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Zur Kölner Stadtgeschichte, Teil 2

Wann wurde Köln von Hochwasser betroffen.
Die ältesten, allerdings sehr unsicheren Nachrichten über Rheinhochwasser reichen für den Kölner Raum bis in das Jahr 1095 zurück. Weitere Belege gibt es für die Jahre 1240, 1255, 1306, 1374, 1408, 1409, 1432, 1477, 1480, 1491, 1496, 1539, 1541-1543, 1560, 1565, 1575, 1595, 1622, 1683/84 und 1740. Mit den ältesten Hochwassermarken, erstmals verm. bereits um 1442[ 1 ] , sicher aber seit dem Ende des 16. Jhs., ließ sich schließlich auch der jeweils erreichte höchste Wasserstand ermitteln. Exakte Wasserstandsmessungen liegen für Köln seit der Einrichtung des Kölner Pegels im Jahre 1817 vor. Sein Nullpunkt wurde damals bei 35,935 m über NN festgelegt. Als Ausgleich für die durch Erosion und Ausbaggerung entstandene Vertiefung des Flußbettes wurde der Pegel zum 1. November 1979 um einen Meter auf 34,98 m abgesenkt. Für eine Angleichung der Zahlenangaben müssen daher die älteren Pegelstände um einen Meter erweitert werden.


Datum des Höchststandes [ 2 ] Pegelstand [ 3 ]
10. Mai 1595 10,54 m
20. Juni 1651 11,12 m
12. März 1658 11,98 m
30. Juni 1758 9,10 m
27./28. Februar 1784 12,60 m
29. Januar 1809 8,60 m
26. Dezember 1819 8,72 m
16. November 1824 8,55 m
31. März 1845 9,33 m
5. Februar 1850 9,24 m
5. Februar 1862 8,40 m
14. März 1876 8,76 m
Januar 1880 8,21 m
29.November 1882 9,52 m
1. Januar 1883 8,92 m
28. Dezember 1919 8,52 m
16. Januar 1920 9,59 m
5. November 1924 8,80 m
Dezember 1925 8,65 m
1. Januar 1926 9,69 m
25. November 1930 8,15 m
November 1944 8,12 m
Februar 1945 8,01 m
Februar 1946 8,32 m
Dezember 1947 8,62 m
2. Januar 1948 9,41 m
19. Januar 1955 8,80 m
26. Februar 1970 8,87 m
8. Februar 1980 9,31 m
13. April 1983 9,81 m
30. Mai 1983 9,96 m
29. März 1988 9,94 m
23. Dezember 1993 10,63 m
30. Januar 1995 10,69 m
4./5. Januar 2003 9,71 m


Welche Brücken führten und führen bei Köln über den Rhein?[ 4 ]
Vermutlich im Zusammenhang mit der Errichtung des Kastells Deutz um 310 n.Chr. verbanden die Römer Köln mit dem rechten Rheinufer durch eine erste feste Brücke. Ihre Holzkonstruktion mit einer 10 - 12 m breiten Fahrbahn ruhte auf etwa 19 steinernen Strompfeilern. Mit dem Abzug der römischen Besatzung zerfiel sie und war bereits im 5. Jh. für Fuhrwerke nicht mehr benutzbar. Fußgänger konnten sich nur auf provisorischen Holzstegen zum anderen Ufer begeben. Erzbischof Bruno (953-965) ließ schließlich die Pfeiler des inzwischen gänzlich baufällig gewordenen Bauwerks abtragen. Für nahezu neun Jahrhunderte blieb das rechte Rheinufer allein durch Wasserfahrzeuge erreichbar. Eine erste Verbesserung stellte sich dabei im Jahre 1674 ein, als eine an Seilen gezogenen Fähre (fliegende Brücke, Gierponte) von Bonn nach Deutz verlegt wurde. An die Stelle der von den Deutzer Fährherren betriebenen Gierponte trat am 16. November 1822 eine von etwa 40 Nachen getragene 400 m lange hölzerne Schiffsbrücke. Sie bildete wieder eine feste Verbindung zwischen Köln und Deutz in Höhe des Holzmarktes und der Deutzer Freiheit. Hochwasser, Treibeis und die Notwendigkeit, die Brücke dreimal täglich für den Schiffsverkehr zu öffnen beeinträchtigten jedoch weiterhin einen reibungslosen Verkehr. Mit dem Beginn der Bauarbeiten an der Deutzer Hängebrücke im Jahre 1913 wurde die Schiffsbrücke abgebrochen und nach Linz am Rhein verlegt.Erst mit der am 15. Juli 1915 für den Fuhrwerks- und Autoverkehr freigegebenen Hängebrücke (s.u.), die 1935 in Hindenburgbrücke umbenannt wurde, trat eine feste Straßenverbindung mit Deutz an die Stelle der Schiffsbrücke. Ihre aus 8263 t Stahl als versteifte Kettenhängebrücke ausgelegten Überbauten überspannten auf drei Strompfeilern in Ufernähe je 92 m und in der Strommitte 184 m. Mehrfach von Bomben getroffen, stürzte sie am 28. Februar 1945 aufgrund hoher Belastung durch Flüchtlinge und Militärfahrzeuge bei Reparaturarbeiten ein.

