Kommunalarchive

Willkommen beim Portal der Archive in NRW

u

Navigationen


Micronavigation

 

Westfälische Adelsquellen zur Kreisgeschichte

 

Im Jahre 2008 ist aus den Reihen des Kreistags des Rhein-Kreises Neuss nachfolgender Antrag gestellt und beschlossen worden:

 

„Von der sprichwörtlichen territorialen Zersplitterung des Deutschen Reiches vor 1789 war das Gebiet des heutigen Rhein-Kreises Neuss nicht ausgenommen. Neben und teilweise in den Anteilen von Kurköln und dem Herzogtum Jülich existierte eine größere Zahl von mehr oder minder selbständigen Herrschaften, Unterherrschaften und Rittersitzen. Gemeinsames Charakteristikum war eine in der Regel häufige Fluktuation der Besitzer im Wege der Erbfolge. Das Hausarchiv mit dem Verwaltungsschriftgut ist gewöhnlich nicht vor Ort verblieben, sondern an neue Wirkungsstätten verbracht worden.

Aus diesem Grunde befinden sich heute umfangreichere Bestände der einst hier ansässigen Adelsherrschaften in auswärtigen Archiven oder Privatbesitz. Dies hat naturgemäß dazu geführt, dass diese Quellen bisher weniger beachtet wurden und in der lokalen Geschichtsforschung kaum Berücksichtigung gefunden haben.

Nach Umfang und Bedeutung ragt aus dieser Gruppe die Überlieferung der Grafen von Neuenahr und ihrer Nachfolger, der Grafen bzw. Fürsten von Bentheim-Steinfurt und Bentheim-Tecklenburg heraus. Diese Familien verfügten mehrere Jahrhunderte lang auch über Besitz im heutigen Kreisgebiet. Dies gilt namentlich für die Herrschaften Helpenstein, Wevelinghoven, Lievendal und Hackenbroich. Auch durch den Besitz der Herrschaft Bedburg hatten sie Anteil im heutigen Kreisgebiet (u. a. Welchenberg). Außerdem ergeben sich aus dem Schriftgut ständige Bezüge zu anderen Territorialherren des Kreises; dies gilt vor allem für Kurköln und Dyck.

 

Besonderes Interesse dürfen die vorgenannten Archivalien auch deshalb beanspruchen, weil die Grafen von Neuenahr und Bentheim sehr früh zum Protestantismus konvertiert sind. Die Epoche der konfessionellen Auseinandersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts lässt sich dadurch auf lokaler Ebene gut dokumentieren. Aber auch die kriegerischen Auseinandersetzungen, Schul- und Kirchenbauten, Gewerbesachen, die Beziehungen zu Juden, Gerichtsprotokolle, Zehnten und Steuern und vieles mehr finden ihren Niederschlag in den Urkunden und Akten.

 

Die Neuenahr-Bentheimer Archive lagern an drei Orten:

a) Staatsarchiv Münster

b) Fürstl. Bentheim und Steinfurter Archiv in Burgsteinfurt

c) Fürstl. Bentheim-Tecklenburgisches Archiv in Rheda

 

Die Überlieferung deckt schwerpunktmäßig die Zeit zwischen etwa 1550 und 1800 ab, doch reicht die urkundliche Überlieferung teilweise bis ins Hochmittelalter zurück. In allen Archiven sind die (Pergament-) Urkunden von den Akten getrennt gelagert und erfasst. Die bisherige Erschließung ist aber sehr ungleichmäßig. Während von den Urkunden meist Inhaltsbeschreibungen vorliegen, sind die Akten – die quantitativ weit überwiegen – nur summarisch erfasst. Um als Basis für eine spätere geschichtliche Darstellung dienen zu können, ist hier eine detaillierte Erschließung Grundvoraussetzung. Dies ist nur durch eine in den Quellen der frühen Neuzeit versierte wissenschaftliche Kraft zu leisten.“

 

Dieser Beschluss war der Startschuss zu einem großangelegten Projekt der Kreisverwaltung bzw. des Archivs im Rhein-Kreis Neuss, das die Begleitung übernahm. Wie im Antrag dargelegt, ging es im Kern darum, bislang weithin vernachlässigte historische Zeugnisse vor allem aus der Zeit der Frühen Neuzeit, die heute in westfälischen Adelsarchiven lagern, durch eine sachgerechte archivarische Aufarbeitung für eine spätere historische Auswertungstätigkeit überhaupt erst zu erschließen. Dabei war von vornherein nicht daran gedacht, ein Sachinventar ähnlich der „großen“ wissenschaftlichen Regestenwerke zu erarbeiten. Vielmehr ging es um ein einfach gehaltenes Hilfsmittel ohne aufwendige Erläuterungen, welches die in Betracht kommenden Quellen erfasst und in unterschiedlicher Tiefe – je nach Bedeutung für die Geschichte des Kreises – erschließt.

