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Archiv Haus Senden, Best. Rheinische Güter

 

Aus der umfangreichen Überlieferung des Archivs Haus Senden (circa 17 Kilometer südwestlich von Münster) ist mit Blick auf die Geschichte des Rhein-Kreises Neuss vor allem der niederrheinische Besitz der Familie Droste zu Senden von Interesse.

 

Dieser geht zurück auf die 1650 geschlossene Ehe zwischen Jobst Mauritz dem Älteren Droste zu Senden († 1685) und Petronella Raitz von Frentz, die den Besitz ihrer Eltern, teils auch ihrer Voreltern (von Bellinghausen, von Kniprath, von Baren) in die Ehe eingebracht hat. Unmittelbare Vorbesitzer dieser Güter waren die Brüder Petronellas, nämlich Johann Dietrich, Johann Friedrich und Rudolf Raitz von Frentz, die 1661 den elterlichen Besitz unter sich geteilt hatten.

 

Dabei erhielt Johann Dietrich Raitz von Frentz zu Zieverich, damals Domherr zu Münster und Speyer, mit dem ersten Los das Gut Vollrath. Das zweite Los mit dem Gut Gustorf fiel an Johann Friedrich Raitz von Frentz zu Zieverich und das dritte Los mit dem Rittersitz Gustorf fiel an Rudolf. Die Schwester Petronella erscheint bei der Teilung nicht als Berechtigte, wohl weil sie vor ihrer Eheschließung von den elterlichen Gütern abgefunden worden war und den üblichen Verzicht ausgesprochen hatte. Wahrscheinlich hatte sie einen Anteil am Gut Muchhausen erhalten, denn bereits seit 1670 vergaben ihr Sohn Jobst Adolf und dessen Ehefrau Dorothea Elisabeth Pachtungen aus ihren Muchhauser Ländereien (Nr. 1161, 1162).

 

Erst am 9. März 1678 zeigten die Bevollmächtigten des Freiherrn Droste zu Senden an, dass Johann Friedrich († 1674) von Raitz zu Gustorf gestorben sei und baten um Belehnung des Jobst Adolf Droste zu Senden, Sohn der Schwester Anna Petronella geb. von Frentz († 1668), mit dem Frenzen-Gut zu Vollrath im Kirchspiel Allrath. Ferner suchten sie um dessen Belehnung mit dem Alhover Lehen nach (Nr. 1191).

 

Die Witwe des Johann Friedrich Raitz von Frentz, Johanna Rosina geb. von Lülstorff, hatte inzwischen Johann Wilhelm von der Recke zu Kurl geheiratet. Gegen ihn prozessierte der Domherr Johann Dietrich Raitz von Frentz wegen der Nachlassenschaft seines verstorbenen Bruders. Diese Auseinandersetzung findet sich teilweise auch in der Überlieferung des Hauses Höllinghofen unter dem Bestandsnamen Recke-West (Nr. 71-73).

 

Johann Friedrich Raitz von Frentz hat nach den Inventaren, die seine Witwe über dessen Nachlassenschaft aufgestellt hat, die Güter Gustorf, Königshoven und Priesterath besessen. Das Rittergut zu Gustorf, Schafberg genannt, war ein kurkölnisches Lehen und noch 1659 an die drei Brüder Raitz-Frentz in Gemeinschaft vergeben worden. (Der Bruder Rudolf war schon 1669, spätestens im Januar 1670 verstorben.) Das Königshover Lehen, genannt Alhover Lehen, war ein kurpfälzisches Lehen und ressortierte vom Amt Grevenbroich. Zu Gustorf hatte Johann Dietrich auch Allodialgüter besessen. Von ihnen allen ergriff Johann Dietrich zwar im Juli 1675 Besitz, ohne aber wirklich Herr darüber zu werden, denn der Prozess um das Besitzrecht wurde bis vor das Reichskammergericht getragen und von Jobst Adolf Droste zu Senden als Lehnsnachfolger des Domherrn Johann Friedrich Raitz von Frentz fortgesetzt. Jobst Adolf stritt sich um Teile des Besitzes gleichzeitig mit seinem Bruder, dem Deutschordensritter Jobst Mauritz Droste (1666-1754), der seit 1705 die Kölner Kommende St. Katahrina leitete und als Statthalter seit 1716 die Ballei Koblenz. Aus der reichsunmittelbaren Herrschaft Elsen des Deutschen Ordens hatte Jobst Mauritz sich gewaltsam in Teile des mütterlichen Erbes (Gustorf) gesetzt.

 

Die Überlieferung der Besitzungen der Droste zu Senden ist auch deswegen von Interesse, weil sie in die Geschichte von Gegenden führt, die aufgrund des Braunkohleabbaus von der historischen Landkarte verschwunden sind.

 

Die Erschließung der Unterlagen wurde durch Herrn Dr. Werner Frese (Münster) realisiert. Die formale Überarbeitung der Erschließungsunterlagen erfolgte durch Herrn Dr. Volker Helten (Neuss) und durch das Archiv im Rhein-Kreis Neuss.

 

Die Benutzung des Bestandes erfolgt nur über das LWL-Archivamt für Westfalen.

 

Weiterführende Literatur: Adelsarchive in Westfalen, bearbeitet von Wolfgang Bockhorst, 3. aktualisierte Auflage, Münster 2012.

 

Findmittel Archiv Haus Senden Best. Rheinische Güter.pdf