Die Mülheimer Brücken
Das im Raum Mülheim begüterte Kloster Altenberg hatte sich bereits 1268 von Graf Adolf V. von Berg Fährrechte in Mülheim bestätigen lassen und erst im Jahre 1700 an Kurfürst Johann Wilhelm II. von Berg abgetreten. Dieser ließ im selben Jahr eine sogenannte "fliegende Brücke" (Gierponte) errichten und für eine jährliche Pacht von 400 Reichstalern betreiben. Nach Aufgabe der fliegenden Brücke im Jahre 1844 blieb die Fährverbindung bis 1872 allein durch Nachen aufrecht erhalten. Zur Sicherstellung der Verkehrsinteressen Mülheims hatte die Stadt die Rheinfähre 1868 selbst in Pacht genommen und 1872 durch eine bis zum 19. September 1887 betriebene Drahtseilfähre (Trajekt) ersetzt. Inzwischen hatte die Stadt 1885 die Mainzer Schiffbrücke erworben, die nach umfangreichen Stromausbaumaßnahmen am 29. Mai 1888 ihren Betrieb aufnehmen konnte. Bis zum Jahre 1912 betrieb die Stadt die Schiffbrücke in eigener Verwaltung, anschließend wurde sie an Unternehmer verpachtet, das den Betrieb bis 1929 fortsetzte.Pläne zum Bau einer festen Rheinbrücke bei Mülheim lassen sich bis zum Jahre 1881 zurückverfolgen, befanden sich seit 1906 in einer intensiven Diskussion und hatten bis 1910 konkrete Form angenommen. Im Eingemeindungsvertrag von 1914 mußte sich die Stadt Köln bereits verpflichten, die nächste, nördlich der Hohenzollernbrücke zu erbauende feste Brücke in der Nähe der Mülheimer Schiffbrücke zu errichten. Nach den kriegsbedingten Verzögerungen wurde der Plan schließlich mit dem Bau einer versteiften Kabelhängebrücke in den Jahren 1927-1929 verwirklicht. Die Übergabe erfolgte am 13. Oktober 1929. Nach ihrer Zerstörung am 14. Oktober 1944 entstand von 1949-1951 an gleicher Stelle die heutige echte Kabelhängebrücke (s.u.).

Eisenbahnbrücken
Die erste Eisenbahnbrücke, die Dombrücke, wurde am 3. Oktober 1859 eingeweiht. Bauherrin dieser wegen ihrer engmaschigen Eisengitterkonstruktion ?Mausefalle" genannten Brücke war die Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft. Die Reiterstandbilder von Friedrich Wilhelm IV. (von G. Bläser 1861-1863) auf Deutzer Seite und von Wilhelm I., dem späteren deutschen Kaiser, (1867 von Fr. Drake) auf Kölner Seite wurden am 21. März 1867 vor den Mittelpfeilern der beiden Brückenportale enthüllt. Schon in den Jahren 1908 - 1910 erfolgte der schrittweise Abbruch der Dombrücke, an deren Stelle die Hohenzollernbrücke (s.u.) als kombinierte Eisenbahn- und Straßenbrücke trat. Mit der Enthüllung der Reiterstandbilder von Friedrich III. und Wilhelm II. (beide 1910 von L. Tuaillon) vor den neuromanischen Turmportalen (von Friedrich Schwechten) auf der Kölner Seite wurde die Hohenzollernbrücke am 23. März 1911 eröffnet. Die beiden Reiterstandbilder der abgebrochenen Dombrücke (Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I.) wurden vor den Turmportalen auf der Deutzer Seite aufgestellt. Eigentümerin der Eisenbahnbrücke war die Reichsbahn, der Stadt Köln gehörte die Straßenbrücke. Am 6. März 1945, wurde sie wenige Stunden vor dem Einmarsch amerikanischer Truppen von deutschen Pionieren gesprengt.Gegen ihren Wiederaufbau an gleicher Stelle und für die Verlegung des Hauptbahnhofs sprach sich die Mehrheit des Kölner Stadtrates am 15. März 1946 aus. Gleichzeitig verkaufte die Stadt Köln den einzigen nicht zerstörten Bogen des Straßenbrückenteils an die Stadt Duisburg, wo er seitdem im Hafen die Ruhr überspannt. Der Wiederaufbau vollzog sich 1948-1948 in einem ersten Bauabschnitt, bei dem alte Seitenteile der Eisenbahnbrücke auf Pfahljochen geführt und ein SKR-Mittelstück (Schaper-Krupp-Reichsbahn)- Kriegsbrückengerät eingebaut wurde. Die Reparaturarbeiten setzten sich in den Jahren 1951-1953 mit dem Absetzen der rechts- (1951) und linksrheinischen (1952) Seitenbögen auf Pfeiler, der Demontage des SKR-Mittelstücks (Januar 1952), dem Abriß des alten Brückensteges (Oktober 1952), der Montage des Mitttelbogenstückes (November 1952) und der Ankragung des Brückensteges (März 1953) fort. Der Fußgängersteg wurde am 11. April 1953 freigegeben.Eine zweite ?Südbrücke" genannte Eisenbahnbrücke, die den Rhein zwischen Oberländer Ufer und Poller Deichweg überquerte, wurde am 5. April 1910 dem Verkehr übergeben (s.u.). Ein Luftangriff zerstörte sie am 6. Januar 1945.

