Westfälische Hofes- und Familienarchive
Olsberg
Familienarchiv Kropff gen. Hester/Olsberg
Familienarchiv Kropff gen. Hester/Olsberg
Permalink des Findbuchs


Signatur : D.KrpH Familienarchiv Kropff gen. Hester/Olsberg

Name : Familienarchiv Kropff gen. Hester/Olsberg

Beschreibung :

Einleitung :

Das Archiv Kropff-Hester in Hesters Haus in Olsberg besteht aus zwei Archivbeständen: den Familienarchiven Kropff gen. Hester zu Olsberg und Löcke zu Werl.

Der älteste Beleg für die Familie Hester im Archiv ist 1624 der Verzicht von Rembert Cordes und Stoffel Willeken und ihrer Frauen auf Ansprüche an Hesters Haus, das Jost Hester und seine Frau Else von Trine Rent(t)ers, der Schwiegermutter der Aussteller, gekauft haben (Akte 11). Else ist in erster Ehe mit einem Rentters verheiratet gewesen, dessen Vorfahren in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Land im Olsberger Raum erwarben; die darüber ausgestellten Urkunden sind die ältesten Stücke im Archiv (43ff.).

Auf Jost Hester folgen sein Sohn Johann (1625-nach 1680) und sein Enkel Valentin Hester (1653-1695?). Unter ihnen beginnt der Aufstieg der Familie. Valentin, auch Veltin genannt, heiratet Maria Keuthen. Aus dieser Ehe geht der Erbe Johann Hester (*1678) hervor, der Maria Elisabeth von der Becke zur Frau nimmt und kinderlos stirbt. Maria Keuthen geht 1697 nach dem Tod von Valentin Hester eine zweite Ehe mit Hillebrand Hesse ein. Ihre Tocher Anna Elisabeth Hesse und ihr Ehemann Johann Heinrich Kropff (1707-1782), ein Neffe von Maria Elisabeth von der Becke, werden von dieser 1733 zu Erben von Hesters Haus und Gut eingesetzt (14). Darauf nimmt Johann Kropff den Beinamen "genannt Hester" an. Er erwirbt insbesondere in großer Menge Beteiligungen an Hammerwerken.

Ihm folgt sein Sohn Franz Bernhard Kropff gen. Hester (1743-1798), der mit Regina Vogt aus Leckmart verheiratet ist und die Unternehmungen seines Vaters weiterführt. Unter ihrem Sohn Engelbert Kropff gen. Hester (1786-1868), verheiratet mit Gertrud Krüper aus Assinghausen (1788-1856), häufen sich Schulden an, so dass er sich Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Bergbau zurückzieht. Engelberts Tochter und Erbin Regina Kropff (1816-1902) bleibt unverheiratet und lebt von den Einkünften aus der Landwirtschaft und dem Waldbesitz in Olsberg. Ihre Schwester Maria Anna heiratet den Gastwirt Werner Löcke in Werl. Ihre Tochter Anna Löcke (1857-1943) wird von Regina Kropff zur Erbin des Kropff'schen Besitzes in Olsberg eingesetzt (25). Dadurch dass sie und ihre Erben in Olsberg ihren Wohnsitz nehmen, wird das Familienarchiv Kropff-Hester mit dem Familienarchiv Löcke aus Werl vereinigt.

Der Bestand Kropff-Hester enthält außer der privaten Familienüberlieferung umfangreiche Überlieferung zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte des Olsberger Raums vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Zu den wertvollsten Teilen gehört eine beachtliche Reihe von Hüttenbüchern vom Anfang des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Weitere Hüttenbücher derselben Hütten befinden sich im Bestand Hövener/Unkraut der Schriftgutsammlung des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold. Im Haus in Olsberg ist zusätzlich eine Fachbibliothek zum Bergbauwesen vorhanden.

Die Familie Löcke begegnet erstmals 1596 in Werl, das Archiv beginnt 1742, als der Assessor und Kaufhändler Johann Everhard Löcke (1685-1756) von den Erben des Notars Broickhausen ein Haus am Markt erwarb (403). Aus seiner Ehe mit Maria Magdalena Schmale (†1751) gehen fünf Kinder hervor (344). Die älteste Tocher Maria Elisabeth (1724-1779) heiratet Johann Eberhard Kneer, u.a. Postmeister in Werl; ihr Sohn Johann Everhard Kneer (1753-1821) ist letzter Inhaber der St. Petri-Vikarie des Kaufamtes in Werl. Johann Everhard Löckes Erbe und Nachfolger wird sein Sohn Assessor Johann Heinrich Löcke (1732-1786). Nach dessen frühen Tod führt die Witwe Sophia Creutzmann (1735-1816) zunächst die Geschäfte weiter, bevor ihr Sohn Caspar Anton Löcke (1770-1841) die Nachfolge antritt. Kurz vor 1804 wird von ihr und ihrem Sohn das 1742 erworbene Haus durch ein neues ersetzt (345). Caspar Anton heiratet Aloysia Rieve (1774-1851), die Tochter des Mendener Bürgermeisters Johann Goswin Rieve und seiner Frau Josephine Bigeleben. Auf Caspar Anton Löcke folgt sein Sohn Werner Löcke (1813-1870), der Maria Anna Kropff, die Tochter von Engelbert Kropff und Getrud Krüper, aus Olsberg heiratet. Die älteste Tochter, Anna Löcke (1857-1882), wird von ihrer Tante Regina Kropff-Hester (1816-1902) zur Universalerbin des Kropff'schen Besitzes in Olsberg eingesetzt und lebt seit 1902 in Olsberg. Ihr Bruder Engelbert (1862-1933) studiert Bergbau an der Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn und wird später Bergrat in Dillenburg; Teile seines Nachlasses mit Beschreibungen von Bergwerken und Entwürfen zu Gutachten bilden einen Teilbestand.

