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Prof. Dr. Ottfried Dascher (Dortmund): Die „Polen“ im Ruhrgebiet vor 1914 – „Gastarbeiter vor den Gastarbeitern“

Mittwoch, 5. April 2017, 18.00 Uhr, Ort: Landesarchiv NRW, Schifferstraße 30 (Eingang Hafenseite), Vortragssaal

 

„Am Vorabend des Ersten Weltkriegs leben im Ruhrgebiet etwa 350 000 preußische Polen und etwa 150 000 Masuren. Die Zuwanderung konzentriert sich auf das nördliche Ruhrgebiet und die neuen Großzechen der Emscherzone. Die Zechengesellschaften sehen sich seit etwa 1890 gezwungen, für die Unterbringung ihrer Belegschaften in großem Stil auch neue Arbeitersiedlungen zu errichten. Eine Nachbarschaft mit gleicher Sprache, ein Haus mit Garten und Stall zur Selbstversorgung erleichtern das Eingewöhnen, fördern aber auch eine Ghettobildung und den Aufbau einer sog. Parallelgesellschaft. Bis 1912 entstehen über 975 Vereine der Polen, darunter viele kirchliche Arbeitervereine, Turn- und Sportvereine. Der Nationalitätenkonflikt im Osten greift auf den Westen über, die Integration ist trotz großer Anstrengungen der katholischen Kirche ein langer Weg, obwohl die Polen Reichsangehörige sind. Der Konflikt wird bis 1914 nicht gelöst. Nach 1918 wandert ein knappes Drittel der Polen zurück in den neuen Staat, ein weiteres knappes Drittel geht in die Kohlengruben von Nordfrankreich und Südbelgien, und nur ein gutes Drittel ist geblieben. Die Masuren dagegen, lutherisch und königstreu bleiben, lassen sich integrieren und assimilieren. Ihre Konzentration auf Gelsenkirchen hat Folgen. Schalke 04 wird stark von den Masuren geprägt, die Erfinder des sog. Schalker Kreisels, Fritz Szepan und Ernst Kuzorra, sind, wie die Mehrzahl der Meistermannschaft, Nachfahren masurischer Einwanderer gewesen.“

 

Um 17.30 Uhr gibt es eine öffentliche Führung durch das Landesarchiv. Alle Angebote sind kostenlos; eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

Nähere Informationen zur Veranstaltungreihe finden Sie hier.