Geschichtswettbewerb
Anregungen
zum
Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten
2012/2013
Vertraute Fremde.
Nachbarn in der Geschichte

Kinder in der Siedlung Schmillenberg, 1949 (Foto D 2)
„Vertraute Fremde. Nachbarn in der Geschichte“ lautet das Thema des von der Körber-Stiftung in Hamburg ausgeschriebenen Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2012/2013.
Unter Nachbarn versteht man primär die in angrenzenden Gebäuden wohnenden Personen. Nachbarn können aber auch Städte, Gemeinden, Länder oder Wirtschaftsbetriebe sein. Jeder hat Nachbarn und lebt mit ihnen Tür an Tür. Eine Nachbarschaft ist immer in Bewegung und verändert sich durch Zu- und Abwanderung, durch Stadtplanung, politische Konflikte und Grenzverschiebungen. Geprägt wird eine Nachbarschaft von vielen Faktoren. Die Nähe ermöglicht gegenseitige Hilfe, sie kann aber auch einengen und zu Konflikten führen.
Findet mit Hilfe von Quellenmaterial aus dem Stadtarchiv heraus, wie Nachbarn in der Geschichte miteinander umgegangen sind. Was machte eine Nachbarschaft aus? Welche Konflikte waren mit ihr verbunden? Was entschied darüber, ob sich Nachbarn hilfsbereit, gleichgültig oder feindselig begegneten?
Dieses Faltblatt bietet euch eine Handvoll Fragestellungen und Themenvorschläge aus der Lokalgeschichte und nennt Quellenmaterial aus dem Stadtarchiv Bergisch Gladbach. Natürlich sind auch ganz andere Themen möglich. Begebt euch auf die Spurensuche! Forscht in Archiven und Bibliotheken! Lest in alten Akten oder in historischen Zeitungen, nutzt Tonaufnahmen oder Fotos.
Mitmachen lohnt sich, denn zu gewinnen gibt es Geld- und Sachpreise im Gesamtwert von bis zu 250.000 Euro. Alle Teilnehmer erhalten eine Urkunde. Einsendeschluss ist der 28. Februar 2013.
Ihr könnt alleine, in einer Gruppe oder mit Euren Lehrern ins Stadtarchiv, Hauptstraße 310 in Bergisch Gladbach (in der Nähe des Viktoriakinos) kommen. Die Archivare helfen Euch bei der Recherche. Telefonisch erreicht Ihr Dr. Albert Eßer unter 02202/142208, Michael Krischak unter 02202/142212, Jan Fassin unter 02202/142285, Kirsten Dillmann unter 02202/142478 oder per Email an archiv@stadt-gl.de.
Weitere Informationen und die genauen Teilnahmebedingungen könnt ihr unter www.geschichtswettbewerb.de abrufen.
Das Merkblatt gibt es auch zum Download als pdf-Datei
Merkblatt zum Geschichtswettbewerb 2012/13
Belgier in Bensberg –
Besatzer, Verbündete, Freunde?
1946 zogen belgische Truppen in Bensberg ein und beschlagnahmten das Schloss sowie viele weitere öffentliche und private Gebäude. Die Einquartierung von Militärangehörigen führte, neben einer akuten Wohnungsnot, zu immensen finanziellen Folgen für die Stadt. Das Verhältnis in der aufgezwungenen Nachbarschaft war distanziert. Ein gemeinsamer Alltag fand nicht statt. Die Belgier errichteten eigene Wohnviertel, eine Schule und einen Supermarkt. Erst Ende der 1950er Jahre kam es unter Bürgermeister Dr. Müller-Frank zu Annäherungen, z.B. durch die Gründung eines deutsch-belgischen Komitees, das gemeinsame Projekte wie Jugendfahrten förderte.
Wer waren die neuen Nachbarn und warum war das Verhältnis so distanziert? Was für Auswirkungen hatte die Besatzung auf das Leben der Bensberger? Wo kamen die Nachbarn miteinander in Kontakt? Welche Rolle spielten politische Veränderungen für die Nachbarschaft?
Arbeitsmaterial
F 2/726
Entwurf einer Denkschrift über die Schäden und Nachteile, die der Stadt Bensberg durch die Besatzung entstanden sind
J 12/170
Entwicklung und Aufbau einer deutsch-belgischen Jugendpflege
S 6/337
Das Leben der belgischen Besatzungskinder in der Nachkriegszeit im Rheinland - Facharbeit
MF 4/3
Kölnische Rundschau vom 7.9.1949 „Bensbergs steigende Wohnungsnot.“

