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Geschichtswettbewerb

Anregungen des Stadtarchivs Bergisch Gladbach
für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten
zum Thema:

 

 

So geht's nicht weiter.


 

Krise, Umbruch, Aufbruch

 

 

Demonstration gegen Finanzminister Franz Josef Strauß vor der Villa Zanders, 1. September 1969 (StAGL, L 101/28/4)

Demonstration gegen Finanzminister Franz Josef Strauß vor der Villa Zanders, 1. September 1969 (StAGL, L 101/28/4)

 


 


Lebenskrise, Umweltkrise, Wohnungskrise, Wirtschaftskrise, Azubi-Krise, Flüchtlingskrise, und vielleicht noch eine Regierungskrise:

 

„So geht’s nicht weiter.“

Unter diesem Thema steht der diesjährige Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Es geht um „Krise, Umbruch, Aufbruch“. Zu gewinnen gibt es 550 Preise von bis zu 2.000 Euro. Teilnehmen könnt ihr einzeln oder in Gruppen. Es gilt Literatur zu recherchieren, Zeitungen durchzusehen, Akten auszuwerten und Fotos zu analysieren, um anhand lokaler Beispiele Um- und Aufbrüche in der Geschichte zu untersuchen.

 

Mögliche Leitfragen können sein: Was macht eine „Krise“ aus? Warum wurden „Krisen“ von den Menschen in der Vergangenheit als Krisen wahrgenommen? Welche Perspektiven hatten unterschiedliche Personen und Gruppen auf die Krise oder den Umbruch? Fanden die Menschen Wege zur Überwindung von Krisen? Oder verschlimmerten sie die Krise noch? Machten sie aus der „Krise“ vielleicht gar einen Aufbruch? Gab es Konflikte um den Umgang mit der Krise? Wie blickten die Menschen auf die Zeit der Krise oder des Umbruchs zurück? Können uns diese Krisenerfahrungen beim Umgang mit unseren heutigen Problemen helfen?

 

Auf der Webseite www.geschichtswettbewerb.de findet ihr die Wettbewerbsbedingungen sowie Anregungen und Tipps zum Geschichtswettbewerb. Einsendeschluss ist der 28. Februar.

 

Auf dieser Seite haben wir für euch Themenvorschläge und Anregungen zusammengestellt, die ihr im Stadtarchiv Bergisch Gladbach im Gustav-Lübbe-Haus an der Scheidtbachstraße 23 bearbeiten könnt. Es geht zum Beispiel um Flucht und Auswanderung, um Wohnungsnot und um Schülerproteste. Neben einer kurzen Einführung gibt es zu jedem Thema Hinweise auf Quellen. Aber auch zu anderen Themen könnt ihr im Stadtarchiv Unterlagen und Unterstützung bekommen. Ihr erreicht uns unter der E-Mail-Adresse archiv@stadt-gl.de oder telefonisch unter folgenden Nummern:

Dr. Albert Eßer  02202 / 142208
Michael Krischak-Wareeyan  02202 / 142212
Jan Fassin  02202 / 142285
Martin Knopp  02202 / 142478

 
Dieses Merkblatt gibt es auch als PDF.

 


 

1856

Bergisch Gladbacher flüchten und kommen an

 

„Goodbye Deutschland!“ heißt es seit 2006 im deutschen Privatfernsehen. Den gleichen Gedanken hatte vor 150 Jahren der aus Cornwall eingewanderte Bergmann William Reynold in Bergisch Gladbach. Er setzte sich mit einem Agenten in Beziehung und ließ sich eine Überfahrt nach New York beschaffen. Ähnliche Pläne hatten in der Mitte des 19. Jahrhunderts viele Menschen. Ebenso viele führte ihr Weg aus der Ferne nach Bergisch Gladbach und Bensberg.

 

Was veranlasste diese Menschen zu solchen Aufbrüchen? Gab es politische oder wirtschaftliche Krisen, die sie zwangen zu wandern? Welche Erwartungen verknüpften sie mit ihrer neuen Heimat? Welche Herausforderungen galt es zu überwinden? Wie reagierten staatliche Stellen auf Ein- und Auswanderer?

 

Arbeitsmaterial:

A 221  –  Maßnahmen gegen die Verleitung von Facharbeitern der Papierindustrie zur Auswanderung, 1804-1807.
C 289  –  Auswanderung Bergisch Gladbacher Einwohner und Untertanen nach anderen Gemeinden oder dem Auslande, 1827-1854.
WZ 10  –  Morsches/Ludemann: Traumkarriere – Bensberger Bauernsohn wird Professor in Frankreich. In: Heimat zwischen Sülz und Dhünn 18 (2012), S. 2-8.
WZ 10  –  Lückerath: Adolph Heidkamp – Vom Odenthaler Bauernsohn zum Zeitungsverleger und Richter in Port Washington, Ozaukee County, Wisconsin. In: Ebd. 19 (2013), S. 29-33.

