Wirtschaftsarchive

Willkommen beim Portal der Archive in NRW

u

Navigationen


 

Projekte

Das Bergbau-Archiv ist mit seinen Forschungsprojekten in die Forschungsstruktur des Deutschen Bergbau-Museums Bochum (DBM) als Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) eingebunden. In der wissenschaftlichen Arbeit des DBM werden in einem weiten Rahmen die Bedingungen, Formen und Auswirkungen bergbaulicher Tätigkeit sowie das Verhalten von Rohstoffen im Hinblick auf ihre Umwandlung und/oder Nutzung durch den Menschen erforscht. Das wissenschaftliche Personal des Bergbau-Archivs betreut dabei die Forschungsfelder "Montanindustrie und Gesellschaft von der Industrialisierung bis zur Gegenwart" sowie "Quellenerschließung und Methodenentwicklung" im Forschungsschwerpunkt "Geschichte und Technik des Montanwesens". Diese inhaltliche Zuweisung erfolgt vor dem zeitlichen Hintergrund der Überlieferung im Bergbau-Archiv, die insgesamt vor allem das 19. und 20. Jahrhundert betrifft.

Im Einzelnen sind zurzeit folgende wissenschaftliche Projekte in Bearbeitung:

Forschungsfeld III: Montanindustrie und Gesellschaft von der Industrialisierung bis zur Gegenwart

Kernthema: Wirtschaftsgeschichte und Geschichte der Industriellen Beziehungen im Bergbau


Forschungsprojekt: "Auf dem Weg zur modernsten Kokerei der Welt - Die Geschichte der Kokerei Kaiserstuhl in Dortmund"

Projektleitung: Dr. Michael Farrenkopf

Der Neubau der Kokerei Kaiserstuhl III - in den 1990er Jahren als modernste Kokerei der Welt gefeiert, nach acht Jahren Betriebsdauer jedoch aufgrund ökonomischer Rahmenbedingungen bereits wieder stillgelegt - gilt als interessanter Kulminationspunkt betrieblich-sozialer, technischer und wirtschaftlicher Entwicklungsstränge in der Strukturkrise des Ruhrbergbaus. Die Geschichte der Kokerei Kaiserstuhl reicht bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück, wobei sie als Bergbau-Kokerei immer enge technisch-betriebliche Bezüge zur nahe gelegenen Hoesch AG und somit zum Eisenhüttenwesen hatte. Aufgrund der vergleichsweise langen Betriebsdauer eignet sich das Beispiel der Kokerei Kaiserstuhl in besonderer Weise für eine engere unternehmensgeschichtliche Analyse modernen Typs.

Darüber hinaus steht für die Untersuchung in den Beständen des Bergbau-Archivs ein umfangreicher Quellenfundus zur Verfügung. Ferner wird das Projekt in Kooperation mit dem ehemaligen Kokereiinspektor der BAG Westfalen, Dipl.-Ing. Wolf-Dieter Koßke, Dortmund, durchgeführt, dessen beruflicher Werdegang eng mit dieser Kokerei verbunden ist. Insofern ergeben sich neben der quellenbasierten historischen Analyse zusätzliche und in dieser Form sonst kaum zu erzielende Forschungs-Rahmenbedingungen.

Kernthema: Historische Unfallforschung im Bergbau

Forschungsprojekt: "Im Dienste der Sicherheit - Geschichte des Bergbau-Vereins in Dortmund-Derne"

Projektleitung: Dr. Michael Farrenkopf/Professor Dr.-Ing. Uli Barth, Wuppertal

Die drastische Zunahme von Explosionskatastrophen im preußischen Steinkohlenbergbau zwischen 1850 und 1880 führte 1881 zur Berufung der preußischen Schlagwetterkommission. Sie etablierte in ihrer bis 1885 währenden Tätigkeit ein grundlegendes Versuchsprogramm zur Untersuchung der bis dahin weitgehend ungeklärten Parameter für Explosionsverläufe unter Tage. Die Westfälische Berggewerkschaftskasse (WBK) baute 1894 auch für den Ruhrbergbau eine 25 m lange Versuchsstrecke auf der Gelsenkirchener Zeche Consolidation 1. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs etablierte sich diese Strecke zur maßgeblichen Prüfstelle für Wettersprengstoffe und Sicherheitslampen. Mit Gründung der DeutscheMontanTechnologie e.V. (DMT) wurde die Versuchsstrecke zunächst eine ihrer Fachstellen und im Zuge des Ende 2001 vollzogenen Umzugs nach Bochum-Hamme kam es vor dem Hintergrund der Rückführung des deutschen Steinkohlenbergbaus zur Aufgabe des Standorts in Dortmund-Derne.

