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Geschichtswettbewerb

Stadtarchiv Bergisch Gladbach

 

Anregungen

zum

Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

2010/2011

 

Ärgernis, Aufsehen,

Empörung:

Skandale in der Geschichte

 

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Foto D 25/5: Vor dem Gerichtssaal, Konkursprozess gegen Franz Weißenberger, 1979

 

 

 

 

 

„Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte“ lautet das Thema des vonder Körber-Stiftung in Hamburg ausgeschriebenen Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten 2010/2011. Der Wettbewerb fordert Euch auf, Motive und Ablauf eines historischen Skandals aus Eurer Umgebung zu erforschen und kritisch zu hinterfragen.

Skandale faszinieren damals wie heute. Sie rücken Verfehlungen oder Gerüchte schlagartig ins Licht der Öffentlichkeit. Es kann sich um politischen Machtmissbrauch, um Bestechung in einem Wirtschaftsunternehmen oder um einen Umweltskandal handeln.

Findet mit Hilfe von Quellenmaterial aus dem Stadtarchiv Skandale, die Bergisch Gladbach bewegt haben. Was wurde zum Skandal und warum? Wer war beteiligt? Können Mitwisser, Nutznießer oder Leidtragende benannt werden? Welche Rolle übernahmen die Medien? Bewirkte die öffentliche Empörung eine nachhaltige Veränderung in der Gesellschaft?

Dieses Faltblatt bietet euch eine Handvoll Fragestellungen und Themenvorschläge aus der Lokalgeschichte und nennt Quellenmaterial aus dem Stadtarchiv Bergisch Gladbach. Natürlich sind auch ganz andere Themen möglich. Begebt euch auf die Spurensuche! Forscht in Archiven und Bibliotheken! Lest in alten Akten oder in historischen Zeitungen, nutzt Tonaufnahmen oder Fotos, interviewt Zeitzeugen oder Leidtragende eines Skandals.

Mitmachen lohnt sich, denn zu gewinnen gibt es Geld- und Sachpreise im Gesamtwert von bis zu 250.000 Euro. Alle Teilnehmer erhalten eine Urkunde. Einsendeschluss ist der 28. Februar 2011.

Ihr könnt alleine, in einer Gruppe oder mit Euren Lehrern ins Stadtarchiv, Hauptstraße 310 in Bergisch Gladbach (in der Nähe des Viktoriakinos) kommen. Die Archivarinnen und Archivare helfen Euch beim Heraussuchen der Quellen. Telefonisch erreicht Ihr Dr. Albert Eßer unter 02202/142208, Michael Krischak unter 02202/142212, Jan Fassin und Sabine Weber unter 02202/142285 und Kirsten Dillmann unter 02202/142478.

 

 

 

 

Die genauen Teilnahmebedingungen könnt ihr unter

 

www.geschichtswettbewerb.de

 

abrufen.

 

 

 

 

 

Eklat um Straßennamen

Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit

 

Die posthume Verehrung früherer Nationalsozialisten – ein Skandal! Diese Meinung vertraten die Grünen, als sie Ende der 1980er Jahre im Rat der Stadt Bergisch Gladbach einen Antrag auf Abänderung einiger Straßennamen vorbrachten. Darunter war der Carl-Diem-Weg, benannt nach dem populären Kölner Sportfunktionär und Sportwissenschaftler Carl Diem. Diem war 1936 als Generalsekretär des Olympischen Komitees ein Mitorganisator der Spiele in Berlin. Warum war eine Straße am Stadion 1965 nach Carl Diem benannt worden und warum wurde sie 1989 umbenannt? Welche Argumente wurden in der öffentlichen Diskussion angeführt?

 

Arbeitsmaterial:

- WM 2943     Achim Laude und Wolfgang Bausch:

                            Der Sport-Führer. Die Legende um Carl Diem, 2002.

- O 34/10        Stellungnahme des Bürgermeisters Holger Pfleger

                            zur Straßenumbenennung April 1989.

