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Zur Kölner Stadtgeschichte, Teil 3

Hausnummern in Köln

 

Woher stammt bzw. wie entstand die Hausnummer 4711?
Die Stadt Köln hat bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jhs. mehrmals den Versuch unternommen, Hausnummern einzuführen. Eine erste Hausnummerierung kam während der Einquartierung französischer Truppen im Siebenjährigen Krieg zustande. Nach einer Kostenaufstellung von 1760/61 hatte die Stadt 5300 Blechschilder zur Nummerierung der Häuser anfertigen lassen.[ 1 ] Die Häuser waren jeweils in den acht mit A - H bezeichneten Kolonelschaften, in die die Stadt seit 1583 eingeteilt war, durchnummeriert. Dies zeigen Urteile des städtischen Fiskalgerichts aus den Jahren 1767-1784, durch die leerstehende Häusern der Stadt übereignet worden sind, so z.B. Buschgasse Nr. 178, Kattenbug Nr. 629, Kostgasse Nr. 697, Unter Pöster (Auf dem Ufer) Litera D Nr. 80, Schaafenstraße Nr. 746 und 747, Weidengasse Nr. 33.[ 2 ] Noch am 19. Juli 1794 wurde das Haus Kostgasse Nr. 697 im Schreinsbuch eingetragen.[ 3 ] Im Jahre 1782 beschloß der Rat erneut eine Häusernummerierung, mit deren Durchführung die Wachtkommission beauftragt wurde. [ 4 ] Sie wies darauf hin, daß eine solche Maßnahme selbst für „kleine Flecken“, namentlich aber für große Städte nützlich sei, und schlug vor, die Bürger sollten die Nummern mit Ölfarbe an die Häuser malen. Wiederum sollten die Häuser nach den Kolonelschaften durchgezählt werden. Unsicher ist, ob diese Nummerierung ausgeführt wurde. Die Wachtkommission hat jedoch seit 1784 für ihre Rechnungsbücher sämtliche Häuser einer Fahne, der Unterabteilung der Kolonelschaft, durchnummeriert und dabei auch die geistlichen und der leerstehenden Häuser berücksichtigt.[ 5 ] Eine Bürgerbestandsaufnahme, mit der am 16. Februar 1789 die Mittwochsrentkammer beauftragt wurde,[ 6 ] sollte die Grundlage für einen weiteren Versuch bilden, der wohl auch erfolglos blieb. Erst als die Franzosen 1794 kurz vor Köln standen, sah der Rat höchste Eile geboten. Drei Tage vor dem Einmarsch schlug die Wachtkommission am 3. Oktober 1794 vor, die gebotenen Gegenmaßnahmen auf der Grundlage der Häusernummerierung zu organisieren.[ 7 ] Der Auftrag an die Wachtkommission erfolgte am 7. Oktober.[ 8 ] Sie legte bei der alsbaldigen Durchführung ihre ältere fahnenweise Nummerierung zugrunde, zählte jetzt aber sämtliche Häuser der Stadt in der Reihenfolge der Kolonelschaften durch. Am 20. Oktober notierte der Ratsverwandte Gottfried von Gall in seinem Tagebuch, daß man mit der vor acht Tagen begonnenen Nummerierung und Litterierung der Häuser fortfahre,[ 9 ] und Heinrich Joseph Metternich, der Verleger des ältesten Kölner Adressbuches von 1795, spricht in seiner am 1. Dezember 1794 vom Rat behandelten Eingabe[ 10 ] davon, die Nummerierung sei inzwischen erfolgt. Das Haus in der Glockengasse, damals im Besitz der Witwe des Wilhelm von Lemmen, erhielt die Nummer 4711.[ 11 ] Erst im Adreßbuch von 1797 wird Wilhelm Mülhens als Eigentümer genannt. Als Berufsbezeichnung ist angegeben: „in Speculationsgeschaeften“; unter den Herstellern von Kölnisch Wasser wird er noch nicht aufgeführt. Die fortlaufende Nummerierung wurde 1811 auf eine straßenweise Nummerierung umgestellt. Im Vorwort des ersten danach erschienenen Adressbuches von 1813 behauptet der Verleger Thiriart, vor Ankunft der Franzosen habe es in Köln keine Hausnummerierung gegeben. Hier beginnt die Legendenbildung.