Ziel des Projekts ist die Erarbeitung einer kritischen Institutsgeschichte unter Berücksichtigung sicherheitstechnischer Fortschritte im Zusammenhang mit der explosionsbedingten Unfallentwicklung im deutschen Steinkohlenbergbau. Darüber hinaus gilt es, die Einflüsse und Konsequenzen der Rückführung des deutschen Steinkohlenbergbaus seit den 1960er Jahren auf die Tätigkeitsfelder der Bergbau-Versuchsstrecke zu berücksichtigen.

Das Projekt wird im Rahmen eines Arbeitskreises realisiert, dem vorrangig ehemals leitende Funktionsträger der Versuchsstrecke angehören. Die Projektleitung obliegt Dr. Michael Farrenkopf gemeinsam mit Professor Dr.-Ing. Uli Barth vom Fachbereich Sicherheitstechnik der Bergischen Universität Wuppertal. Die Darstellung wird einer chronologischen Gliederung folgen, innerhalb derer die Fortschritte in den verschiedenen Forschungsfeldern analysiert werden.

Kernthema: Gewinnung und Verwertung von Kohlenwertstoffen

Forschungsprojekt: "Geschichte des Braunkohlenbergbaus"

Projektleitung: Dr. Michael Farrenkopf/Professor Dr. Rainer Slotta/Professor Dr. Eberhard Wächtler, Borken

Die Nutzung und der Abbau von Braunkohle im industriellen Maßstab haben unzweifelhaft erst im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts begonnen, wenngleich die Braunkohle - ohne als solche bezeichnet zu sein - schon seit dem Altertum gelegentlich gewonnen und verwandt worden ist. Auch im Mittelalter blieb vor allem die Holzkohle, in transportablen Herden und zur Erzeugung höherer Temperaturen eingesetzt, auch gegenüber der Steinkohle der wichtigste Rohstoff. Erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfuhr der Braunkohlenbergbau im Rahmen der allgemeinen industriellen Entwicklung maßgebliche Impulse, die u.a. aus einem erheblichen Zuwachs der Verwendungsmöglichkeiten für Braunkohlenprodukte resultierten.

Ziel des Projektes ist die grundlegende historische Darstellung der Entwicklung des gesamtdeutschen Braunkohlenbergbaus von seinen Anfängen im ausgehenden Mittelalter über die Protoindustrialisierung und Industrialisierung bis hin zur Diversifikation der Gewinnungsmethoden und Anwendungsbereiche im 20. Jahrhundert. Grundlage der Bearbeitung ist die Auswertung unveröffentlichter Quellen in verschiedenen Archiven Deutschlands sowie vor allem der umfangreich vorliegenden technischen Spezialliteratur. Die Ausarbeitung einzelner Kapitel erfolgt durch eine Autorengemeinschaft, die sich nach Absprache mit der Projektleitung gegebenenfalls zusätzlicher fachlicher und personeller Unterstützung bedient. Der jeweilige Projektfortschritt wird turnusgemäß auf den beim Hessischen Braunkohle-Bergbaumuseum in Borken (Hessen) veranstalteten Montanhistorischen Kolloquien durch die Projektleitung und ausgewählte Bearbeiter vorgestellt und evaluiert. Im Jahr 2003 fanden zwei ganztägige Autorenkonferenzen im DBM und im Technischen Denkmal Brikettfabrik Louise in Domsdorf statt.

Das Projektziel besteht weiterhin in der Publikation einer gemeinsam vom DBM und dem Hessischen Braunkohle-Bergbaumuseum Borken (Hessen) herausgegebenen Monografie, die für das Jahr 2006 vorgesehen ist.

Forschungsfeld IV: Quellenerschließung und Methodenentwicklung

Kernthema: Schriftliche Quellen


Forschungsprojekt: "Das architektonische Werk der Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer - Erschließung des Nachlasses und Erstellung eines Bestandskataloges"

Projektleitung: PD Dr.-Ing. Wilhelm Busch, RWTH Aachen/Dr. Michael Farrenkopf/Professor Dr. Rainer Slotta
Projektdurchführung: Dipl.-Ing. Kristina Pegels

Die Architekten Fritz Schupp (1896-1974) und Martin Kremmer (1894-1945) gelten als die bedeutendsten Architekten von Bergwerksanlagen des 20. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum. Die herausragende Stellung dieser beiden Architekten, die lange Jahre ein gemeinsames Architekturbüro an wechselnden Standorten geführt haben, wird dadurch ersichtlich, dass die Zeche Zollverein 12 im Jahre 2002 von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden ist. Durch glückliche Umstände konnte der Nachlass des Architekturbüros Schupp-Kremmer inzwischen dem Bergbau-Archiv übergeben werden. Bei der ersten Sichtung stellte sich aber schnell heraus, dass die sachgerechte Erschließung des Nachlasses dringend notwendig ist und nicht nur für das Ruhrgebiet ein unverzichtbares Desiderat darstellt.

