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Zur Kölner Stadtgeschichte, Teil 4 (Vororte)

An dieser Stelle werden von Benutzern des Archivs und in schriftlichen Anfragen häufiger gestellte Fragen zur Geschichte der Kölner Vororte beantwortet. Die hier angebotenen Informationen entsprechen dem aktuellen Kenntnisstand und werden ständig ergänzt und erweitert. Für Fehler oder Ungenauigkeiten, die trotz aller Gewissenhaftigkeit nicht ganz auszuschließen sind, kann das Historische Archiv der Stadt Köln jedoch nicht haften. Hinweise nehmen wir gerne entgegen.

Wann wurden die Vororte Kölns eingemeindet? [ 1 ]
Das Gebiet der alten Reichsstadt Köln hatte sich seit dem Bau der Stadtmauer im Jahre 1180 für mehr als 600 Jahre nicht verändert und wurde erst mit dem Einzug des französischen Heeres im Jahre 1794 über die alte Stadtbefestigung hinaus bis zum damaligen Bischofsweg geringfügig erweitert. Der seit 1815 von den Preußen betriebene Ausbau der alten Stadtmauer zu einer Festung erster Ordnung verhinderte mit seinen umfangreichen Mauer- und Grabensystemen, den vorgelagerten Forts und dem im Umkreis von 1440 m den Wallanlagen vorgelagerten Rayon für beinahe jede Bebauung. Erst mit dem Erwerb der Festungsanlagen durch die Stadt Köln bot sich seit 1881 schrittweise die Möglichkeit einer räumlichen Ausdehnung. Am 12. November 1883 wurde ein Gebietsstreifen bis zum Glacisweg aus Teilen der Gemeinden Ehrenfeld, Kriel, Longerich, Müngersdorf und Rondorf dem Stadtgebiet zugeschlagen. Die in der Zeit der industriellen Revolution im Kölner Raum entstandenen oder angesiedelten Industriebetriebe waren aber bereits in die kleinen Ortschaften außerhalb des Festungsbereiches ausgewichen, wo sie sich bei gleichzeitiger Stadtnähe ungehindert ausbreiten konnten. Gleichzeitig bestanden aber enge wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Köln und seinem Umland. Mehr als die Hälfte des Eigentums befand sich hier in den Händen Kölner Bürger, die städtische Armenverwaltung verfügte über umfangreichen Grundbesitz und die Verwaltungssitze der Unternehmen waren in der Stadt verblieben oder hier ansässig geworden. Andererseits griffen die Bewohner des Umlandes gerne auf die Schulen, Krankenhäuser, sozialen und kulturellen Einrichtungen zurück und waren auf die Stadt als dem Sitz zentraler Behörden der Verwaltung und Justiz angewiesen. Seit 1886 führte die Kölner Stadtverwaltung intensive Verhandlungen mit den umliegenden Gemeinden, die zum 1. April 1888 in einer ersten großen Eingemeindung endeten. Seither hat sich mit den großen Eingemeindungen der Jahre 1910, 1914, 1922 und 1975 das 4,5 km2 große Stadtgebiet der alten Reichsstadt auf heute 405,1 km2 ausgedehnt.


