Westfälische Hofes- und Familienarchive
Sundern
Familienarchiv Peters-Guntermann
Stadtarchiv Allendorf
D.Pet.Alldf - Familienarchiv Peters-Guntermann, Stadtarchiv Allendorf
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Signatur : D.Pet.Alldf Stadtarchiv Allendorf

Name : Stadtarchiv Allendorf

Beschreibung :

Einleitung :

Nachdem bereits 1296 bei der Gründung der "villa" Hagen die Allendorfer Mark erwähnt ist (WUB VII Nr. 2372) und Allendorf 1368 beim Verkauf der Grafschaft Arnsberg an die Kölner Kirche von Graf Gottfried von Arnsberg zu den "villis et oppidis" gezählt wird (Regesten der Erzbischöfe von Köln VII 821), gründete Erzbischof Friedrich III. von Köln laut einer Urkunde vom 4. September 1407 hier eine Festung und Stadt, der er die Freiheit verlieh, ergänzend zum Allendorfer, Arnsberger Recht zu gebrauchen, und der er u.a. die Rechte gab, einen Bürgermeister und Rat einzusetzen, verschiedene Steuern auszuschreiben, alle Vergehen auf Stegen und Straßen in Stadt und Feldmark zu richten, einen Wochenmarkt am Sonntag und eine Jahrmarkt am Sonntag nach St. Martin abzuhalten und Brandholz aus den umliegenden Wäldern und Marken zu holen; über Vergehen während des Jahrmarktes sollten der erzbischöfliche Richter und der Bürgermeister gemeinsam Gericht halten und die verhängten Brüchten teilen (Regesten der Erzbischöfe von Köln XI 1878). Das bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben anfallende Schriftgut sammelte der Rat, vor allem soweit es der Rechtssicherung diente, in einem Archiv. Zentraler Bestandteil dieses Archivs bildeten die chronologisch geführten Ratsprotokolle, die seit 1755 erhalten sind. Sie zeugen vor allem von der Aufgabe des Rates, die öffentlich Ordnung zu schützen, d. h. insbesondere Streitfälle zu schlichten, Vergehen gegen Sicherheit und Ordnung zu ahnden und Forst und Marken vor Missbrauch zu schützen. In unterschiedlichen Formen reichen die Rats- und Magistratsprotokolle bis in das Jahr 1809.

Wurden bis zum Ende des 18. Jahrhunderts alle vom Magistrat behandelten Fälle in rein chronologischer Folge ohne jede inhaltliche Systematik aufgezeichnet, begann mit man am Ende des Jahrhunderts damit, bestimmte Bereiche aus den Einheitsprotokollen auszugliedern und für sie eigene Protokollbücher anzulegen. Als erstes verselbständigten sich die Holzprotokolle. Neben zwei Fragmenten von 1796/97 (III 46c-d, 50c) sind für die Jahre 1802-1807 und 1809 und 1811/12 größere Serien von Holzprotokollen erhalten (XII und XVII f. 17-26).

Nachdem am 6. Oktober 1802 das Herzogtum Westfalen vom Landgrafen von Hessen-Darmstadt provisorisch in Besitz genommen worden war, nahm in Arnsberg eine hessische Organisationskommission ihre Arbeit auf. Für die von ihr angeforderten Berichte wurde eine weitere Protokollserie angelegt, die nach dem Ende der Magistratsprotokolle im Oktober 1807 diese als Hauptserie ersetzte. Obwohl schon 1808 Schultheißen für die Kommunalverwaltungen eingestellt wurden, amtierten in Allendorf bis 1812 weiterhin ein 1. Bürgermeister und ein Proconsul. Trotzdem macht der Übergang von den Magistrats- zu den Berichtsprotokollen den neuen Stellenwert der Verwaltung deutlich, deren Tätigkeiten sich mehr und mehr von der Gerichtsbarkeit auf die öffentliche Wohlfahrt und Verwaltung verschob. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch an der Abspaltung zweier weiterer Protokollserien, einem Bauprotokoll vom August 1803, das offenbar nicht weiter fortgesetz worden ist (XI 137f.), und den sog. Polizeiprotokollen, die vom September 1808 bis zum Juni 1813 erhalten sind (XV f. 82-98, 116).

