Vereinigte Westfälische Adelsarchive e.V.
Dül Dülmen, Herzog von Croy'sches Archiv
Dül.NEml - Nachlass Marschall Emmanuel von Croÿ (*1718-+1784)
Dül.NEml - Dülmen, Herzog von Croysches Archiv, Nachlass Marschall Emmanuel von Croy (1718-1784)
Permalink des Findbuchs


Signatur : Dül.NEml Nachlass Marschall Emmanuel von Croÿ (*1718-+1784)

Name : Nachlass Marschall Emmanuel von Croÿ (*1718-+1784)

Beschreibung :

Einleitung :

Dieses Inventar ist Teil des Erschließungs- und Digitalisierungsprojekts "Herzog Emmanuel von Croÿ 1718-1784", das in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Institut in Paris und dem LWL-Archivamt in Münster zwischen Mai 2012 und Mai 2013 durchgeführt wurde.

Das im Archiv des Herzogs von Croÿ in Dülmen verwahrte Archivgut, zu Emmanuel de Croÿ wurde archivisch bearbeitet und digitalisiert.

Nunmehr liegt nicht nur der bisher so gut wie unbekannte Nachlass des Marschalls Emmanuel von Croÿ erstmals erschlossen vor, sondern es werden sämtliche vorhandenen Archivalien zu Emmanuel de Croÿ zugänglich gemacht, einem der wichtigsten politisch-militärischen Protagonisten am Hofe Ludwigs XV. Das Inventar umfasst also sowohl den eigentlichen Nachlassbestand [1] als auch verschiedene Bestände und Teilbestände, die den Herzog betreffen[2]. Darüber hinaus wurden Bücher und Manuskripte des Herzogs[3] sowie ausgewählte Archivalien des Sohnes und Enkels[4] das Inventar einbezogen. Emmanuel de Croÿ war der einzige Sohn von Philippe-Alexandre-Emmanuel de Croÿ (1676-1723), Fürst von Solre etc. und Marie-Marguerite-Louise Gräfin von Millendonk (1681-1768). Dank seiner deutschen Mutter war Emmanuel de Croÿ auch Fürst des Heiligen Römischen Reiches. Mit der französischen Armee nahm er am am Österreichischen Erbfolgekrieg teil, so z.B. an der Belagerung von Prag, aber auch an der Kaiserwahl des Wittelsbachers Karl VII. und an dessen Krönung in Frankfurt. Im Siebenjährigen Krieg wurde Croÿ Ritter des Ordens vom Heiligen Geist und lieutenant général des armées du roi, am 13. Juli 1783 schließlich zum Marschall von Frankreich ernannt. Emmanuel de Croÿ war militärisch und naturwissenschaftlich sehr interessiert und repräsentiert den Typus eines aufgeklärten grandseigneur des 18. Jahrhunderts. Sein breitgefächertes, ja beinahe enzyklopädisches Interesse für alles, was seine Zeit bewegte, sei es Geistes- und Naturwissenschaften, Militärwesen, Geographie, Volkswirt-schaft oder Kunst, spiegelt sich in den zahlreichen Manuskripten und Dossiers seines Nachlasses wider, der bisher von der Forschung nur sehr wenig beachtet wurde. Auch seine wertvollen Memoiren (41 Bände) wurden bisher nur teilweise veröffentlicht (etwa zu einem Drittel), da die Herausgeber sich auf ausgewählte Themen konzentriert haben [5]. Zuletzt erregten die Tagebücher im Jahr 2011 durch die Auswahledition von Hans Pleschinski "Nie war es herrlicher zu leben: Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ" Aufmerksamkeit[6]. Die Familie der Herren von Croÿ nennt sich nach einem heute wenige Hundert Seelen zählenden Dorf Croy, früher und bis ins 18. Jahrhundert meist Crouy, in der Picardie. Der zweisilbige Name muss französisch auf dem heute amtlich mit einem Trema gekennzeichneten ÿ betont werden. Die ersten Seigneurs de Croy oder Crouy, deren Ursprünge man in der Picardie schon im 12. Jahrhundert urkundlich finden kann[7], verfügten über eine eigene kleine Herrschaft und gehörten nach Ausweis ihrer Eheschließungen dauerhaft zum Hochadel mit dem Titel nobilis, der in Deutschland mit den Edelherren zu vergleichen ist. Die Croÿ wahrten durch eine kluge Heiratspolitik unangefochten ihren dauerhaften Anschluss an den Grafenstand, und zwar derjenigen Grafen, die - als Vergleich! - in Deutschland vom Mittelalter bis um 1800 mit eigenen territorialen Herrschaftsrechten versehen waren. So waren sie zeitweilig Inhaber von Grafschaften (Chimay), wurden in den meisten Zweigen als ¿prince¿ (¿Fürst¿) tituliert und erlangten durch königliche Ernennung und ohne die entsprechenden - in Frankreich für das Amt nicht notwendigen - souveränen Herrschaftsrechte den Titel eines ¿duc¿, den sie, in Deutschland anerkannt, in der Form ¿Herzog¿ heute noch führen. Unter den Bedingungen der Französischen Revolution von 1789 mussten die Croÿ emigrieren und verloren deshalb ihre Besitzungen in Frankreich, in den 1792/1794 von Frankreich besetzten Österreichischen Niederlanden, also auch in den zum "Heiligen Römischen Reich" gehörenden Teilen von Flandern und Hennegau. Wegen des Besitzes der kleinen Herrschaft Meyel (Heute die kleine niederländische Gemeinde Mejiel Peel en Maas an der deutsch- niederlänischen Grenze bei Eindhoven) sowie nicht zu verwirklichenden Erbansprüchen auf die Grafschaft Moers galten sie nach dem Vordringen Frankreichs bis zum Rhein als Reichsfürsten, die links des Rheins fürstliche Herrschaftsrechte verloren hatten: Sie wurden daher nach dem Ende des Reiches mit entsprechenden Rechten in dem als weltliches Fürstentum aufgehobenen Bistum Münster entschädigt. Anne Emmanuel, duc de Croÿ, Sohn des Emmanuel de Croÿ, dann - nach der Entschädigung - Herzog von Croÿ, erhielt den größten Teil des bis dahin Münsterschen Amtes Dülmen als souveräne Grafschaft. Schon unter der Herrschaft Napoleons hatte die Familie die zunächst eingezogenen Güter in Frankreich zurückbekommen, die nach dem Wiener Kongress in Frankreich und in dem ab 1830 als "Belgien" selbständigen Teil der Niederlande lagen. Einer der Söhne des Eigentümers der Besitzungen in den in Wien Preußen zugesprochenen Teilen des ehemaligen "Fürstbistums Münster" musste für Frankreich optieren, um als Franzose die französischen Besitzungen übernehmen zu können. Die Geschichte des Familienarchivs ist seit der Französischen Revolution daher recht bewegt gewesen[8]. Im 18. Jahrhundert lag das Croÿ¿sche Archiv (sowohl Familien- als auch Herrschaftsarchiv) auf Schloss Condé, dem Stammsitz der Familie. Während der Französischen Revolution wurden die Archivalien in Tournai (heute Belgien) in Sicherheit gebracht und kamen nach den Wirren dieser Zeit nach Frankreich zurück, diesmal auf das Schloss Hermitage, das als einziger Sitz nicht sequestriert worden war. Im 19. Jahrhundert wurde ein Teil des Archivs nach Dülmen, nun neuer Hauptsitz der Familie, verlagert[9]. Das restliche Archiv auf L¿Hermitage musste während des 1. Weltkrieges geräumt werden - es wurde zunächst zum Schloss Solitude im belgischen Auderghem verbracht - und gelangte später, im Jahr 1953, ins Staatsarchiv Mons (Belgien)[10]; dort wurde es durch den Archivar Gabriel Wymans verzeichnet[11]. Erst 1978 wurden diese Bestände endgültig nach Dülmen gebracht, und somit mit dem übrigen Archiv vereinigt. Diese Entwicklung erklärt die Entstehung der verschiedenen Bestände, die man im Rahmen dieses Projektes für die Erschließung des gesamten Nachlasses des Emmanuel de Croy heranziehen musste. Diese gliedern sich folgendermaßen auf: - Herzogliches Haus (HH), Reihe E: Schreiben französischer Könige an Emmanuel de Croÿ, vorrangig seine Laufbahn betreffend (Patente, Ernennungen, etc.). - HH, Reihe H: Familienbriefe - HH, Reihe N: Vermögenslage und staatsrechtliche Stellung des Hauses Croÿ nach der französischen Revolution bis zum Beginn der preußischen Zeit - HH, Reihe S: Französisch-belgische Besitzungen - Mons: Korrespondenz und Familienangelegenheiten (diese Akten kamen ursprünglich aus Mons, die Signaturen wurden vom Inventar des G. Wymans übernommen) - Hs: Handschriften des Emmanuel de Croÿ oder ¿Bücher des Marschalls¿. Die Akten sind gebunden, und bilden eine imposante Sammlung seiner Schriften, zum Teil als sauber niedergeschriebenen Abschriften, darunter die einundvierzig Bände seiner Tagebücher[12]. Interessant sind auch die Dokumente zur Untersuchungskommission über den Fall Damiens (Attentat auf König Ludwig XV.), die Croÿ geleitet hatte[13]. Zahlreiche Wissenschaftliche Forschungsergebnisse befinden sich ebenfalls in dieser Reihe. - NEml: der sogenannte ¿Nachlass¿ oder ¿Litteralien¿. Bisher kaum bekannt.Der irreführende Name bezeichnet einen inhaltsreichen Bestand, der mit diesem Findbuch erstmals erschlossen vorgelegt wird.. Es handelt sich hier um Berichte und Notizen zu verschiedensten literarischen, politischen, historischen und naturwissenschaftlichen Themen, die zum Teil die Grundlage für den Bestand Hs