Datum eingemeindete Ortsteile
1. April 1888 Stadt Deutz; Stadt Ehrenfeld und heutiges Neu-Ehrenfeld; aus der Stadt Kalk ein Teil des Bahngeländes Deutzer Feld; aus der Stadt Mülheim der südl. Teil des Mülheimer Hafens und das Gebiet südl. der Ferdinandstraße; aus der Gemeinde Efferen Teile des heutigen Klettenberg; Gemeinde Kriel (Braunsfeld, Kriel, Lind lrh., Lindenthal, Sülz); Gemeinde Longerich (Butzweiler, Heimersdorf, Lindweiler, Longerich westl. der Neusser Landstraße, Niehl, Stallagsberg, Volkhoven, Weidenpesch (bis 1. Juli 1952 Merheim lrh.); Gemeinde Müngersdorf (Bickendorf, Bocklemünd, Melaten, Mengenich, Müngersdorf, Ossendorf, Vogelsang); Gemeinde Nippes (Mauenheim, Nippes, Riehl); Gemeinde Poll (Humboldt-Gremberg westl. der Rolshover Straße, Gremberger Straße und Roddergasse, Poll); Teile der Gemeinde Rondorf (Arnoldshöhe, Bayenthal, Klettenberg, Mansfeld, Marienburg, Raderberg, Raderthal,Weißhaus, Zollstock)
1. April 1910 Höhenberg südl. der Olpener Straße; Humboldt-Gremberg (Rest); Stadt Kalk; Ostheim westl. der Linie Frankfurter Straße-Fort X in südl. Richtung bis zur Stadtgrenze; Gemeinde Vingst
1. April 1914 Stadt Mülheim (einschl. Buchforst, Buchheim, Kleinbert); aus dem Landkreis Mülheim: Bürgermeisterei Merheim (Brück, Dellbrück, Dünnwald, Flittard, Hardt, Höhenberg, Höhenhaus, Holweide, Kunstfeld, Merheim rrh., Ostheim, Rath rrh., Rodderhof, Scheuerhof, Schlagbaum, Stammheim)
1. April 1922 Teile der Landgemeinde Worringen: Fühlingen (einschl. der Wohnplätze Feldkassel, Kasselberg, Langel lrh., Rheinkassel), Merkenich, Roggendorf, Thenhoven, Weiler, Worringen; Teile der Gemeinde Longerich (Longerich östl. der Neusser Landstraße, Weidenpesch nördl. der Glanzstoff- und Fordwerke)
1. Jan. 1975 Stadt Porz ( Eil, Elsdorf, Ensen, Flughafen, Gremberghoven, Grengel, Heumar, Langel rrh., Libur, Lind rrh., Porz, Urbach, Wahn, Wahn-Heide, Westhoven, Zündorf); Teile der Gemeinde Brauweiler (Rath lrh., Gut Vogelsang, Widdersdorf); Teile der Stadt Frechen (Horbell, Marsdorf; Teile der Gemeinde Lövenich (Junkers-dorf, Lövenich ohne den Ortsteil Königsdorf, Üsdorf, Weiden); Gemeinde Rodenkirchen (Giesdorf, Godorf, Hahnwald, Hochkirchen, Höningen, Immendorf, Konraderhöhe, Meschenich, Rodenkirchen, Rondorf, Sürth, Weiß); Teile der Gemeinde Sinnersdorf (Auweiler, Esch, Pesch, Gut Stöckheim) ohne den Orstkern Sinnersdorf; Teile der Stadt Brühl; Teile der Gemeinden Bornheim, Hürth, Pulheim und Rösrath.


Wer waren die Bürgermeister der eingemeindeten Vororte?

Deutz
von bis Inhaber (Amt
1808 1842 Wilhelm Franz Neuhöffer
1843 1867 Gerhard Schaurte
1867 1888 Robert Reisch

Bürgermeisterei Efferen
von bis Inhaber (Amt
1816 1845 Johann Huberty
1845 1846 Franz Andreas Klein (kommissarischer Bürgermeister)
1846 1847 Tillmann Klein (kommissarischer Bürgermeister)
1847 1864 Johann Peter Weygold
1864 1883 Franz Weygold
1883 1888 Gerhard Sugg

Stadt Ehrenfeld
von bis Inhaber (Amt
1880 1888 Hugo Jesse

Stadt Kalk
von bis Inhaber (Amt
1867 1880 Wilhelm Wiersberg
1880 1882 Bernhard Harling (kommissarischer Bürgermeister)
1882 1900 Aloys Thumb
1901 1910 Max Albermann

Bürgermeisterei Longerich
von bis Inhaber (Amt
1812 1826 Engelbert Denhoven
1826 1833 Franz Karl Denhoven
1833 1837 Friedrich Frenger (kommissarischer Bürgermeister)
1837 1858 Theodor Rosell
1858 1888 Wilhelm Eich

Bürgermeisterei Merheim
von bis Inhaber (Amt
1808 1810 Kaspar Düppes
1810 1813 Jakob Ringen
1813 1820 Bernhard Abshoff
1820 1846 Martin Josef Faßbender
1846 1877 Balthasar Bensberg
1878 1914 Johann Bensberg