Hat es die Schule in der Kaygasse und ihren Lehrer Welsch wirklich gegeben?
Die Kaygasse erhielt eine gewisse „Berühmtheit" durch das Karnevalslied „ In der Kaygaß Numero Null", das von den „Drei Laachduve" verfaßt und 1938 zum ersten Mal gesungen wurde. Nach 1945 erlangte es durch die „Vier Botze" in leicht veränderter Fassung Popularität.[ 12 ]
Der Straßenname läßt sich auf eine mittelalterliche Familie Keige (auch Kaie und Keye) zurückführen. Mit dem Beginn der napoleonischen Herrschaft erhielten die Kölner Straßen französische Namen. Wallraff schlug für diese Straße „ Rue de Crieurs" (Schreigasse) vor. Eine Schule an der Kaygasse hat es wirklich gegeben, denn in der Straße Großer Griechenmarkt 87 stand von 1891 bis 1939 eine Hilfsschule. Eine Bronzeplatte an einem Wohnhaus erinnert daran, daß auch ein Sonderlehrer Welsch wirklich gelebt hat. Es war der am 29. Mai 1848 in Arzdorf (Gemeinde Wachtberg) in der heutigen Villiper Straße geborene Heinrich Welsch. Nach dem Besuch der Arzdorfer Volksschule wechselte er mit 13 Jahren auf die Rektorenschule in Meckenheim. Am Anfang seines beruflichen Werdegangs stand die Lehranstalt Koblenz und die 1868 in Brühl abgelegte Lehrerprüfung. Anschließend war er als Volksschullehrer und Privatlehrer bei Reichsfreiherr Leopold von Fürstenberg auf Schloß Körtlinghausen in Westfalen tätig. Seit 1877 unterrichtete er an Volksschulen in Worringen, Sülz und seit 1881 in Kalk. Hier wohnte er in der Nießenstraße 26. Am 18. August 1886 heiratete er die Lehrerin Katharina Zentner aus Klein-Villip. Zwischen 1893 und 1901 wurden dem Ehepaar fünf Kinder geboren. Im Jahre 1905 gründete er die erste Kölner Hilfsschule in dem damals gerade eingemeindeten Kalk und leitete die in der Hollweghstraße gelegene Schule als Rektor. Eine Verbindung zu der Hilfsschule Großer Griechenmarkt 87 ist jedoch nicht zu erkennen. Ein Johann Josef Welsch ist von 1895 bis zu seinem Sterbejahr 1905 als Hauptlehrer und Rektor an der Katholischen Volksschule „Am Klingelpütz 1" nachzuweisen, kann aber nicht mit dem Hilfsschullehrer des Karnevalsliedes identisch sein. Heinrich Welsch starb 1935.[ 13 ]









[ 1 ] HAStK, Best. 33 (Militaria) Siebenjähriger Krieg, X 4, Bl. 198.
[ 2 ] HAStK, Bestand 30 (Verf. u. Verw.), N 1374, Bl. 34, 40, 52, 59-66, 71, 85-90.
[ 3 ] HAStK, Bestand 101 (Schreinsbücher) Nr. 431, Bl. 56r.
[ 4 ] HAStK, Bestand 10 (Ratsprotokolle) Nr. 229, Bl. 91 und 168v-169r.
[ 5 ] HAStK, Bestand 70 (Rechnungen) Nr. 1348-1353, 1353A, 1355-1359; Bestand 30 (Verf.u.Verw.) N 673.
[ 6 ] HAStK, Bestand 70 (Rechnungen) Nr. 139, Blatt 56r.
[ 7 ] HAStK, Bestand 10 (Ratsprotokolle) Nr. 241 Bl. 216v.
[ 8 ] HAStK, Bestand 10 (Ratsprotokolle) Nr. 241 Bl. 225r.
[ 9 ] HAStK, Bestand 7030 (Chron.u.Darst.) Nr. 175 Bl. 71v.
[ 10 ] HAStK, Bestand 350 (Franz. Verw.) Nr. 306, Blatt 3-6.
[ 11 ] Adresse-Kalender der Stadt Köln, 1795.
[ 12 ] Der Text des Liedes findet sich in: Helmut Signon. Alle Straßen führen durch Köln. Köln 1975, S. 127f.
[ 13 ] Vgl. B. Hausmanns, in: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2005.