 

Aufnahmeschein des Bergmanns William Reynold für eine Überfahrt nach Amerika, 1856 (StAGL, C 1142)Aufnahmeschein des Bergmanns William Reynold für eine Überfahrt nach Amerika, 1856 (StAGL, C 1142)

 


 

1901

Kreisarzt Moers bekämpft den Typhus

 

Am 20. April 1901 erkrankt der Schmied Thomas Naeschen. Am 26. April wird er aus seinem Haus Gronauer Straße 40 (heute Hauptstraße) ins Krankenhaus eingeliefert. Diagnose: Typhus. Am 1. Mai schreibt der Kreisarzt Dr. Moers einen ernsten Bericht an den Landrat.

 

Warum nahm der Kreisarzt Naeschens Erkrankung so ernst? Welche Veränderungen sah er als nötig an? Wie reagierten die Bürger? In welcher Verbindung stand der Fall Naeschen zu den großen Umbrüchen der Industriellen Revolution und Urbanisierung? In welchem Sinne handelt es sich um eine Krise bzw. einen Umbruch?

 

Arbeitsmaterial:

C 1346  –  Gesundheitspolizeiakte zu Typhuserkrankungen in Bergisch Gladbach, 1871-1935.
WM 3879  –  Bericht des Kreisarztes zum Fall Naeschen, 1.5.1901. In: Quellenheft 1815-1914, S. 98-100.
D 1239  –  Abgabe von Wasser aus dem Wasserwerk, 1896-1914, enth. u.a. Ordnung über die Abgabe von Wasser aus dem Wasserwerk der Stadt Bergisch Gladbach, 1902.
E 2/965  –  Kanalbauprojekt Bergisch Gladbach, 1889-1910.

 

Krankenhaus „Maria Hilf“, um 1909 (StAGL, Foto A 206)Krankenhaus „Maria Hilf“, um 1909 (StAGL, Foto A 206)

 

 



1918

Der Soldatenrat schließt das Kadettenhaus
Schloss Bensberg

 

Im Neuen Schloss Bensberg wurden seit 1840 Kinder und Jugendliche auf eine Laufbahn im preußischen Offizierskorps vorbereitet. Am 11. November 1918 – dem Tag der Unterzeichnung des Waffenstillstands – entließ ein Abgesandter des Kölner Arbeiter- und Soldatenrates die Kadetten nach Hause. Nach der Schließung der Kadettenanstalt bildete sich ein Traditionsverband ehemaliger Schüler und Offiziere als „Ring ehemaliger Bensberger“.

 
Was bedeutete die Schließung des Kadettenhauses für die Kadetten? Welchen Status hatte eine militärische Laufbahn im Kaiserreich? Wie wurden die Kadetten auf ihr Leben vorbereitet? Wer waren ihre Vorbilder? Wie nahmen Zeitgenossen die Ereignisse 1918 wahr? Und wie blickten Lehrer, Offiziere und Kadetten auf das Umbruchsjahr 1918 in ihrem Leben zurück?

 

Arbeitsmaterial:

J 3/3  –  Räumung des Kadettenhauses Bensberg, 1918-1919.
R 5/1  –  Dokumentation der Räumung und Auflösung des Kadettenhauses Bensberg, angefertigt durch den Ring ehemaliger Bensberger, 1937.
WL 6/27  –  Chronik des Bensberger Lehrers Conrad Grommes, bes. S. 232f.
WM 4262  –  Theweleit: Sexualität und Drill. Der Umbau des Leibs in der Kadettenanstalt. In: Männerbande, Männerbünde. 2. Band. Köln 1990, S. 399-404.

 

Kadetten der 2. Kompanie der Kadettenanstalt Bensberg auf dem Schlosshof, um 1915 (StAGL, L 105/96)Kadetten der 2. Kompanie der Kadettenanstalt Bensberg auf dem Schlosshof, um 1915 (StAGL, L 105/96)

 

 



1932

SA marschiert durch Gronau

 

Am 23. Juni 1932 meldete die NSDAP-Ortsgruppe einen Umzug von 1.000 SA-Leuten an. Erst wenige Tage vorher hatte das Präsidialkabinett Papen das SA-Verbot aufgehoben. Wahlen zum Reichstag standen bevor und die Folgen der Weltwirtschaftskrise bedrückten noch immer die Menschen. Als am 17. Juli die SA durch Gronau marschierte, kam es auch in Bergisch Gladbach zu politischen Gewalttaten.

 
Wo und warum kam es zu Auseinandersetzungen? Welche Absichten verfolgten die Nationalsozialisten mit ihren Umzügen? Wie reagierten Bevölkerung und Stadtverwaltung? Welche historischen Zusammenhänge können zur Bewertung der Gronauer Ereignisse beitragen?