Bürgermeisterei Müngersdorf [ 2 ]
von bis Inhaber (Amt
1808 1836 Mathias Klein
1837 1846 Franz Andreas Klein
1846 1847 Tillmann Klein (kommissarischer Bürgermeister)
1847 1849 Jakob Theodor Iven
1850 1851 Peter Josef Felten (kommissarischer Bürgermeister)
1851 1858 Carl Theodor Felten
1859 1878 Christian Schult
1878 1880 Wilhelm Hackländer (kommissarischer Bürgermeister)

Stadt Mülheim
von bis Inhaber (Amt
28. April
1815
Aug.
1819
Karl Brünninghausen
18. Mai
1815
26. Mai
1837
Franz-Joseph Nuss (kommissarischer Bürgermeister)
17. Dez.
1820
13. Dez.
1830
Karl Joseph Alster
8. März
1831
28. Aug.
1836
Alois Mathias Böcker
28. Nov.
1836
28. März
1844
Peter Joseph Maßen
Juli
1844
28. Feb.
1863
Johann Heinrich Bau
20. Okt.
1852
2. März
1875
Ludwig Blin
14. Dez.
1874
30. Sep.
1876
Viktor Kaifer
19. Juni
1876
1. April
1908
Friedrich Wilhelm Steinkopf (seit 25. Okt. 1898
Oberbürgermeister)
14. Sep.
1909
1914 Bernhard Clostermann (nach der Eingemeindung:
seit 3. Sep. 1914 unbesoldeter Beigeordneter
der Stadt Köln)

Bürgermeisterei Rodenkirchen/Rondorf
von bis Inhaber (Amt
1811 1813 Heinrich Wahn
1813 1846 Christian Rolshoven
23. Juni
1846
15. März
1848
Andreas Engels
26. Sep.
1848
1860 Peter Wahn (bis zur Amtseinführung am 11. Feb. 1851
Bürgermeistereiverwalter)
1860 1872 Franz Ness (vom 31. März bis Aug. 1860
kommissarischer Bürgermeister)
1872 1893 Johann Baptist Wolff
16. Aug.
1893
1904 Eduard Steisel (kommissarischer Bürgermeister)
31. März
1905
1919 Max Adam
1. März
1919
22. Juni
1919
Theodor Castenholz
1919 1934 Arnold Freund
1934 1945 Josef Weitz
16. Aug.
1945
4. März
1946
August Weyer
1946 1952 Rudolf Buch
1952 1964 Josef Kallscheurer
1964 1967 Alfons Künstler
1967 1974 Heribert Mölders

Bürgermeisterei Sinnersdorf
von bis Inhaber (Amt
1964 1969 Wilhelm Hostkotte
1969 1974 Herbert Golsch

Bürgermeisterei Vingst [ 3 ]
von bis Inhaber (Amt
1880 1882 Bernhard Harling (kommissarischer Bürgermeister)
1882 1900 Aloys Thumb
1900 1910 Aloys Kuth

Bürgermeisterei Worringen
von bis Inhaber (Amt
1797 1832 Franz Adam Cremerius
1832 1835 Theodor Bollig (kommissarischer Bürgermeister)
1835 1866 Heinrich Bender
1866 1906 Mathias Bender
1907 1922 Josef Seul


Wer sind die Ehrenbürger der eingemeindeten Vororte?

Name Stadtteil seit[ 4 ]
Mathias Bender
(1866-1906 Bürgermeister von Worringen)
Worringen 27. Juni 1907 (Ü)
Wilhelm Steinkopf
(1877-1911 Oberbürgermeister von Mülheim)
Mülheim 7. Dezember 1907 (W)
Dr. Wilhelm Warsch
(Regierungspräsident)
Porz 12. Dezember 1951 (W)
Rudolf Buch (Sparkassenamtmann) Rodenkirchen 22. August 1955 (W)
Heinrich Erpenbach (Landwirt) Rodenkirchen 22. August 1955 (W)
Paul Renner (Dechant) Rodenkirchen 21. November 1961 (W)
Josef Kallscheuer (Bürgermeister) Rodenkirchen 23. Juni 1964 (W)
Konstantin Eßer Sinnersdorf (Esch) 1. Januar 1964 (W)
Franz Päffgen Sinnersdorf (Esch) 1. Januar 1964 (W)
Heinrich Schauff Sinnersdorf (Auweiler) 1. Januar 1964 (W)
Everhard Stolz (Ortsvorsteher, Ratsmitglied) Rodenkirchen 23. Juni 1964 (W)
lehnt ab
Dr. Erwin te Reh (Pfarrer) Rodenkirchen 10. Dezember 1974