Einen deutlichen Einschnitt bedeutete auch das neue Rekrutierungssystem, das 1806 zu Anlage eines vereinzelten Rekrutierungsprotokolls führte (XII 108-115). Gerade die im Zusammenhang mit der Freistellung vom Militärdienst stehenden zahllosen Bescheinigungen über die Unabkömmlichkeit junger Männer enthalten viele Informationen zu den sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen in Allendorf.

Durch den Wiener Kongress fiel das Herzogtum Westfalen 1815 an das Königreich Preußen. Für die Aktenführung bis 1820 macht sich der Wechsel des Landesherrn praktisch nicht bemerkbar. Die Berichtsprotokolle sind die einzige aus diesen Jahren vorhandene Protokollserie.

Ergänzt werden die Protokolle durch eine Aktenüberlieferung, die bis in das 17. Jahrhundert zurückreicht. Hervorzuheben sind hier vor allem die Streitigkeiten mit den kurfürstlichen Richtern Samuel und Johann Conrad Niedenstein um die Gerichtsrechte in Allendorf. In vielen Fällen beziehen sich die Akten aber auch auf Fälle, die in den Protokollen aufgeführten sind, so dass sich beide Überlieferungen ergänzen.

Über die Geschichte des Archivs sind wir nur sehr schlecht unterrichtet, da ältere Nachrichten fehlen. Nach der Übernahme der Herrschaft durch den Landgrafen von Hessen-Darmstadt wurde 1802 die Registratur an den Kommissar Regierungsrat Leuplen eingesandt (XI 56b-57a). 1805 fanden sich im Archiv angeblich nur zwei Bruchstücke vor (XIII 110). Dies spricht dafür, dass auch in Allendorf, wie es der von 1803 bis 1816 bei der Arnsberger Regierung angestellte Archivrat Bartholomäus Dupuis beschreibt, das Archiv nicht im Kirchturm oder im Rathaus verwahrt wurde, sondern"in den Häusern der Richter und Gerichtsschreiber verstreut ohne gehörige Aufsicht und Bewahrung gegen Feuersgefahr" (Westf. Zeitschrift 51, 1893, II S. 118). Zu denken ist vor allem an Notar und Stadtsekretär Adam Theodor Egels, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mehrere Aktenstücke ausgestellt hat (III 3- 5, 10-21, 23).

Im Laufe des 19. Jahrhunderts, als Allendorf von 1826 Bürgermeisterei bzw. Amtssitz eines Amtes war, muss das Archiv dann aber doch im Rathaus deponiert worden sein. Als 1906 der Amtssitz nach Sundern verlegt wurde, wurden die Akten, die sich damals noch in der Registratur befanden, mitgenommen; sie befinden sich heute im Stadtarchiv Sundern im Urkundenbestand (Zehntrechte, Privilegienbestätigung, St. Antonius-Kapelle, 15.-16. Jhdt.) und den in den Aktenbeständen I A (Vermögens- und Rechnungssachen, Vikarie, Zeitungsberichte, Walkmühle, Brände, Prozesse, Ablösungen städt. Gerechtsame) und I C 3 (Tuchmacherzunft, Gerichtsakten). Die Altakten blieben dagegen auf dem Dachboden liegen. Sie reichen vom Anfang des 17. Jahrhunderts bis in die 1820er Jahre, einige wenige Stücke in Band XVI auch bis 1859.