Schild an der belgischen Schule Falltorstraße, 2003 (L 1/1302)
Gronau – Industrie und Wohnungen als Nachbarn
Bürgerinitiativen sind Interessenvertretungen der Bevölkerung, sie wollen konkrete Probleme aus dem politischen, sozialen oder ökologischen Umfeld lösen. In Gronau entstand schon in den 1930er Jahren ein Bürgerverein, der eine Beruhigung des Industrieverkehrs erzielen wollte. In den 1970er Jahren protestierte eine Bürgergemeinschaft vehement gegen den weiteren Auf- und Ausbau von Gewerbeflächen im Stadtbezirk. Obwohl die Industrie Arbeitsplätze schafft, ist sie ein unliebsamer Nachbar, da sie oft Schmutz und Lärm verursacht. Wie schwer es ist, Wohngebiet und Industrie nebeneinander anzusiedeln, zeigte der Bau des Wohnparks Gronau. Gegen dieses Projekt legten Industriebetriebe Einspruch ein.
Wer oder was entschied darüber, ob sich Industrie und Bürgerinitiative feindlich oder friedlich gegenüberstanden? Welche Rolle spielten wirtschaftliche und politische Einflüsse auf den Umgang in der Nachbarschaft?
Arbeitsmaterial
E 2/1856
Eingabe von Bürgervereinen
O 2/17
Problemauflistung der Bürgergemeinschaft Gronau
G 4/1920
Einspruch gegen den Wohnpark Gronau
MF 3/184
KStA vom 17.11.1979 „Gronauer klagen über Wachendorff-Immission“

Bergische Landeszeitung vom 4.1.1971 (MF 4/132)
Bensberg –
ehemalige Nachbarstadt von Bergisch Gladbach
Durch die Kommunale Neuordnung im Jahr 1975 musste die bis 1974 selbstständige Stadt Bensberg ihre Unabhängigkeit aufgeben und wurde der Nachbarstadt Bergisch Gladbach „einverleibt“.
Wieso kam es 1975 zu der Vereinigung von Bensberg und Bergisch Gladbach? Warum wehrten sich die Bensberger Bürger gegen diesen Zusammenschluss so vehement? Finde an Hand der Quellen heraus, wie sich das Verhältnis der ehemaligen Nachbarstädte vor und nach der Neuordnung beschreiben lässt und wie es sich entwickelt und verändert hat.
Arbeitsmaterial
F 2/1664
Verfassungsklage der Stadt Bensberg gegen die Kommunale Neugliederung
F 2/1670
Bürgerbriefe gegen die Kommunale Neuordnung
G 9/251
Bergisch Gladbach 1975 – ein neuer Beginn
MF 4/155
BLZ vom 3.7.1973 „Lamfell, Stadt Zweitausend, Ommerbornsau und Strundertal, BLZ-Leser zerbrechen sich den Kopf über neuen Stadtnamen“

