Kreisarchiv Kleve
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Altherrenreitclub Geldern e.V. (V18)
H01 - Familienarchiv Klein-Walbeck
Permalink des Findbuchs


Signatur : KA Kle H1

Name : H1 - Familienarchiv Klein-Walbeck

Beschreibung :
Das Familienarchiv Klein-Walbeck wurde dem Kreisarchiv Kleve im Jahr 2006 als Depositum von Inge Klein-Walbeck geb. Bast übergeben. Der Bestand hat eine Laufzeit von 1867 bis 2007. Die letzte vergebene Signatur ist die 182. Aus Gründen des Datenschutzes ist für die Nutzung der Archivalien, die vor weniger als 60 Jahren entstanden sind, die Einwilligung der Depositalgeber notwendig. Dies gilt nicht für bereits veröffentlichte Teile des Bestandes. Für den Rest gelten die Nutzungsbedingungen des Kreisarchivs Kleve.

Der Bestand spiegelt die Geschichte der Familien Klein/ Klein-Walbeck, Bast/ Nettesheim und von Bressensdorf in unterschiedlichen Anteilen wider. Die Gliederung folgt dieser Einteilung. Daneben stammt ein Teil der Archivalien vom landwirtschaftlichen Betrieb "Rittergut Walbeck", der in besonderer Weise mit der Geschichte des Spargelanbaus in Walbeck verknüpft ist. Ein letzter großer Teil des Bestandes ist durch das Engagement Walther Erwin Klein-Walbecks in der "Traktatland-Problematik" entstanden und enthält wichtige Ergänzungen zur amtlichen Überlieferung. Einige Verzeichnungseinheiten beziehen sich zudem auf das Erbe Karl Lamprechts, das zu Teilen durch die Familie verwaltet wurde.(1)


Familiengeschichte
Die Familiengeschichte kann hier nur in Grundzügen dargestellt werden und soll zur groben Orientierung im Bestand dienen:
Walther Friedrich Klein-Walbeck wurde 1876 in Elberfeld als Sohn des Juristen Jakob Wilhelm Klein und seiner Frau Maria Elisabeth Deves geboren. Nach seinem Abitur absolvierte Walther Friedrich ein juristisches Studium. Später schlug er jedoch eine militärische Laufbahn ein und diente im Ersten Weltkrieg im Generalstab des Feldheeres in Belgien. Im Jahr 1912 heiratete er die Leipzigerin Clara Elsa Maria genannt Mia von Bressensdorf. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor: Hellmuth, geboren 1913, und Walther Erwin, geboren 1916. Kurz nach der Geburt des zweiten Sohnes verstarb Mia. In dem Familienarchiv befinden sich somit auch Archivalien, die die Familiengeschichte der Bresselau von Bressensdorfs betreffen.

Walther Friedrich Klein-Walbecks zweite Ehefrau Marianne wurde 1888 als Tochter des Historikers Karl Lamprecht und seiner Frau Mathilde Mühl in Poppelsdorf bei Bonn geboren. Marianne war eine Freundin Walther Friedrich Klein-Walbecks erster Frau Mia. Nach Mias Tod lebte zwischen Walther Friedrich und Marianne ein Briefwechsel auf, der zu großen Teilen in diesem Bestand überliefert ist. Im März 1919 heirateten die beiden in Leipzig. Kinder gingen aus dieser Ehe nicht hervor. In diesem Bestand sind auch Dokumente zu finden, die die Nachlässe Karl Lamprechts und seiner Ehefrau betreffen.

