Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V.
Bur Burgsteinfurt, Fürstliches Archiv
Bur.A - Allgemeine Regierungssachen der Grafschaften Bentheim und Steinfurt
Bur.A - Archiv Burgsteinfurt, Allgemeine Regierungssachen der Grafschaften Bentheim und Steinfurt
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Signatur : Bur.A Allgemeine Regierungssachen der Grafschaften Bentheim und Steinfurt

Name : Allgemeine Regierungssachen der Grafschaften Bentheim und Steinfurt

Beschreibung :

Einleitung :

In diesem Bestand befinden sich hauptsächlich Steinfurter Regierungssachen, da der Großteil der Bentheimer Regierungsarchivalien 1813/15 an Hannover ausgeliefert werden mußte. Dieser Bestand befindet sich heute im Staatsarchiv Osnabrück unter den Signaturen Rep 24a (Urkunden) und Rep 125 I (Akten).

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Dem Bestand liegt das alte Repertorium des Fürstlichen Archivs von 1805ff. zugrunde, das aufgestellt wurde, als von 1804 - 1813/15 noch einmal alle Regierungsarchivalien zumal der Grafschaft Bentheim im Schloss Burgsteinfurt lagerten.

Nach 1813/15 musste der Großteil der Bentheimer Regierungsarchivalien bis auf wenige, wohl damals versprengte Stücke an die hannoversche Administration der Grafschaft Bentheim ausgeliefert werden und ruht heute im Staatsarchiv Osnabrück unter den Signaturen Rep. 24 a (Urkunden) und Rep. 125 I (Akten).

Um das Provisorium weiterhin getrennter Inventare der Archive in Burgsteinfurt und Osnabrück für diesen Bestand zu beenden, sind die Signaturen des Rep. 125 I des Staatsarchivs Osnabrück in das gedruckte Inventar aufgenommen, zur Unterscheidung jedoch in runde Klammern gesetzt.

Zur Übernahme in das Fürstliche Archiv stehen noch an die Akten der Zentralverwaltung (Domänenkammer in Burgsteinfurt) und der Rentämter, darunter zunächst Neuenhaus (Kr. Gf. Bentheim), zumeist von 1800 an, jedoch mit älteren Vorakten (Rechnungen z.B. kurz nach 1500ff. einsetzend).

Insb. die Akten der Zentralverwaltung ab 1800 sind heute noch teilweise kurrent.

Begründet wurde das Territorium der Grafschaft Bentheim im wesentlichen durch das nach 1165 bis 1421 herrschende Haus der Grafen von Holland, dem 1421 das niederrheinische Haus Götterswick folgte.

Schon im späten Mittelalter war die Grafschaft eingeteilt in die Obergrafschaft Bentheim im Süden um Bentheim und Schüttorf und in die Niedergrafschaft Bentheim im Norden um Neuenhaus.

Im Jahre 1486 erfolgte die Auftragung als Reichsgrafschaft unter Kaiser Friedrich III., um dem Druck des Bistums Utrecht und vor allem des Hochstifts (Bistum) Münster zu entgehen.

Eine erste Fremdverwaltung der Grafschaft erfolgte 1723 - 1747, als Kurfürst Clemens August von Köln kaiserlich bestellter Vormund war und die sog. Bentheimische Subdelegation einsetzte.

Die Grenzlage und vor allem Kriegslasten zwangen zu einer Verpfändung der Grafschaft an das Kurfürstentum Hannover 1752 / 1753, deren Vertrag vom 22. Mai 1752 in § 13 nach der Übergabe des Bentheimer Landesarchivs die Anfertigung von Inventaren und die Übergabe von Duplikaten an das Gräfliche Haus vorsah.

Abgesehen von einigen, binnen kurzem gescheiterten Einlösungs- und Okkupationsversuchen des Grafen Friedrich Karl amtierte die hannoversche Pfandschaftsregierung in Bentheim bis 1804, dann schloss Graf Ludwig in Steinfurt, der in diesem Jahr die Grafschaft Bentheim erbte, am 12./22. Mai 1804 einen Ablösungsvertrag mit Frankreich, folgte Mitte Juli des Jahres die Übergabe durch französisches Militär.

Wohl suchte Hannover geheime Archivalien der Pfandschaftsregierung zu retten, doch sorgte Marschall Bernadotte für eine Überführung der bentheimischen Akten aus Hannover, sollten die Bentheimer Regierungsarchivalien 1803 in Verwahrsam der Stadt Burgsteinfurt übergeben werden und wurden versehentlich vom Fuhrmann im Schloss Burgsteinfurt ausgeladen.

Graf Ludwig benutzte diese günstige Gelegenheit, das Archiv ordnen und verzeichnen zu lassen. Die 1805ff. entstehenden Repertorien sind Grundlage der vorliegenden Verzeichnung. Freilich hinderte der im Jahre 1804 geschlossene Vertrag Napoleon zwei Jahre später nicht, die Grafschaft dem Großherzogtum Berg anzugliedern und 1810 dem Kaiserreich Frankreich einzuverleiben.

Noch einmal konnte Erbgraf Alexis am 14. November 1813 eine provisorische Regierungskommission einsetzen, doch kehrte bereits am 24. November des Jahres die Hannoversche Pfandschaftsregierung zurück und übernahm erneut das Bentheimsche Landesarchiv.