- MF 4/293     Bergische Landeszeitung vom 22.04.1989: „Das Schild.“

 

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Bergische Landeszeitung vom 15.6.1989

 


 

Abhöraffäre Traube

 

Die Möglichkeit zum Abhören und Überprüfen persönlicher Daten durch staatliche Stellen ist heute gesetzlich geregelt. 1977 erregte das Abhören eines Bensbergers bundesweites Aufsehen: „Der Minister und die Wanze“ titelte der Spiegel am 7. März 1977. Der Atomphysiker Klaus Traube, Mitarbeiter der Bensberger Firma Interatom, wurde als Opfer eines Lauschangriffs benannt. Hintergrund war seine angebliche Nähe zur terroristischen Gruppierung RAF. Der Verfassungsschutz befürchtete, Traube hätte durch seine Position bei Interatom Zugang zu atomarem Sprengstoff. In einer Nacht- und Nebelaktion verwanzten sie sein Haus, konnte ihm aber nichts nachweisen. Wieso wurde die Affäre „Traube“ zu einem bundesweiten Skandal? Welche Rolle spielten die Medien dabei?

 

Arbeitsmaterial:

- WM 2348     Interatom und Siemens in Bensberg;

                            Vier Jahrzehnte Forschung und Technologie, 1994.

- R 13/66        Erinnerungsbericht von Dr. Claus Berke über

                           die Geschichte der Firma Interatom.

- R 13/70        Materialsammlung von Interatom (Presseberichte)

- MF 3/179     Kölner Stadt-Anzeiger vom 1.3.1977:

                           „Plutonium lagert sicher.“

 

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Foto: R 13/70 Titelbild des Spiegels vom 7. März 1977

 

 

 

 

 

Skandal!

Wohnungen auf Mülldeponie gebaut

 

Die Bewohner der Theodor-Fliedner-Straße waren überrascht, als bekannt wurde, dass ihre Häuser auf einem verseuchten ehemaligen Steinbruchgelände standen. Schließlich war das Bauland von der Stadt Bergisch Gladbach nach der Altlastenbewertung freigegeben worden. Ein späteres Gutachten ergab, dass das Bewohnen der Theodor-Fliedner-Str. aus ärztlicher Sicht zu unterbinden sei. Es könne sonst zu bleibenden gesundheitlichen Schäden kommen. Öffentliches Aufsehen erregte der Fall, nachdem die Stadt zuerst keine Maßnahmen zur Beseitigung der Gefahrenlage vornahm. Was heizte die Stimmung  an? Wie reagierte die Stadt auf den Skandal? Welche Folgen hatte das Medieninteresse für die Betroffenen?

 

Arbeitsmaterial:

- G 4/1461      Pressemitteilungen der Stadt 1987/88.

- G 4/2082      Sachverhaltsermittlung der Projektgruppe Altlasten.

- MF 3/207     Kölner Stadt-Anzeiger vom 27.5.1989:

                           „Von Müll war nie die Rede.“

- MF 4/272     Bergische Landeszeitung vom 12.12.1986:

                           „Häuser auf Müllkippe gebaut.“

 

 

Bergische Landeszeitung vom 6.2.1989

 

 

 

 

 

Schmiergeldaffäre Weißenberger

 

Die Baufirma Weißenberger war in den 1960er Jahren einer der größten regionalen Arbeitgeber. Ihre Bauten wie das Kreishaus, das Forum, einige Schulzentren und der Wohnpark in Gronau prägten das Stadtbild. Als Anfang der 1970er Jahre die städtischen Bauaufträge nachließen, musste die Firma, deren Unternehmensstrategie von öffentlichen Großaufträgen abhing, Konkurs anmelden. Im anschließenden Prozess gegen Franz Weißenberger wegen Konkursvergehens kamen skandalöse Details zutage. Weißenberger hatte für Bauzuschläge städtische Mitarbeiter bestochen. Welche Personen und Einrichtungen waren in den Skandal verwickelt? Wie verhielten sich die Beteiligten im Verlauf des Skandals? Was sagt der Skandal über die Zeit aus, in der Weißenberger Erfolg hatte?