Autobahnbrücken
Auf dem Gebiet der damals noch selbständigen Gemeinde Rodenkirchen errichtete die Reichsautobahnverwaltung in den Jahren 1938-1941 eine als echte Kabelhängebrücke ausgelegte Autobahnbrücke. Ein Luftangriff zerstörte sie am 14. Januar 1945.

Die Notbrücken der Nachkriegszeit
Während der Besetzung Kölns durch amerikanische Truppen in der Zeit vom 6. März bis zum 20. Juni 1945 wurden zwei Notbrücken errichtet. Eine dritte Notbrücke war die Patton-Brücke, die während der britischen Besetzung Kölns in der Zeit vom 1. Oktober 1945 - 12. Juni 1946 errichtet und im September 1951 abgebrochen wurde.Die erste Notbrücke war eine Pontonbrücke, die am 21. April 1945 in Höhe der Schönhauser Allee von amerikanischen Pionieren ausschließlich zu militärischen Zwecken erbaut und bereits einen Monat später, Ende Mai 1945, nach Fertigstellung der zweiten Behelfsbrücke wieder abgebaut wurde.
Die zweite Behelfsbrücke, eine Pfahljochbrücke aus Holz, wurde oberhalb der am 28. Februar 1945 zusammengestürzten Hindenburgbrücke errichtet. Ein Datum für den Baubeginn ist nicht zu belegen. Bekannt ist jedoch, dass die an der Planung und dem Bau der Brücke beteiligten Engineer Construction Groups sich seit dem 19. April 1945 in Köln aufhielten und von der Amerikanischen Militärregierung (AMG) eine nicht bekannte Anzahl deutscher Arbeitskräfte für den Brückenbau und damit verbundene Arbeiten anforderten. Die Planung der Brücke lag in den Händen der 1067th Engineer Construction Group der US Army, gebaut wurde die Brücke unter Leitung der 1057th Port Construction Group und weiterer sieben Armee-Einheiten. In der Brückenkonstruktion waren auch eine Wasserleitung und Stromkabel zur Versorgung der Kölner Altstadt mit Wasser und Strom aus den rechtsrheinischen Vororten vorgesehen.
Die "Lt.Gen. Lesley McNair Bridge", von den Kölnern "Holzbrücke", "Amerikaner-Brücke" oder "Tausendfüßler" genannte Brücke wurde am 27. Mai 1945 eingeweiht und blieb bis September 1946 in Betrieb.
Die dritte Notbrücke wurde während der britischen Besatzungszeit in der Zeit vom 1. Oktober 1945 bis zum 12. Juni 1946 in Höhe der Bastei von der 14. Army Group der Royal Engineers zusammen mit dem Tiefbauamt der Stadt Köln aus britischen Bailey-Brückenteilen und deutschem SKR (Schaper-Krupp-Reichsbahn)- Kriegsbrückengerät gebaut und nach dem am 19. Dezember 1945 verstorbenen) amerikanischen General George Smith Patton benannt. Die Pattonbrücke hatte zwei Fahrbahnen, zwei Fußgängerwege und einen Radweg. Über sie führte eine Buslinie, für Straßenbahnen war sie nicht stabil genug. Im September 1951 wurde sie abgebrochen, da zu diesem Zeitpunkt bereits vier der zerstörten Rheinbrücken (Mülheimer Brücke, Hohenzollernbrücke, Deutzer Brücke, Südbrücke) wieder aufgebaut waren.