Auf dem Wiener Kongress konnte 1815 das Grafenhaus eine drohende Mediatisierung unter Hannover verhindern und erreichte nach langwierigen Verhandlungen einen Vergleich am 16. März 1823, der die Rückgabe der Domänen und damit der Domanial- und Kammerakten festsetzte. Auch die niedere Polizei- und Gerichtsverwaltung wurde dem Haus Bentheim-Steinfurt zugestanden, jedoch durch den Vertrag vom 10. Juni 1848 des Königreichs Hannover mit dem Fürsten zu Bentheim über die standesherrlichen Rechte des seit 1817 Fürstlichen Hauses aufgehoben.

Für die Regierungsarchivalien der Grafschaft Bentheim ergibt sich danach als Abfolge:

Bis 1752 / 1753 gräfliche Verwaltung, 1753 - 1804 hannoversche Pfandschaftsregierung, 1804 - 1806 gräfliche Verwaltung, 1806 - 1813 französische Verwaltung, 1813ff. hannoversche Pfandschaftsregierung, (1823) - 1848 niedere Polizei- und Gerichtsverwaltung des Fürstlichen Hauses.

Die in Burgsteinfurt ansässigen Edelherren von Steinfurt erwarben 1270 die Edelvogtei über das Stift Borghorst und 1279 die Freigrafschaft zu Laer, seit 1357 kaiserliches Lehen, im Inventar bezeichnet als Gericht Borghorst und Gogericht Rüschau, letzteres bestehend aus den Kirchspielen Laer, Holthausen und der Bauerschaft Beerlage.

Durch die Heirat der Steinfurter Erbtochter Mechthild kam Everwin von Götterswick, der 1421 auch das bentheimische Grafenhaus beerbte, in den Besitz der Edelherrschaft und nannte sich danach Graf zu Bentheim und Herr zu Steinfurt.

Bereits im Todesjahr Everwin I. 1454 wurden die beiden Herrschaften unter seinen Söhnen geteilt und waren nach der Erbvereinigung von 1487 nur zwischenzeitlich kurz verbunden, bis 1804 die Steinfurter Linie das Erbe der Grafschaft Bentheim antreten konnte.

Wohl hatte die Bestätigung der Steinfurter Reichsunmittelbarkeit 1495 durch Kaiser Maximilian zu einer gewissen Klärung der Stellung im Hochstift Münster geführt, doch begann berereits 1547 ein Reichskammerprozess, der erst im Jahr 1716 durch einen Vertrag abgeschlossen werden konnte:

Die Reichsunmittelbarkeit wurde auf Stadt und Kirchspiel Steinfurt beschränkt, das Gericht Borghorst und das Gogericht Rüschau kamen als Unterherrlichkeit unter münsterische Oberhoheit.

Ausschlagebender Grund dieses, für die Grafschaft Steinfurt ungünstigen Vertrages waren die großen Landesschulden, zu deren wesentlicher Übernahme sich das Hochstift Münster verpflichtete.

Durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 fielen Gericht Borghorst und Gogericht Rüschau an den Rheingrafen von Salm-Crumbach, 1806 wurden diese Gerichte und die Grafschaft Steinfurt in das Großherzogtum Berg unter dem französischen Marschall Murat einverleibt.

Damit endete die eigene Regierung der Grafen zu Bentheim-Steinfurt, die die Vereinigung ihres Territoriums 1810/1811 mit dem Kaiserreich Frankreich und die Gründung des Arrondissements Steinfurt, 1813 die Besitznahme durch Preußen und 1816 die Bildung des preußischen Kreises Steinfurt nur noch passiv erlebten, auch wenn 1813 Erbgraf Alexis zu Bentheim-Steinfurt noch eine Wiederherstellung seiner Landesherrschaft zu erreichen suchte.

Im Jahr 1814 wandten sich die westfälischen Fürsten unter Führung des Erbgrafen Alexis an den Wiener Kongress, konnten aber keinen Erfolg erzielen.

Durch Patent vom 21. Juni 1815 ergriff Preußen die Oberhoheit u.a. von der Grafschaft Steinfurt, gestand den mediatisierten Familien standesherrliche Rechte zu und erhob 1817 das Grafenhaus Bentheim-Steinfurt in den Fürstenstand

Als 1805ff. die Kastenordnung des Burgsteinfurter Archivs zu einer Fächerlagerung geändert wurde, ließen die Bearbeiter im wesentlichen die alte, gewachsene Sachordnung bestehen. Neugeordnet wurde die Gruppe der Protokolle als Zusammenfassung von Amtsbüchern.

Die Beschreibung des Archivs durch Karl Döhmann in den Inventaren nichtstaatlicher Archive Westfalens, Kreis Steinfurt (1907) führte wohl zu einer verklausulierten, jetzt beseitigten Signaturengebung, tastete aber den Aufbau nicht an. So blieb das Archiv glücklicherweise von einer Urkundenabteilung verschont.

Die vorliegende Verzeichnung behielt den alten Aufbau bei, lagert jedoch Urkunden (mit Siegeln) und Akten bzw. Amtsbücher getrennt, um vor allem Siegelbeschädigungen auszuschließen. Die Gruppenbildung des alten Repertoriums ist im wesentlichen beibehalten, doch sind einige zusammengehörige Gruppen vereint, andere Gruppen zur besseren Übersicht untergliedert worden.

Münster 1971 Dr. Alfred Bruns

Umfang : 39,50 lfm

Verweise :

Inventar des fürstlichen Archivs zu Burgsteinfurt. Bestand A Allgemeine Regierungssachen der Grafschaften Bentheim und Steinfurt, bearb. v. A. Bruns und W. Kohl, Münster 1971 (INA NF 5).



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