Das Projekt verfolgt grundsätzlich drei Ziele:
1. Eine archivischen Anforderungen genügende langfristige Sicherung des Bestandes
2. Die archivisch-wissenschaftliche, modellhafte Erschließung des Bestandes als Voraussetzung einer zukünftigen Bereitstellung für und Nutzung durch die wissenschaftliche Forschung
3. Die Publikation eines archivischen wie architekturhistorischen Anforderungen entsprechenden Bestandskataloges in Gestalt einer aufwendig gestalteten Publikation

Die restauratorische und konservatorische Betreuung der Planunterlagen erfolgt nach fachlichen Grundsätzen und durch Nutzung des im DBM vorhandenen Know-hows. Ferner wird das Einscannen ausgewählter Zeichnungen angestrebt. Die inhaltliche Erschließung erfolgt durch Generierung einer spezifischen Computermaske innerhalb des im Bergbau-Archiv genutzten Programms FAUST, die inhaltlich-wissenschaftliche Auswertung vorrangig unter architektur- und industriehistorischen Fragestellungen.

Die Projektarbeiten im Jahr 2003 galten der Strukturierung und Abfassung eines umfassenden Projektantrags, der in der zweiten Jahreshälfte bei der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gestellt und Ende des Jahres 2003 als forschungswürdig beurteilt wurde. Das Projekt wird in Kooperation mit PD Dr.-Ing. Wilhelm Busch und den Lehrstühlen für Gebäudelehre sowie Baugeschichte und Denkmalpflege der RWTH Aachen seit dem 01.04.2004 für die Dauer von drei Jahren im Bergbau-Archiv bearbeitet. Die verantwortliche Durchführung des Projekts mit begleitender Promotion an der RWTH Aachen liegt in den Händen von Dipl.-Ing. Kristina Pegels.

Kernthema: Sachzeugnisse

Forschungsprojekt: "Erfassung und Erforschung bergmännischen Geleuchts (unter Einsatz neuer Medien)"

Projektleitung: Dr. Michael Farrenkopf/Dr. Michael Ganzelewski

Aufgrund der untertägigen Exponiertheit der bergmännischen Arbeitsplätze kam deren Beleuchtung seit frühester Zeit besondere und in vielerlei Hinsicht maßgebliche Bedeutung zu. Aus technischer Warte entwickelten sich ausgehend von prähistorischen Kienspänen über verschiedene Zwischenformen in der Regel offen brennende Lampen, die je nach reviertypischen Gegebenheiten charakteristische Gestaltungen etwa in Form von so genannten Fröschen oder Blenden erhielten. Fragen der Lichtstärke und Brenndauer wirkten dabei bereits auf konstruktive Besonderheiten, auf die Wahl des Brennstoffes und die Entwicklung eines spezifischen Sicherheitsgeleuchts ein. Die zentrale Bedeutung des Geleuchts wird in der Vielzahl der seither entwickelten Detaillösungen deutlich. Schließlich etablierte der Bergbau seit Ende des 19. Jahrhunderts spezielle institutionelle Forschungseinrichtungen zur Prüfung und Optimierung des Sicherheitsgeleuchts, das im Kontakt mit zahlreichen Lampenherstellern in die Praxis umgesetzt werden konnte.

Am Anfang der im Jahr 2003 begonnenen Projektarbeiten stand die fortzusetzende komplette Tiefenerschließung der im DBM vorhandenen Geleuchtsammlung als Grundlage eines Bestandsverzeichnisses. Darüber hinaus soll die Entwicklung des bergmännischen Geleuchts mit den Methoden der modernen Technikgeschichtsschreibung und der historischen Objektforschung untersucht werden. Die Erschließung der Geleuchtsammlung erfolgt auf der Grundlage von in der EDV des montan.dok inzwischen eingeführten Verzeichnungsgrundsätzen, weiter wird auf Quellenmaterial des Bergbau-Archivs zurückgegriffen.

Ziel des Projekts ist die Veröffentlichung einer Monografie voraussichtlich im Jahr 2005. Durch Einbindung einer CD-Rom sollen nach Möglichkeit zusätzliche Visualisierungen verfügbar gemacht werden, die das Verständnis für die technischen Details und deren Funktionalität erhöhen (public understanding of science).