Tat.Uk.) verwiesen. Eine dem Bestand entnommene Flurkarte des Hauses Loburg von 1724 wurde als Tat.K.1. in den Kartenbestand übernommen. Weiterhin befinden sich Prozessakten des Offizialatsgerichtes Münster betreffend die Familie Nagel zu Loburg im Landesarchiv NRW Abt. Westfalen im Bestand "Fürstbistum Münster, Geistliches Hofgericht, Akten 1, Bd. 1-4" sowie diverse Prozesse der Familie vor dem Reichskammergericht ebendort unter "Fürstbistum Münster, Reichskammergericht, Kläger z.T. Beklagte N". Ebenfalls im LAV Abt. Westfalen befindet sich im "Nachlass Zurmühlen" eine Rechtsstreitsache des 18. Jahrhunderts betr. Nagel zu Loburg vs. Zurmühlen.

Zudem befindet sich die Überlieferung betreffend die Loburg aus der Zeit nach dem Kauf durch Friedrich Clemens von Elverfeldt gen. von Beverfoerde-Werries im LWL-Archivamt in unter Lob.Lob.

Die Akten sind mit der links vor den Aktentiteln angegebenen Nummern zu bestellen und sollten wie folgt zitiert werden: Archiv Tatenhausen - Bestand Loburg, Nr. [Nummer].

Münster im November 2011

Verzeichnet durch Mirko Crabus und Sabine Kötting im Rahmen des nichtstaatlichen Praktikums des Referendariats für den Höheren Archivdienst des Landes NRW.

Umfang : 0,70

Verweise :

- Frese, Werner: Die Überlieferung der Häuser Loburg und Patzlar mit Besenborg im Archiv Diepenbrock, in: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld 30 (2005), S. 133-184.

- Kotte, Eugen: 200 Jahre Beverfoerdes auf Schloß Loburg. Zur Ortsgeschichte von Ostbevern, in: Kreisheimatverein Beckum-Warendorf (Hg.): An Ems und Lippe. Heimatkalender für den Kreis Warendorf, Beckum 1983, S. 84-86.

- Kotte, Eugen: Loburg urkundlich 700 Jahre alt. Ein Duell und seine folgen, in: Heimatkalender des Kreises Warendorf 1993, S. 88-90.

- Kotte, Eugen: Schulzenhof - Ritterburg - Schloß - Gymnasium. Aus der Geschichte der Loburg, in: Schmieder, Siegfried (Hg.): Ostbevern. Beiträge zur Geschichte einer Gemeinde im Münsterland, Warendorf 1988, S. 565-580.



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