 

Arbeitsmaterial:

MF 7, MF 17,
  MF 14, MF 19
 –  aus der Rheinisch-Bergischen Zeitung, Mülheimer Zeitung, Rheinischen Zeitung und Sozialistischen Republik vom 18. Juli 1932.
E 1/43  –  Gladbacher Stadtverordnete nehmen Stellung zum Verhalten der Polizei beim SA-Umzug am 17. Juli, Sitzung von 26. Juli 1932.
Bensberg 47/2  –  Polizeibericht zum SA-Umzug am 17. Juli 1932.
S 8/842  –  Flugblätter und Betriebszeitungen der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition aus dem Sommer 1932.

 

Illustration in einem Flugblatt der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO) zum SA-Aufmarsch am 17. Juli (StAGL, S 8/842)

Illustration in einem Flugblatt der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition (RGO) zum SA-Aufmarsch am 17. Juli (StAGL, S 8/842)

 

 



1945

Herr Herkenrath fahndet nach Wohnraum

 

Der 18. Oktober 1945 war kein schöner Tag für Frau Lappe. Der städtische Beamte Herkenrath besichtigte zum wiederholten Mal ihr Haus. Noch dazu benahm sich Herkenrath nicht gerade rücksichtsvoll, glaubt man dem Beschwerdebrief des Schwagers von Frau Lappe. Herkenrath war von der Stadt beauftragt, Wohnraum zu finden. Etwa 5.000 Menschen suchten damals in der auf über 21.000 Einwohner angewachsenen Gemeinde Bensberg nach Obdach.

 

Warum war es zu dieser Wohnungskrise gekommen? Unter welchen Bedingungen waren Wohnungslose in der Nachkriegszeit untergebracht? Zu welchen Maßnahmen griff die Stadtverwaltung um Obdachsuchende unterzubringen? Welche Konflikte gab es zwischen Stadtverwaltung, Neu- und Altbürgern? Wie entwickelte sich die Wohnungssituation in den folgenden Jahren? Welche bleibenden Auswirkungen hatte der Bevölkerungszuwachs?

 

Arbeitsmaterial:

F 2/704  –  Einweisung der Familie Dr. Röskau bei Lappe, 1945-1946.
F 3/28  –  Personalakte Johann Herkenrath, 1945-1946.
Foto D 438
- 452
 –  Fotos der Fotografen Mommer und Günther von Notunterkünften und Wohnbaracken, 1945 ff.
F 2/712  –  Vorbereitung des Abschnitts zur Wohnungsnot im Verwaltungsbericht der Stadt Bensberg 1949-1959.
F 2/1429  –  Verwaltungsberichte der Stadt Bensberg, 1942-1948.

 

Notunterkunft der 8 köpfigen Familie Strasser in Bensberg , Reiser 13, 1946 (StAGL, Foto D 451/2-3)Notunterkunft der 8 köpfigen Familie Strasser in Bensberg , Reiser 13, 1946 (StAGL, Foto D 451/2-3)

 

 



1970

Schüler demonstrieren gegen die Bildungsmisere

 

Die Jahreszahl „1968“ ist heute als Symbol eines kulturellen und politischen Aufbruchs in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen. Auch Schüler begannen ihr Verhältnis zu Gesellschaft und Schule zu hinterfragen. Am 5. Juni 1970 protestierten Schüler aus Bensberger und Bergisch Gladbacher Gymnasien und Realschulen gegen den „Bildungsnotstand“.

 

Was nahmen die Schüler 1970 als krisenhaft wahr? Was für Ziele und Sorgen trieben sie an? In welchen Formen versuchten sie ihre Ziele durchzusetzen? Wie reagierten Eltern, Lehrer, Schulverwaltung und Öffentlichkeit? Wie veränderten sich Schule und Gesellschaft? Wie blicken die „68er“ heute auf diese Zeit zurück?

 

Arbeitsmaterial:

MF 3, MF 4  –  Zeitungsberichte aus dem Kölner Stadtanzeiger und der Bergischen Landeszeitung vom 6. Juni 1970.
WL 5/120  –  Schulmuseum (Hg.): 1968. Schule – Reform – Protest. Bergisch Gladbach 2018, bes. S. 182ff (Zeitzeugenberichte).
S 8/854  –  Schülerzeitung „perspektiv“ des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums, 1967-1971.
E 3/995  –  Schülermitverwaltung des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums, 1969-1972 (Schulverwaltungsakte).

 

Schülerprotest in Bergisch Gladbach am 5. Juni 1970 (© Werner Pütz, StAGL, Foto D 2063/4)Schülerprotest in Bergisch Gladbach am 5. Juni 1970 (© Werner Pütz, StAGL, Foto D 2063/4)