Letzte Ratssitzung des Rates der Stadt Bensberg, 1974 (L 101/413)
Geplante Nachbarschaft – Siedlungen in Kippekausen
1949 entwickelte die Stadt Bensberg das Siedlungsprojekt „Schmillenberg“, es sollte dem kriegsbedingten akuten Wohnraum-mangel in Bensberg Abhilfe schaffen. Heimatvertriebene, Ausgebombte und „Besatzungsverdrängte“ hausten auf engstem Raum. In Refrath konnten sie einen Neuanfang starten und 51 Einfamilienhäuser mit Garten errichten. Daran angrenzend entstand kurze Zeit später die Parksiedlung Kippekausen als Demonstrativ-bauvorhaben der Bundesregierung. 1961 wurde Richtfest gefeiert, an dem sogar Bundeskanzler Konrad Adenauer teilnahm.
Wer ließ sich in den Siedlungen nieder? Entstand dort ein Gemeinschaftsgefühl? Wie kam es zum Ausdruck? Gab es Außenstehende, gegen die man sich abgrenzte?
Arbeitsmaterial
N 7/2
Richtfeier der Parksiedlung Kippekausen
S 7/120
„Bensberg Kippekausen. Die Siedlung im Park“
WM 2727
50 Jahre Schmillenberg 1949-1999
XT 3/4
Richtfest der Parksiedlung Kippekausen
MF 4/380
BLZ vom 16.4.1999 „Kein Badezimmer, dafür aber ein Stall. Die Siedlergemeinschaft Schmillenberg feiert ihr Jubiläum mit großem Fest“

Parksiedlung Kippekausen und Siedlung Schmillenberg, 1967 (Foto D 1487/6)
„Der Baum ist zu hoch!“ - Nachbarschaftsstreitigkeiten
„Zweige hängen über die Grenzen, eine Mauer ist zu hoch oder ein Strauß mit weißen Beeren wächst zu nah am Zaun“, so Schiedsmann Klaus-Peter Freese 2000 zu den häufigsten Konflikte in der Nachbarschaft. Auf den ersten Blick unbedeutende Themen können in einer großen Auseinandersetzung enden. Eine Möglichkeit, Streitigkeiten auf einfachem Weg zu klären, bietet das Schiedsamt. Dies ist eine ehrenamtlich ausgeübte Tätigkeit seit dem frühen 19. Jahrhundert zur Streitschlichtung in weniger wichtigen strafrechtlichen und nachbarschaftsrechtlichen Angelegenheiten. In mehr als der Hälfte aller Fälle kann der „Friedensrichter“ die nachbarschaftlichen Streithähne zu einer Einigung bringen.
Welche Konflikte können in einer Nachbarschaft entstehen? Warum schaukeln sich einige Auseinandersetzungen hoch? Welche Möglichkeiten hat der Schiedsmann, auf das nachbarschaftliche Gefüge einzuwirken?
Arbeitsmaterial
C 1514
Nachbarschaftsbeschwerden bei der Polizei
F 2/1413
Statistik des Schiedsmannwesens 1952 – 1959
MF 3/215
KStA vom 20.9.1991 „Drei Prozesse um eine mehr als dreißig Jahre alte Fichte geführt.“
MF 3/239
KStA vom 27.10.2000 „Mit sanftem Druck zur Einigung“

Preußische Schiedsmannsordnung von 1879 (Bensberg 45)
„Ciao vicino“ - Gastarbeiter in Bergisch Gladbach
In den 1950er Jahren wurden Ausländer angeworben, für einen befristeten Zeitraum in Bergisch Gladbach zu arbeiten und die wachsende Industrie zu unterstützten. Gastarbeiter waren Italiener, Griechen und Türken, die in Bergisch Gladbacher arbeiteten und dann blieben. Zuerst nur die Männer, später kamen ihre Frauen und Kinder nach.
Wie lebte es sich in der neuen Heimat mit neuen Nachbarn? Welche Rolle spielten wirtschaftliche, ethnische oder soziale Einflüsse in der Nachbarschaft? Vielleicht kennst du einen ehemaligen Gastarbeiter, möglicherweise erzählt er dir, wie er sich in Bergisch Gladbach gefühlt hat und wie sein Leben hier war.
Arbeitsmaterial
F 2/1215
Unterbringung von Gastarbeitern
G 4/111
Zentrum zur Betreuung von Gastarbeitern
T 3/8
Podiumsdiskussion „Italiener in Bergisch Gladbach“
MF 3/155
BLZ vom 25.6.1970 „Gastarbeiter wohnen für hohe Mieten in schäbigen Löchern“

Italienische Arbeiter der Grube Lüderich in Untereschbach, 1955 (L 1/653/1)
Wir wünschen euch viel Erfolg bei der Spurensuche!