bilden[14].. Die Erschließung mit Hilfe einer archivischen Verzeichnungssoftware fand im LWL-Archivamt für Westfalen in Münster von Mai bis September 2012 statt. Anschließend wurden die entstandenen Findbücher in den international anerkannten Verzeichnungsstandard EAD (Encoded Archival Description) konvertiert. Danach wurden die Akten systematisch digitalisiert, und 2013 in METS-Dateien umgewandelt: METS-Dateien verbinden die digitalisierten Archivalien mit den EAD-Erschließungsinformationen. Das heißt: In den Online-Findbücher zum Projekt ¿Emmanuel de Croÿ¿ werden neben der Erschließung erstmals auch Digitalisate der einzelnen Stücke für alle Interessierten zugänglich sein. Gleichzeitig erhält die wissenschaftliche Forschung in Deutschland und Frankreich Zugang zu einer der interessantesten Personen im absolutistischen Frankreich vor der Revolution. [1] Archiv des Herzogs von Croÿ [kurz AHC], Bestand Dül_NEml. [2] AHC, Bestände Dül_HH_H und Dül_HH_E [3] AHC, Bestand Dül_Hs. [4] AHC, Bestände Dül_HH_N und Dül_HH_S. [5] Zum Publikationsstand (Editionen) vgl. Marie-Pierre DION, Itinéraire intellectuel et réussite nobiliaire au siècle des Lumières : Emmanuel de Croÿ, Paris 1984, S.290-291. Die hervorragende Arbeit von Frau Dion ist bisher die einzige wissenschaftliche Monographie über den Herzog. [6] Hans Pleschinski (Hrsg.), Nie war es herrlicher zu leben. Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ, München 2011. Der Titel ist etwas irreführend, da Emmanuel de Croÿ seine Tagebücher erklärtermaßen auch für die Nachwelt bestimmt hat. Dies ist aber keineswegs die erste Publikation in deutscher Sprache: Siehe Elisabeth HERGETH (Hrsg.), Erinnerungen meines Lebens. Eine Reise durch den Westen ds Heiligen Römischen Reiches. Erstausgabe des Tagebuchs von 1742/42, Münster 1999. [7] Jacques de BYE, Livre contenant la généalogie et descente de ceux de la Maison de Croy tant de la Ligne Principale estant Chef du Nom et armes d'Icelle que des Branches et Ligne Collaterale de Ladicte Maison, Antwerpen 1612; vgl. auch Georges MARTIN, Histoire et généalogie de la Maison de Croÿ, Lyon 2001². [8] Darstellung entnommen aus: Marie-Pierre DION (wie Anm. 5), S. 283. [9] Darunter befinden sich auch Archivalien, die während der Französischen Revolution vom Staat konfisziert worden waren und 1817 an die Familie zurückgegeben wurden. [10]Ein Teil davon blieb jedoch in Frankreich und befindet sich heute in den Archives départementales du Nord (Lille). [11]Gabriel WYMANS, Inventaire des archives des Ducs de Croÿ, Brüssel 1977. [12]Zur Publikationsgeschichte, Siehe supra. Das Dülmener Archiv enthält die Abschrift, das Original der Memoiren befindet sich in Paris in der Bibliothèque de l¿Institut in Paris (Signatur: ms. 1640-1680). [13]Diese Akten wurden für einen historischen Krimi herangezogen: Marion SIGAUT, Mourir à l¿ombre des Lumières, l¿énigme Damiens, Arles 2010. [14]Für ein starkes und - angesichts der Fülle des für die spätere und begleitende Ausarbeitung gesammelten Materials - notwendiges Interesse Croÿs an systematischer Ordnung sprechen zahlreiche Bleistiftvermerke von der Hand Emmanuels auf vielen seiner Akten und Papiere. Sehr häufig sind Anweisungen betreffend den Verbleib seiner Arbeiten und sonstigen Papiere. Als Aufbewahrungsorte werden zeitweilig Calais, dann - für die Dauer - Paris und das Schloss l'Hermitage genannt. Buch-, Karten- und Atlasverzeichnisse für die verschiedenen Standorte sind in dem "Nachlass" enthalten und hier nachgewiesen. Literatur: Literatur: Emmanuel duc de Croÿ, Journal inédit, Vol 1-4, Paris 1906, Nachdruck 2010. Hans Pleschinski (Hg.), Nie war es herrlicher zu leben. Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ, München 2011. Emmanuel de Croÿ, Erinnerungen meines Lebens. Eine Reise durch den Westen des Heiligen Römischen Reiches, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Elisabeth Hergeth, Münster 1999 Zitierweise: Vereinte Westfälische Adelsarchiv, Herzoglich Croy'sches Archiv Dülmen, Nachlass Emmanuel Croÿl, Nr.

Kurzzitat: VWA, Archiv Dülmen, NEml, Nr.

Münster, Frühjahr 2013

Umfang : 61,33 lfm.



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