Als der Nachtwächter Hellweg, der zwischenzeitig das alte Rathaus bewohnt hatte, in den 1920er Jahren dort auszog, nahm er die im Haus vorgefundenen Archivalien mit und übergab den größten Teil in den 1950er Jahren an Dr. Norbert Peters-Guntermann. Dieser ließ die Akten in die heutigen Folianten einbinden, wobei innerhalb der Protokolle die ursprüngliche Ordnung weitgehend ungestört erhalten blieb, während bei den Akten durch eine Ordnung nach chronologischen Gesichtspunkten die Zusammenhänge teilweise zerrissen sind. Dr. Peters-Guntermann arbeitete die Akten nicht nur selbst intensiv durch, wovon zahlreiche farbige Unterstreichungen der Namen Peters und Guntermann und die Aussonderung einige Stücke mit besonderem Bezug zu den Familien Peters und Guntermann zeugen, sondern er stellte sie auch Bernhard Riering für die 1972 erschienene Chronik der Stadt Allendorf zur Verfügung (s. Vorwort und Quellenverzeichnis S. 153).

Zur Vorbereitung einer neuen Schrift zur 600-Jahr-Feier der Stadtgründung im Jahr 2006 hat der Heimatverein Fickeltünnes e.V. zusammen mit Frau Hagemeister, der Tochter und Erbin von Dr. Peters-Guntermann, erstmalig eine Erschließung dieses Archivbestands in Auftrag gegeben. Um die Bindung nicht auflösen zu müssen, hat Frau Hagemeister die einzelnen Stücke in den Bänden nummeriert. Die Bände wurden vor der Verzeichnung in chronologischer Folge durchgezählt, so dass sich die Signatur sich aus der Bandzählung und der Nummer des Stücks zusammensetzt. Dabei ergibt sich folgendes Bild:

I = "1600 - 1680" (Produkte)

II = "1680 - 1726" (Produkte)

III = "1732 - 1799" [Produkte, darin auch 2 Fragmente aus den Magistratsprotokollen: 7.1.1795 (f. 46) und 7.2.1793 und 13.10.1794 (f. 50)]

IV = "1755" [Magistratsprotokolle: 19.2.-31.7.1755 (f. 2-10), 26.9.1755 (f. 11), 20.2.-18.12.1756 (f.12-23), 17.2.1757-2.12.1758 (f. 24-36), 7.3.1759-4.2.1762 (f. 37-58r), 26.9.1755 (f. 58v), 25.2.-5.3.1762 (f. 60-61r), verschiedene Aufzeichnungen 1756-1766 (f. 59, 61v-69)]

V = ohne Aufschrift (Produkte, 1774-1775)

VI = "Allendorf" (Kirchenrechnungen 1775-1797)

Die Kirchenrechnungen ab 1785/86 enthalten folgende Positionen

1. Einnahmen

- Geldeinnahmen (Zinsen)

- Empfang wegen der Sakramentsmesse

- Untzel- (Talg) und Wachs-Renten

- Kornpachten

2. Ausgaben

-- ordinaire (regelmäßige) Ausgaben

-- Armen-Empfang

-- extraordinaire Ausgaben

z.T. sind nur die Jahresabschlüsse erhalten, z.T., vor allem für die Jahrgänge 1777/78 und ab 1785/86, liegen die kompletten Listen der Einnahmen und Ausgaben vor.

VII = "Allendorf 1792" (Verhörprotokoll)

VIII = "1792" [Magistratsprotokolle: 8.2.1792-17.9.1794 (f. 2-47), Produkte,1792-1796 (f. 48-49), 20.1.1795-20.10.1795 (f. 50-68)]

IX = "1797 - 1798" [Magistratsprotokolle: 7.2.-9.6.1797 (f. 2-24), 7.7.1797-20.8.1798 (f. 25-41), 19.11.-20.12.1798 (f. 42-43)]

X = "1797" [Magistratsprotokolle: 4.3.-29.5.1797 (f. 1-5), 20.11.1797-8.1.1798 und 18.3.1798 (f. 6 f.), 19.4.1799-8.10.1800 (f. 8-27), 24.11.1800 (f. 28r), Mai 1799, 9.7.1799, 18.3.1800 (f. 36-28v), 22.1.1802 (f. 28r), z.T Überschneidungen mit Band IX]

XI = "1800 - 1803" [Protokolle: Magistratsprotokolle 15.11.1800-27.7.1802 (f. 2-49), 18.11.1800, 29.6.1801, 2.8.1801 (f. 51f.); Berichtsprotokoll 7.12.1802-24.11.1803 (f. 54-94); Bürgerliches Abschluss-Protokoll 18.7.1803-13.7.1804 (f. 96-135), Bauprotokoll 3.-4.8.1803 (f. 137 f.)]