Die Kölner Rheinbrücken heute
Heute überspannen auf Kölner Stadtgebiet acht Brücken den Rhein:

Brücke Beschreibung
Autobahnbrücke Rodenkirchen erbaut 1938-1941 als echte Kabelbrücke, Inbetriebnahme am 21. Oktober 1941, zerstört am 14. Januar 1945 (s.o.), wiederaufgebaut 1952 - 1954, Wiederinbetriebnahme am 9. Dezember 1954, 1990-1994 sechsspuriger Ausbau, Länge 567 m, Nutzbreite 25,12 m, nach dem Umbau 44,84 m
Südbrücke (Eisenbahnbrücke mit Übergang für Fußgänger und Radfahrer) erbaut 1908-1910 als dreiteilige Zweigelenk-Bogenbrücke, Inbetriebnahme am 5. April 1910, zerstört am 6. Januar 1945 (s.o.), wiederaufgebaut 1945/46-1950, provisorische Wiederinbetriebnahme am 3. Mai 1946, endgültig am 2. September 1950, Länge der Strombrücke 368 m, Breite 8,95 m
Severinsbrücke (Straßen-brücke mit je zwei Richtungsfahrbahnen und mit gesondertem Bahnkörper) erbaut 1956-1959 als seilverspannte Balkenbrücke, Inbetriebnahme am 6. November 1959, 1979-1981 Anlage eines gesonderten Bahnkörpers, Länge der Strombrücke 691 m, Nutzbreite 29,05 m
Deutzer Brücke (Straßenbrücke mit je zwei Richtungsfahrbahnen, Rad- und Fußwegen und mit gesondertem Bahnkörper) erbaut 1913-1915 als versteifte Kettenhängebrücke, Inbetriebnahme am 15. Juli 1915, nach Luftangriffen am 28. Februar 1945 zusammengebrochen (s.o.), 1947-1948 Neubau als Hohlkasten-Balkenkonstruktion, Inbetriebnahme am 16. Oktober 1948, 1976-1979 Verbreiterung zur Anlage eines gesonderten Bahnkörpers, Länge 437,31 m, Nutzbreite 22,60 m
Hohenzollernbrücke (Eisenbahnbrücke mit Übergang für Fußgänger und Radfahrer) erbaut 1855-1859 als Gitterkastenbrücke (s.o.), Neubau 1907-1911 als Zweigelenk-Fachwerk-Bogenbrücke für den kombinierten Eisenbahn- und Straßenverkehr, Inbetriebnahme am 7. März 1909, 20. September 1910, 23. März 1911, zerstört am 6. März 1945 (s.o.), wiederaufgebaut 1946-1948 und 1957-1959, Wiederinbetriebnahme am 9. Mai 1948, 1985-1991 sechsgleisiger Ausbau und Erweiterung um einen Radweg, Länge 409,19 m, 24,85 m
Zoobrücke (Straßenbrücke mit je drei Richtungsfahrbahnen, Rad- und Fußwegen) erbaut 1962-1966 als durchlaufende zweiteilige Kastenträgerbrücke, Inbetriebnahme am 22. November 1966, Länge der Strombrücke 596,70 m, Nutzbreite 33 m
Mülheimer Brücke (Straßenbrücke mit je zwei Richtungsfahrbahnen, Rad- und Fußwegen und mit gesondertem Bahnkörper) erbaut 1927-1929 als versteifte Kabelhängebrücke, Inbetriebnahme am 13. Oktober 1929, zerstört am 14. Oktober 1944 (s.o.), 1949-1951 Neubau als echte Kabelhängebrücke, Inbetriebnahme am 9. September 1951, 1974-1977 Anlage eines gesonderten Bahnkörpers, Länge 708 m, Nutzbreite 27,20 m
Autobahnbrücke Köln-Merkenich - Leverkusen (mit Fuß- und Radwegen) erbaut 1961-1965 als seilverspannte Balkenbrücke, Inbetriebnahme am 5. Juli 1965, Länge der Strombrücke 686,35 m, Nutzbreite 37,10m








[ 1 ] An der Kirche Maria Lyskirchen.
[ 2 ] Verwaltungsberichte der Stadt Köln. Kölner Statistisches Handbuch, 1958. Bestand 1010: Sammlung Bayer, Zeitungsausschnittsammlung, Bd. 26.
[ 3 ] Die Angaben weichen in der zeitgenössischen Berichterstattung geringfügig voneinander ab. In Zweifelsfällen wurden die Angaben des Hafenamtes zugrunde gelegt.
[ 4 ] H. Signon, Brücken in Köln am Rhein, Köln1966. Bauten in Köln 1928-1988, Köln 1991.