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Vortrag von Dr. Thorsten Fischer: „Auf der Suche nach Identität“

Dienstag, 24. April 2018, 18.00 Uhr, Ort: Landesarchiv NRW, Schifferstraße 30 (Eingang Hafenseite), Vortragssaal

 

Dr. Thorsten Fischer (Duisburg): „Auf der Suche nach Identität“ – Die Jahrtausendfeier der Rheinlande 1925, Karl Jarres und die Feierlichkeiten in Duisburg

 

Als Folge des Versailler Friedensvertrages von 1919 kam es zur befristeten Besetzung des Rheinlands. Zudem wurde im so genannten Kriegsschuldartikel (Art. 231) dem Deutschen Reich die Alleinschuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs zugeschrieben. Damit war die Grundlage für Reparationsforderungen an Deutschland gegeben. Als man von deutscher Seite mit den Zahlungen in Rückstand geriet, besetzten ab Januar 1923 belgisch-französische Divisionen auch das Ruhrgebiet. Der sich anschließende Ruhrkampf, die wirtschaftliche Absperrung des Ruhrgebietes sowie groß angelegte Streiks führten zu immensen Produktionsausfällen. Zudem kam es im Krisenjahr 1923 zur Hyperinflation und zu separatistischen Bewegungen im Rheinland. In dieser Situation suchte man nach einem identitätsstiftenden Moment, welcher die „unverrückbare Zusammengehörigkeit“ des Rheinlands mit Deutschland zum Ausdruck bringen sollte. Als ein solches Geschichtsereignis betrachtete man die im Jahre 925 vollendete Einverleibung des so genannten Mittelreichs „Lotharingien“ (Lothringen) in das ostfränkische Reich unter König Heinrich I. (919-936). Jenes karolingische Teilreich reichte von der Nordsee bis ans Mittelmeer und umschloss eben auch das Rheinland. Aus diesem Grund beschloss der rheinische Provinziallandtag eine Millenniumsfeier in der gesamten preußischen Rheinprovinz. Zu den wichtigsten Unterstützern des Vorhabens zählten der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer (1876-1967) und der ehemalige Reichsinnenminister Karl Jarres (1874-1951). Jarres, der bereits in der Kaiserzeit oberster Verwaltungschef der Stadt wurde, gilt als ein Mann des Übergangs zwischen Monarchie und Republik. Jarres wurde zu Beginn des Jahres 1923 vom belgischen Stadtkommandanten als Duisburger Oberbürgermeister vorübergehend für abgesetzt erklärt worden war, kehrte aber just 1925 wieder nach Duisburg zurück. Unter seiner Federführung organisierte man in der Duisburger Festwoche zahlreiche Ausstellungen, Sportwettbewerbe, ein Kaiserbergturnfest, ein Niederrheinisches Musikfest sowie Festaufführungen im Stadttheater.

 

Um 17.30 Uhr gibt es eine öffentliche Führung durch das Landesarchiv. Alle Angebote sind kostenlos; eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.