XII = "1802 - 1807" [Holzprotokolle, darin auch Rekrutierungsprotokoll, 2.6.1806 (f. 115-108)]

XIII = "1804 - 1805" [Protokolle: Magistratsprotokolle (Prot. ordinarium) 3.8.1803-29.6.1804 (f. 1-47), 30.11.1804-14.6.1805 (f. 48-66), 5.4.1805-16.9.1805 (f. 140-114); Abspaltung von Berichtsprotokollen 20.1.1804-28.2.1805 (f. 67-92), 13.3.1805-19.9.1805 ( (f. 93-113)]

XIV = "1800 - 1807" [Produkte 1800-1806 (f.1-39, 57-59), Magistratsprotokolle 31.7.1806-29.10.1807 (f. 40-56)]

XV = "1806 - 1810" (Magistratsprotokoll 2.5.1807-20.5.1809 (f. 49-81, ungeordnet), Berichtsprotokolle 18.8.1806-4.8.1808 (f. 1-48), 14.4.1814-1.4.1815 (f. 98'-115), 17.7.1810-31.8.1811 (f. 117-141), Polizeiprotokolle 26.9.1808-21.6.1813 (f. 82-98, 116); ab 25.3.1814 Berichte des Schultheißen Gercke)

XVI = "1808-1859" (Produkte)

XVII = "1813 - 1820" [Protokolle: Berichtsprotokoll 9.2.1813-29.8.1814 (f.1, 3-16), 21.2. und 10.3.1815 (f. 16v, 2), 7.2.1817-9.9.1820 (f. 27-104), 14.10.1820, 19.1.1821 (f. 91), Holzprotokolle 19.7.1809 (f. 26v-24v), 13.2.1811-22.1.1812 (f. 24r-17r)]

XVIII = 1 Karton loser Akten,1580-1850, meistens Produkte mit Bezug zu den Familien Peters und Guntermann. Sie sind offenbar vor dem Binden der anderen Bände ausgesondert worden und wurden durch die Verzeichnung wieder in den Gesamtbestand eingeordnet.

Bei der Erschließung des Archivbestandes wurden die Protokolle und Produkte getrennt verzeichnet. Während bei den Akten jedes Stück eine eigene Sigantur erhielt, war dies bei der Vielzahl der Eintragungen in den Protokollen nicht möglich. Hier wurden jeweils mehrere Einträge, die dieselbe Klassifikationsgruppe betreffen, zu Gruppen zusammengefasst. Um eine Verknüpfung der Protokolleinträge und Akten zu erleichtern, wurde für beide Bereiche eine vergleichbare Klassifikation gewählt, die sich ihrerseits an den Aufgaben und Tätigkeiten des Magistrates anlehnt.

Nach der Verzeichnung in der ersten Jahreshälfte 2004 im Westfälischen Archivamt in Münster wurde das Archiv 2008 an die Eigentümerin zurückgegeben.

Anfragen sind zu richten an:

Frau Gabriele Hagemeister

Breul 17

48143 Münster

bzw.

Apostelstr. 1

59846 Sundern-Allendorf

Münster im Januar 2006

Gunnar Teske

Der Bestand ist zu zitieren: Archiv Peters-Guntermann, Allendorf, Best. Stadtarchiv Allendorf ...

Literatur: Bernhard Riering, Chronik der Stadt Allendorf, Dortmund 1972

Fickeltünnes e.V. (Hg.), Allendorfer Lesebuch, Sundern-Allendorf 2006

Verweise :

Bernhard Riering, Chronik der Stadt Allendorf, Dortmund 1972

Fickeltünnes e.V. (Hg.), Allendorfer Lesebuch, Sundern-Allendorf 2006



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