 

Arbeitsmaterial:

- G 5/37          Konkurs und Prozesssachen der Firma Weißenberger.

- E 3/2080       Vergabe des Bauauftrags für die Integrierte

                            Gesamtschule Paffrath.

- XT 3/31        Aufzeichnungen von Radio und Fernsehbeiträgen

                            über den Konkurs der Firma Weissenberger.

- MF 4/157     Bergische Landeszeitung vom 25.9.1973

                           „Massenentlassungen – weil der große Auftrag ausblieb?“

 

 

Foto D 25/4: Weißenberger im Gerichtssaal

 

 

 

Die Strunde stinkt!

Bürger sind über den Dreck empört.

 

Seit Jahrhunderten ist die Strunde Identifikationsmerkmal Bergisch Gladbachs und fließt quer durch die Stadt. Er war Voraussetzung für die Entwicklung der Bergisch Gladbacher Papierindustrie. Das verschmutzte Abwasser wurde zusammen mit Abfällen zurück in die Strunde geleitet. Bald galt die Strunde als eines der am „stärksten verschmutzen Gewässer im Rheinland“. Die Anwohner beschwerten sich über die Verunreinigung und den Gestank bei den Behörden. 1905 berichtete der Merheimer Bürgermeister dem Landrat, dass die Verschmutzung bis zur Kemperwiese reiche und diese mit einer Kruste aus Pappe überzogen sei. Warum wurde die Verschmutzung des Baches Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem Skandal? Wieso empörten sich die Bewohner über die Firmeninhaber?

 

Arbeitsmaterial:

- WZ 10          Schiffer, Thomas: Konflikt um die Verschmutzung der Strunde,

                            in: Heimat zwischen Sülz und Dhünn 13 (2006).

- E 2/1             Angelegenheiten der Papierfabrik Zanders.

- D 335           Zivilprozess um Reinigungskosten der Strunde.

- C 387           Strunderbach-Polizei.

- MF 6/7         Volksblatt für Bergisch Gladbach und Umgegend vom 3.12.1903:

                           „Die Verunreinigung des Strunderbaches“.

 

 

Volksblatt für Bergisch Gladbach und Umgegend vom 3.12.1903

 

 

 

 

Der Contergan-Skandal

 

In den 1960er Jahren deckte die Presse einen der größten Arzneimittelskandale der Bundesrepublik auf. Man bewies, dass die Verabreichung des Beruhigungsmittels Contergan der Firma Grünenthal zu einer großen Zahl von Fehlbildungen bei Neugeborenen führte. Mehr als ein Jahrzehnt diskutierte die Öffentlichkeit über Schuldzuweisung und Entschädigung. Auch heute ist der Contergan-Skandal noch nicht vergessen. Im September 2008 trat eine Bergisch Gladbacher Gruppierung um Stephan Nuding aus Schildgen (selbst Conterganopfer) in den Hungerstreik. Die Streikenden wollten erneut Aufmerksamkeit für die Conterganopfer und deren Stiftung erlangen. Welcher Vorwurf wurde der Firma Grünenthal gemacht? Wie verhielten sich die Beteiligten im Verlauf des Skandals? Wie gingen die Angesprochenen damit um?

 

Arbeitsmaterial:

- MF 4/58       Bergische Landeszeitung vom 28.11.1961:

                           „Schlafmittel Contergan wird scharf überprüft.“

- MF 4/131     Bergische Landeszeitung vom 8.12.1970:

                           „Verteidiger im Contergan- Prozess wollen Einstellung.“

- MF 3/283     Kölner Stadt-Anzeiger vom 20.9.2008:

                           „Hungerstreik in Schildgen.“

 

Bergische Landeszeitung vom  5.12.1970

 

 

 

Wir wünschen Euch viel Spaß bei der Spurensuche!

 

 

Weitere Informationen zum Geschichtswettbewerb können unter www.geschichtswettbewerb.de abgerufen werden.


Zur Homepage des Stadtarchivs Bergisch Gladbach.