Im Jahr 1920 entschloss sich das Ehepaar Walther Friedrich und Marianne Klein-Walbeck, nach Walbeck zu gehen. Hier hatte Jakob Wilhelm Klein 1902 das Schloss Walbeck und Ländereien erworben.(2) Dieses Anwesen überließ er als Erbteil seinem Sohn. Aufgrund dieses Besitzes hatten Jakob und Walther Friedrich Klein 1911 bzw. 1919 die Genehmigung für den Namenszusatz "Walbeck" erhalten.(3) Schließlich baute das Ehepaar den landwirtschaftlichen Betrieb Rittergut Walbeck auf, der vor allem von einer Geflügelzucht bzw. einem Geflügelmastbetrieb und dem Spargelanbau lebte. Walther Klein-Walbeck führte in Walbeck den Spargelanbau ein, weshalb er auch als "Spargelmajor" bekannt wurde. Auf seine Initiative hin wurde 1929 die Walbecker Spargelbaugenossenschaft gegründet. Nach seinem Tod im Jahr 1931 führte seine Ehefrau Marianne den landwirtschaftlichen Betrieb erfolgreich weiter. Sie verstarb im Jahr 1946.Im Jahr 1948 heiratete Walther Erwin Klein-Walbeck Inge Bast. Die Familie Bast ist mit den Familien Nettesheim und Aengenenyndt verwandt, sodass auch aus diesen Familien Archivalien in das Familienarchiv gelangten. Die Familie lebte fortan nicht mehr im Schloss. Dieses wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Erholungsheim für Bergleute genutzt, bis schließlich 1955 ein Institut für christliche Sozialpädagogik, das "Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands", hier seine Räumlichkeiten fand. Im Jahr 1980 wurde das CJD Eigentümer des Schlosses.(4)


Inhalt des Bestandes
Der Bestand gibt durch die zahlreichen persönlichen Dokumente Auskunft zu einzelnen Personen der Familie Klein-Walbeck. Auch familiäre Ereignisse werden hier dokumentiert.

Der überlieferte Briefverkehr zwischen Marianne Lamprecht und Walther Friedrich Klein-Walbeck spiegelt die Entwicklung der engen Beziehung zwischen den beiden, die schließlich zur Ehe führt, wider. Somit erhalten sie sehr persönliche Empfindungen, wobei in ihnen auch politische Ansichten bekundet werden. Über diese Ebene hinaus stellt der Briefwechsel ein wertvolles Zeitdokument aus dem Ersten Weltkrieg und der direkten Nachkriegszeit dar.

Die Briefe Marianne Klein-Walbecks an ihre Schwester Else Schütz, geb. Lamprecht liefern Informationen über das Leben auf Schloss Walbeck. Marianne Klein-Walbeck berichtet ihrer Schwester über den Haushalt und die Landwirtschaft, besonders über ihre Hühnerzucht. Ferner spiegeln die Schriftstücke sehr persönliche Empfindungen wider, gerade wenn die Verfasserin sich zu familiären Ereignissen bzw. Problemen oder politisch äußert. Natürlich geben die Briefe auch Zeugnis vom Leben in Walbeck in den 1920er Jahren mit Bezügen zu zeittypischen Themen wie der Inflation oder der belgischen Besatzung.

Ebenso sind die zahlreichen Fotos lebendige Zeugnisse der Familiengeschichte der Klein-Walbecks.

Die Archivalien zur Familie Bast/ Nettesheim geben die Zeit vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs fast ausschließlich durch Fotos wieder. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem Leben von Josefine Bast, der Mutter von Inge Klein-Walbeck. Der Aufenthalt Josefines in Brasilien Ende der 1940er bis Mitte der 1950er Jahre wird durch Dokumente, Fotos und Briefe an ihre Tochter und ihren Schwiegersohn geschildert. Darüber hinaus befinden sich Erinnerungen, Gedichte, Prosatexte, Kollagen und Bilder von Josefine Bast im Bestand. Diese geben nicht nur die Familiengeschichte sondern auch Aspekte der Gelderner Geschichte wieder.

Die Geschichte der Familie von Bressensdorf wird durch den zweiten Band der "Lebenserinnerungen" von Erwin von Bressensdorf, der nicht nur zahlreiche Informationen über Ereignisse der Familien von Bressensdorf und Klein-Walbeck enthält, beschrieben. Auch politische Angelegenheiten werden hier in Form eines Tagebuchs dokumentiert.(5) Als Ergänzung dienen Unterlagen zur Familienforschung, einige persönliche Dokumente und Fotos.

