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Archivale des Monats Juni 2016

 

Das Versprechen eines Mörders

 

Am 6.4.2016 feierte der Film „Fritz Lang“ in Düsseldorf Deutschlandpremiere. Er thematisiert die Reise des berühmten Regisseurs nach Düsseldorf, wo er den kurz zuvor verhafteten Serienmörder Peter Kürten, später unter dem schaurigen Beinamen „Vampir von Düsseldorf“ bekannt, interviewen will. Dessen Fall soll Fritz Lang zu seinem ersten Tonfilm: „M – eine Stadt sucht ihren Mörder“ inspiriert haben.

 

Der Film handelt – so wie die meisten Abhandlungen – hauptsächlich um die Mordtaten des Kürten. Weniger bekannt ist die große Anzahl von Verurteilungen wegen unterschiedlichster mehr oder minder schweren Straftaten, die er zu diesem Zeitpunkt schon in verschiedenen Gefängnissen abgesessen hatte.

 

Die Gefangenenpersonalakte des Kürten, in welcher sich der obenstehende Brief befindet, offenbart allerdings eine fast ununterbrochene Laufbahn des Verbrechens. Schon früh fiel er vor allem durch zahlreiche Diebstähle und Bedrohungen auf und befand sich den Großteil seines Lebens in Gefängnissen in Münster, Düsseldorf, Siegburg und Brieg (Niederschlesien). In Brieg saß er seit 1916 wegen schweren Diebstahls und Nahrungsmittelentwendung, später wegen Beteiligung an einer Gefangenenmeuterei ein. Nicht bekannt war zu diesem Zeitpunkt, dass er bereits 1913 die neunjährige Christine Klein ermordet hatte.

 

Wenige Monate nach seiner Entlassung und einige Wochen vor dem Schreiben vom 2. Oktober an den Direktor der Strafanstalt war er vom Schöffengericht in Düsseldorf wegen Nichtabgabe von Schusswaffen und Tragens eines feststehenden Messers (er hatte die meisten seiner Opfer mit einem Messer zu Tode traktiert) verurteilt worden. Umso bitterer lesen sich die Zeilen, in denen er dem Direktor nicht nur für dessen Einsatz zu seiner Begnadigung dankt, sondern zudem das Versprechen gibt, „ein ordentlicher Mensch zu bleiben“.

 

Es war ein Versprechen, das nicht lange halten sollte. Peter Kürten tötete nach seiner Entlassung noch mindestens acht Menschen und beging Dutzende von Mordversuchen. In das Visier der Polizeibehörden geriet er hingegen erst relativ spät.

 

Ein Mitarbeiter der Strafanstalt in Münster hatte dagegen schon 1912 zur Entlassung des Kürten die Situation realistischer beurteilt: „Peter Kürten erhielt keine gute Erziehung. Er kam früh auf die Bahn des Verbrechens. Die jetzige Strafe hat auf ihn keinen tiefen Einfluß ausgeübt. […] Es ist kaum anzunehmen, daß er sich in der Zukunft vor weiteren Verbrechen hüten wird.“

 

LAV NRW R, Gerichte Rep. 17 Nr. 753:

Transkription:

Altenburg S[achsen] A[ltenburg] den 2. Oktober 1921

 

Sehr geehrter Herr Direktor!

teile Ihnen hierdurch mit, daß

ich mich noch auf derselben Arbeits-

stelle befinde, welche ich zwei Tage

nach meiner Entlassung hier an-

getreten habe. Ich wurde am

7. April dieses Jahres dank Ihrer

Fürsprache begnadigt. Ich werde

meinem Versprechen ein

ordentlicher Mensch zu bleiben

auch fernerhin treu sein.

indem ich Ihnen, sowie den

anderen Herren Beamten für Ihre

Bemühungen nochmal meinen besten

Dank ausspreche, zeichne ich mit aller

Hochachtung:

Peter Kürten

 

Z[u] d[en] P[ersonal] A[kten]

[Paraphe]

[Eingangsstempel der Strafanstalt Brieg 3. Oktober 1921]



LAV NRW R, Gerichte Rep. 17 Nr. 753