 

Das Projekt wurde in mehreren Schritten realisiert: Durch Vermittlung des LWL-Archivamtes für Westfalen wurde zunächst ein Werkvertrag mit dem seit 1. Februar 2009 in Pension befindlichen Oberarchivrat a. D. Dr. Werner Frese (Münster) geschlossen. Gemeinsam mit weiteren Mitarbeitern des LWL-Archivamtes für Westfalen hat er diverse westfälische Privatarchive (Adelsarchive) besucht und ein erstes Inventar der für den Rhein-Kreis Neuss relevanten Bestände erstellt. Bereits dieses erste Inventar mit ca. 2.000 Aktentiteln übertraf die Erwartungen an den Umfang und die Reichhaltigkeit der fraglichen Bestände bei weitem. Eine erste Sichtung ergab Betreffe zu mindestens 35 Ortschaften im Kreisgebiet. In einem zweiten Schritt wurden sodann mehr oder minder ausführliche Inhaltsangaben ausgewählter Bestände angefertigt sowie ein kombinierter Sach-, Personen- und Ortsindex erstellt. Diese Arbeiten waren im Frühjahr 2013 weitgehend abgeschlossen. Anschließend wurden die Inhaltsangaben, auch unter Hinzuziehung von Dr. Volker Helten (Neuss), überarbeitet, vereinheitlicht und für die Präsentation im Internet vorbereitet. Diese Tätigkeiten wurden seitens des LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrums finanziell unterstützt.

 

Mittlerweile stehen sämtliche Erschließungsinformationen, strukturiert nach einzelnen Archiven, in Form von PDF-Dateien online zur Verfügung. Im Ganzen handelt es sich um über 1.200 Inhaltsangaben, die sich ungleichmäßig auf die zwölf Archive verteilen. Aus der ebenfalls in PDF-Form verfügbaren Inhaltsübersicht ist die Gliederung der einzelnen Archive wie auch die Struktur des Gesamtprojekts ersichtlich.

 

Da in den Archivalien (z. B. bei Gerichtsinstanzen, Kriegsereignissen oder Lehns- und Personalbeziehungen) vielfach Bezüge zu Gebieten außerhalb des Rhein-Kreises Neuss hervortreten, war es in räumlicher Perspektive weder möglich noch sinnvoll eine trennscharfe Auswahl vorzunehmen. Vereinzelt wurden deshalb auch Stücke berücksichtigt, welche die Umgegend des Kreises betreffen oder für das Gesamtverständnis der historischen Vorgänge von Interesse sind. In formaler Hinsicht wurden wörtliche Übernahmen aus den Archivalien in den Inhaltsangaben kursiv hervorgehoben. 

 

Die PDF-Dateien sind, wo dies sinnvoll erschien, mit Lesezeichen versehen, die aus den Gliederungsüberschriften erstellt wurden und somit die Navigation erleichtern. Zudem kann innerhalb der PDF-Dateien mittels Volltextsuche nach Begriffen recherchiert werden. Schließlich steht der umfangreiche Index als weiteres Rechercheinstrument zur Verfügung. 

 

Die Benutzung der Archivalien erfolgt nicht über das Archiv im Rhein-Kreis Neuss, sondern über das verwahrende Archiv bzw. das LWL-Archivamt für Westfalen. Entsprechende Informationen finden sich jeweils in den Beschreibungen der einzelnen Archive.

 

In den Erschließungsinformationen, vor allem aber im Index wird verschiedentlich mit Abkürzungen und Symbolen operiert, die im angehängten Verzeichnis erläutert werden.

 

Für vielfache Unterstützung bei der Planung und Durchführung des Projekts dankt der Rhein-Kreis Neuss den Archivämtern der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe sehr herzlich.

 

Abkürzungen und Symbole.pdf