Die Geschichte des Schlosses Walbeck und des landwirtschaftlichen Betriebs wird durch Fotos und Dokumente gezeigt. Von Besatzungsschäden der 1920er Jahre über die Instandsetzung und Schäden im Zweiten Weltkrieg bis zum Verkauf der Gebäude lässt sich die Geschichte der Gebäude nachvollziehen. Die Betriebsführung des landwirtschaftlichen Betriebs wird durch Geschäftsunterlagen und Notizen deutlich. Neben der dort betriebenen Geflügel- und Ponyzucht beschäftigen sich vielfältige Unterlagen mit dem Spargelanbau und dem Spargelabsatz. Das Verhältnis des Ritterguts Walbeck zur Spargelbaugenossenschaft und zur Erzeugerversteigerung in Straelen wird ausführlich beleuchtet.(6)

Ferner kann mit Hilfe des Bestands die besondere Problematik des "Traktatlands", die durch die Grenzlage Walbecks zu den Niederlanden nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden war, betrachtet werden. Hierbei geht es nicht nur um die Grundstücke im Eigentum der Klein-Walbecks, die sich auf niederländischem Gebiet befanden, sondern um die Organisation der Eigentümer auf deutscher Seite, bei der Walther Erwin Klein-Walbeck eine prominente Rolle einnahm.


Erschließungsarbeiten am Bestand
Der Bestand lag in sehr inhomogener Form in Bezug auf Erhaltungszustand, Sortierung und Ablage vor. Es wurde versucht, - soweit erkennbar - die vorliegende Ordnung zu erhalten.

Die Verzeichnungseinheiten 1 bis 41 und 142 wurden gebildet, indem die Archivalien, die zu großen Teilen unsortiert vorlagen, nach Themen geordnet und dann erschlossen wurden. Die Verzeichnungseinheiten 42 bis 138 hingegen lagen größtenteils in Ordnern vor, sodass sie so sortiert übernommen werden konnten. Die Verzeichnungseinheiten zum Traktatland wurden zu großen Teilen vollkommen neu gebildet, da keinerlei Ordnung zu erkennen war.

Die Briefe, die Marianne Klein-Walbeck an ihre Schwester Else Schütz in der Zeit von 1921-1929 schrieb, wurden teilweise ungeordnet überliefert, sodass bei der Erschließung versucht wurde, mit Hilfe der Datierung und inhaltlicher Gesichtspunkte diese Schriftstücke zeitlich in der korrekten Reihenfolge zu sortieren. Leider kann diese Reihenfolge teilweise nur vermutet werden. Briefe oder Ausschnitte aus Briefen, die überhaupt nicht eingeordnet werden konnten, befinden sich in einer separaten Verzeichnungseinheit. Die Nummerierung der Briefe, die sich häufig in der Kopfzeile der Schriftstücke findet, wurde vorgenommen, bevor der Bestand als Depositum dem Kreisarchiv Kleve übergeben wurde. Diese Reihenfolge ist nicht immer korrekt. Sie liegt jedoch den kurzen Zusammenfassungen einzelner Briefe, die von Inge Klein-Walbeck erstellt wurden, zugrunde. Die Briefe und Dokumente von Josefine Bast lagen ebenfalls ungeordnet vor, sie konnten anhand einer teilweise vorliegenden Nummerierung, dem Datum oder dem Inhalt weitestgehend geordnet werden. Es blieben jedoch einige Fragmente, die nicht zugeordnet werden konnten.

Zahlreiche Fotos des Bestandes können nicht datiert werden. Zu großen Teilen wurde die Beschriftung der Fotos durch Inge Klein-Walbeck, die entweder auf der Rückseite der Fotos oder neben den aufgeklebten Fotos zu finden war, übernommen. Hierbei konnten nicht immer alle Personen eindeutig identifiziert werden.

