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Archivale des Monats April 2019

LAV NRW R BR 0023 Nr. 57, o.Bl.: Zeitumstellung in den Bürgermeistereien Baesweiler und Geilenkirchen, September/Oktober 1916

 

BR 0023 Nr. 1BR 0023 Nr. 2

 BR 0023 Nr. 3BR 0023 Nr. 4

 

In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden die Uhren wieder einmal auf Sommerzeit umgestellt. Trotz kontroverser Diskussionen in der EU über eine Abschaffung, wird es vorerst nicht die letzte Zeitumstellung bleiben. In diesem Jahr ist es somit genau 103 Jahre her, dass diese „Zeitmanipulation“ das erste Mal in Deutschland vorgenommen wurde (auch wenn die Sommerzeit seitdem keineswegs durchgängig in Gebrauch war). Anlass für diese Maßnahme war die miserable Versorgungssituation im Kriegsjahr 1916, sollte doch die längere abendliche Helligkeit für eine spürbare Einsparung beim Energie- (und damit Rohstoff-) Verbrauch sorgen.

 

Entsprechend interessiert war der preußische Innenminister an den Erfahrungen vor Ort; über die Oberpräsidenten, die Regierungspräsidenten, die Oberbürgermeister und die Landräte bis hinunter zu den Bürgermeistern spannte sich eine Kette von Berichtspflichten. Auch der Landrat des Kreises Geilenkirchen nördlich von Aachen forderte die Berichte seiner Ortsbürgermeister an. Doch das Stimmungsbild war durchwachsen: Mancherorts sprach man von einer sinnvollen Maßnahme, andernorts beklagte man ein deutliches Überwiegen der Nachteile. Die ländliche Arbeit schien sich ganz traditionell eher am Sonnenstand zu orientieren, während in der Industrie offenbar tatsächlich Einsparpotentiale zum Tragen kamen.

 

Von Dauer war die Sommerzeit aber noch nicht. Für die Dauer des Krieges wurde sie beibehalten, danach aber wieder abgeschafft. Immer dann, wenn Energiesparen ein wichtiges Thema wurde (Zweiter Weltkrieg, Ölpreiskrise), kam es wieder zu einer Einführung – und bis heute steht die Sommerzeit immer wieder einmal in der Kritik, auch wenn vielleicht nicht mehr die Argumente der Baesweiler oder Geilenkirchener Bürgermeister von 1916 bemüht werden…