Das Geschäft in Werl übernehmen dagegen Maria Löcke (1866-1938) und ihr Mann Otto Lederle (1860-1929), Sohn des Weinhändlers Carl Adam Lederle und seiner Frau Clara Fabra in Fritzlar. 1904 wird das Haus am Markt verkauft (420). Dadurch dass Otto Lederle 1910/11 zu einem der Erben seines Bruders Heinrich Anton Lederle (1865-1911) wird, gelangen auch Archivalien des Lederle'schen Besitzes in Fulda nach Werl. Ottos Bruder Heinrich Anton hat mit finanzieller Unterstützung seiner Geschwister nacheinander in Fulda eine Leinenweberei, ein Manufakturgeschäft und einen Kalkofen betrieben, war 1902 - 1906 Geschäftsführer der Donar-Quelle in Fritzlar und hat schließlich Grundstücke aufgekauft, um sie gewinnbringend zu erschließen und zu bebauen (507).

Otto Lederles Tochter Anna (Nanna, 1893-1943) heiratet den Amtsgerichtsrat Otto Rubarth (1882-1971), Sohn des Marsberger Klinikdirektors Ferdinand Rubarth (1842-1918), dessen Nachlass sich ebenfalls im Archiv befindet. Über Nanna Rubarth, die von ihrer Tante Anna Löcke zur Erbin eingesetzt wird, diese aber nur wenige Monate überlebt, fällt der Olsberger Besitz zunächst an ihren Mann Otto Rubarth, dann an ihre Tochter Marianne Rubarth (*1923), verheiratet mit dem Schreinermeister Theo Bathen.(1920-2000). Nach dem Tod von Milly Schmidt, geb. Lederle 1969, wird das Haus in Werl in ein Mietshaus umgewandelt und das Löcke'sche Archiv nach Olsberg verbracht, wo es mit dem Archiv Kropff-Hester vereinigt wird. Einige Bücher aus dem Löcke'schen Haus befinden sich heute im Depositum Stralkowski im Stadtarchiv Werl (Kleiner Bestand Nr. 34).

Der Bestand Löcke enthält in stärkerem Maße Familienüberlieferung. Hervorzuheben sind die Teilnachlässe des Bergreferendars und späteren Bergrats Engelbert Löcke (1862-1933), des Hermann Ferdinand Rubarth (1842-1918), Direktor der Provinzialheilanstalt Marsberg, sowie der Gertrud Lederle (1896-1919) mit Unterlagen zum Katholischen deutschen Frauenbund (372-374). Wirtschaftsschriftgut ist vor allem von der Kolonialwaren- und Weinhandlung Lederle aus den 1920er Jahren sowie von der Firma Heinrich A. Lederle in Fritzlar aus der Zeit um 1900 erhalten.

In den 1990er Jahren wurde das Archiv von Dr. med. Karl Heege, ehemaligem Direktor des Josefs-Hospitals in Olsberg, chronologisch verzeichnet (5); Heege hat auch zahllose Urkunden transkribiert (cf. 1). Marianne Bathen, die heutige Eigentümerin, hat im Jahr 2000 die vorliegende Verzeichnung des Archivs veranlasst. Zu diesem Zweck wurde der weitgehend ungeordnete Hauptbestand ins Westfälische Archivamt nach Münster verbracht, wo er von Dr. Horst Conrad (Geschäftsbücher) und Dr. Gunnar Teske (Urkunden und Akten) geordnet und erschlossen wurde. Frau Bathen hat die Arbeiten mit ihrem Wissen zur Familiengeschichte unterstützend begleitet und den Bestand mehrfach durch Funde weiterer Archivalien ergänzt.

Die Schriftstücke bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden komplett übernommen. Unter der Überlieferung des 20. Jahrhunderts wurden vor allem Akten eines jahrzehntelangen juristischen Streites um die Erbschaft in Fulda ausgesondert. Ebenso wenig wurden die privaten Korrespondenzen des 20. Jahrhunderts aufgenommen. Eine große Menge von Bildpostkarten sowie von Totenzetteln befindet sich in chronologischer Folge im Haus in Olsberg.

Im Rahmen der Erschließung des Archivs wurden folgende Urkunden und Akten in der Restaurierungswerkstatt des Westfälischen Archivamtes bearbeitet: 11, 12, 43, 47, 50, 51, 52, 70, 72, 93, 101, 109, 117, 133, 148, 200, 237, 377, 382, 515, 518, 520. Alle Stücke wurden in säurefreie Mappen gelegt und in Archivkartons umgepackt. Im November 2003 wurde das geordnete Archiv wieder nach Olsberg überführt.

Die Benutzung erfolgt über das LWL-Archivamt in Münster oder direkt bei der Eigentümerin:

Marianne Bathen

Ruhrstr. 5

59939 Olberg

Verweise :

Johannes Stöber: Familie Crop/Krop, heute Kropff (Olsberg)/Cropp (Hamburg) aus Brilon (Westfalen), Köln 1995

Marianne Bathen: Das Hestersche Anwesen in Olsberg. Geschichtliche Hintergründe, bearb. von Erich Völlmecke, in: Strunzerdaal. Heimatblatt für die Stadt Olsberg, 20, Nov. 2001, S. 128-134.



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