Der Erhaltungszustand der einzelnen Dokumente und Fotos ist sehr unterschiedlich. Dies liegt auf der einen Seite am unterschiedlichen Alter und den verschiedenen Materialien und Papierqualitäten. Auf der anderen Seite haben die Dokumente durch häufigen Gebrauch und schlechte Lagerung gelitten. Die Dokumente wurden soweit nötig trocken gereinigt, Falten und Knicke sowie Metallteile wurden entfernt. Aus ungeeigneten Mappen oder Folien wurde eine Umlagerung in säurefreie Mappen vorgenommen. Die einzelnen Materialarten wurden voneinander getrennt.

Die Fotos wurden, soweit sie nicht in Alben eingeklebt waren, in Pergamintaschen gelegt. Wenn die Fotos in Alben vorlagen, wurden diese Alben aufgelöst und soweit möglich auch die Fotos gelöst. Dabei wurden auch Klebstoffreste entfernt. Die Fotos waren mit unterschiedlichen Klebern befestigt und wiesen schon Schäden durch diese, durch mechanische Einwirkungen und durch chemische Prozesse auf. Beim Ablösen der Klebstoffe sind kaum weitere Beschädigungen entstanden. Der Charakter der Alben wurde dadurch erhalten, dass die Fotos seitenweise in Taschen gelegt wurden.

Folgende Druckschriften wurden im Bestand belassen:
Asche, Herbert (Hrsg.): 10 Jahre Bentheimer Grenzlandausschuss, o.A.,
Bressensdorf, Erwin von: Lebenserinnerungen Bd. II.
Instruktion zum Reit-Unterricht für die Kavallerie. Vom 31. August 1882. 1. Theil (Berlin: Vossische Buchhandlung, 1882).
Reichsarchiv (Hrsg.): Schlachten des Weltkrieges. Bd. 23. Das Marnedrama 1914. 2. Teil (Oldenburg/Berlin: Gerhard Stalling, 1928).
Schoenbeck, Richard: Reiten und Fahren. Anleitung zur Kenntnis des Pferdes und zu seinem Gebrauch unter dem Sattel und im Zuge. Siebte Auflage (= Thaer Bibliothek, Bd. 68, Berlin: Paul Parey, 1922).

Die Gliederung des Bestandes richtet sich zuerst nach den unterschiedlichen Familien und dann nach den einzelnen Arten der Dokumente, wie Briefe, Fotos etc. Die einzelnen Verzeichnungseinheiten sind rein chronologisch - nicht thematisch - innerhalb der jeweiligen Gliederungspunkte sortiert. Zu dem Bestand wurde jeweils ein Personen-, Orts-, Gebäude- und Sachindex angelegt.

Die Erschließung fand zu großen Teilen im Rahmen einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem landwirtschaftlichen Betrieb Rittergut Walbeck bis 1945 durch Sylvia Berger 2007 bis 2008 statt. Teile der Archivalien zur Familie Bast/ Nettesheim und Teile der Akten zum Traktatland wurden 2008 von Andreas Berger erschlossen.


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(1) Siehe hierzu: Kreisarchiv Kleve, Nachlass Lamprecht (N5).
(2) Siehe hierzu und zur Vorgeschichte auch Kreisarchiv Kleve Familie Bönninghausen Haus Bönninghausen/ Haus Walbeck (N1).
(3) Es wird im Findbuch für Walther Friedrich Klein-Walbeck bei der Namensnennung vor und nach 1919 unterschieden, dies gilt analog für seine Ehefrau.
(4) Vgl. Stefan Frankewitz: Die Denkmäler der Stadt Geldern (= Geldrisches Archiv 6, Geldern 2001), S. 362.
(5) Der erste Band der "Lebenserinnerungen" befindet sich nicht in diesem Bestand.
(6) Zum landwirtschaftlichen Betrieb siehe auch: Sylvia Berger: "Walbecker Bürgermeister lässt den Bergsteg sperren oder Der Spargelverkauf auf Rittergut Walbeck in den 1930er Jahren", in: GHK 2009.


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