Wann wurde Mülheim am Rhein erstmals urkundlich erwähnt?
Vielfach wird auch heute noch das Jahr 1098 als Jahr der Ersterwähnung der 1914 nach Köln eingemeindeten Stadt Mülheim angenommen. Diese inzwischen widerlegte Annahme reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. [ 5 ] Der vermeintliche Erstbeleg „Mulenheim" von 1098 für Mülheim am Rhein existiert jedoch als solcher gar nicht, sondern bezieht sich nur auf Ereignisse, die erst in Urkunden des Klosters St. Pantaleon von [1112/15] und 1139 berührt werden und nur grob mit der Regierungszeit des Erzbischofs Hermann III. (1089-1099) datiert werden können. Der Bezug auf das Kloster St. Pantaleon verweist zugleich aber auf das westlich von Köln gelegene Hermülheim, in dem das Kloster St. Pantaleon in späterer Zeit immer Besitzungen hatte, während sich in Mülheim am Rhein zu keiner Zeit Besitzungen des Klosters nachweisen lassen. [ 6 ] Die ersten ganz sicher auf Mülheim am Rhein zu beziehenden Belege ergeben sich aus Urkunden vom 1. Oktober 1151 (Mulnehim), 11. August 1157 (Mulenheim) und aus dem Jahre 1166 (Mulenheim).[ 7 ] und aus einer im 15. Jh. angefertigten Kopie einer Urkunde des Jahres [1152] (Molenheym).[ 8 ]





[ 1 ] Großstadt im Aufbruch, Köln 1888. Katalog zur Ausstellung des Historischen Archivs der Stadt Köln, Köln 1988. Hermann Kellenbenz (Hrsg.), Zwei Jahrtausende Kölner Wirtschaft. Bd. 2. Köln 1975.
[ 2 ] Gesamte Bürgermeisterei bis 1879/1880. Vgl. Efferen.
[ 3 ] Vgl. Kalk.
[ 4 ] (W) = Wahl, (Ü) = Überreichung der Ehrenbürgerurkunde. Die Aufstellung kann allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben.
[ 5 ] Vgl. Th.J. Lacomblet, Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, Bd. 1, Düsseldorf 1840. V. von Zuccamaglio, Geschichte und Beschreibung der Stadt und des Kreises Mülheim, Mülheim 1846, Nachdruck Köln 1981. J. Bendel, Die Stadt Mülheim am Rhein, Mülheim 1913, Nachdruck Köln 1972 und 1981, S. 11-15.).
[ 6 ] Belege für Hermülheim finden sich bei Th.J. Lacomblet, Urkundenbuch..., Bd. 1, Nr. 281 und 338. F.W. Oediger, Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. 1, Bonn 1957, Nr. 1227. R. Knipping, Die Regesten der Erzbischöfe..., Bd. 2, Bonn 1901, Nr. 119, 192 und 373. B. Hilliger, Urbare von St. Pantaleon, Bonn 1902, S. 78, 110 und Register. Die verlorene Urkunde von 1089/99 ist jetzt maßgeblich ediert bei E. Wisplinghoff, Rheinisches Urkundenbuch. Ältere Urkunden bis 1100, Bd. 2, Düsseldorf 1994, Nr. 308, S. 315f.
[ 7 ] H. Mosler, Urkundenbuch der Abtei Altenberg, Bd. 1, Bonn 1912, Nr. 6, 5 und 8.
[ 8 ] R. Knipping, Die Regesten der Erzbischöfe..., Bd. 2, Nr. 28, S. 44.