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Im Jahr 1905 wird in Vorbereitung des bevorstehenden 100-jährigen Firmenjubiläums ein Werksarchiv für das 1811 gegründete Unternehmen Krupp errichtet. Es ist damit das älteste deutsche Unternehmensarchiv moderner Prägung. Das Werksarchiv ist in der Folgezeit unter wechselnden organisatorischen Bezeichnungen als Archiv und unternehmenshistorische Forschungsstelle tätig. Im gleichen Jahr begründet Margarethe Krupp das Familienarchiv Hügel zur Sicherung der in der Villa Hügel bei der Inhaberfamilie erwachsenen Unterlagen.


Beide Archive bleiben lange Zeit organisatorisch getrennt, werden aber in Personalunion betreut und nach einem einheitlichen Archivsystem erschlossen. Den Schwerpunkt der Arbeit bildet in den Anfangsjahren die Erforschung der Krupp-Geschichte. Zwei umfangreiche Festschriften entstehen auf der Grundlage zahlreicher interner Studien zu Einzelthemen. Parallel werden die ersten Archivbestände übernommen, häufig allerdings auch Unterlagen aus den Verwaltungsregistraturen ausgeliehen und nach der Auswertung zurückgegeben. Organisatorische Zuordnung und personelle Leitung wechseln in den ersten Jahren mehrfach.


Am 1. Januar 1913 wird Wilhelm Berdrow (1867 - 1954), bereits seit 1909 an der Vorbereitung der Festschriften beteiligt, die Leitung des Werksarchivs übertragen. Sein Arbeitsschwerpunkt bleibt jedoch die Firmengeschichtsschreibung, auch, nachdem er 1921 aus Krankheitsgründen die Leitung des Archivs niederlegt. Ergebnisse seiner Arbeit sind u.a. Biographien der Firmeninhaber und Publikationen über die Geschichte der Familien Krupp und von Bohlen und Halbach. Nachfolger Berdrows wird Fritz Gerhard Kraft (1884 - 1950), selbst schon von Anbeginn an in der Geschichtlichen Abteilung tätig.


In den Folgejahren muss sich das Archiv infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Situation des Unternehmens personell und räumlich stark einschränken. Erst seit Oktober 1938 folgt eine kurze Phase personellen und räumlichen Ausbaus, in der auch die Pflege und Erschließung der Bestände vorangetrieben wird.


Bei einem schweren Bombenangriff im September 1942 gehen etwa 10% der Bestände des Werksarchivs verloren. 1943 folgt seine Verlagerung in die Burg Botzlar bei Selm/Westfalen. Das Familienarchiv wird 1944 in eine Kaligrube der Wintershall AG in Unterbreizbach/Rhön verbracht. Nach Beschlagnahme durch alliierte Truppen kann es 1949 aus dem Document Center in Herford zunächst nach Schloss Hugenpoet bei Kettwig und 1954 wieder in die Villa Hügel zurückgeführt werden.


Im März 1946 wird die Geschichtliche Abteilung aufgelöst, die Bestände werden der Verwaltung der Volkswirtschaftlichen Abteilung unterstellt. Fritz Gerhard Kraft tritt in den Ruhestand. 1954 entschließt sich das Unternehmen, auch im Hinblick auf das 150-jährige Firmenjubiläum 1961, wieder ein eigenständiges Werksarchiv einzurichten. 1955 wird Dr. Ernst Schröder (1907 - 1999) Leiter des nun in der Villa Hügel zusammengeführten Familien- und Werksarchivs, das 1958 auch organisatorisch unter dem Namen Historisches Archiv zusammengefasst wird. Schröder führt das Archiv nach den bei dessen Gründung festgelegten eher bibliothekarischen Ordnungsprinzipien fort. Daneben bilden eigene Forschungen, vor allem zur Geschichte des Unternehmens und der Stadt Essen, seine Arbeitsschwerpunkte.


Nach Schröders Pensionierung am 1. April 1972 wird das Archiv für einige Jahre von Dr. Wolfgang Vollrath, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des für die Kunstausstellungen zuständigen Villa Hügel e.V., mit betreut. Am 1. Juli 1976 übernimmt Dr. Renate Köhne die Leitung des Historischen Archivs Krupp, das in der Folgezeit nach archivwissenschaftlichen Grundsätzen systematisch neu strukturiert und ausgebaut wird. Planmäßig werden umfangreiche Bestände aus der Konzernleitung und den Konzernunternehmen übernommen. Die Erschließung der Bestände wird intensiv vorangetrieben, seit 1984 mit Hilfe der EDV. Ein Sonderprojekt gilt in den 1990er-Jahren der konservatorischen Bearbeitung und inhaltlichen Erschließung des Filmbestandes.


Neben den vorrangig und verstärkt wahrgenommenen Dienstleistungen als interne Service-Stelle für das Unternehmen gewinnen die Unterstützung externer historischer Forschungen und die Mitarbeit an Ausstellungen zunehmend an Bedeutung. In Zusammenarbeit mit anderen Archiven der Region und dem Kommunalverband Ruhrgebiet werden im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgewählte Industriefilme der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Hervorzuheben ist die Mitarbeit des Archivs an wissenschaftlichen Forschungsprojekten der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, als deren Ergebnisse bisher Publikationen über die Villa Hügel und die Fotografie als historische Quelle sowie zwei Monografien zur Geschichte des Unternehmens im 19. und 20. Jahrhundert vorliegen.


Seit der Fusion der Unternehmen Thyssen und Krupp nimmt das frühere Thyssen-Archiv die Funktion des Konzernarchivs für den neuen Konzern wahr. Das Historische Archiv Krupp befindet sich seit 1998 im Eigentum der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und ist in der Villa Hügel als Zentrum für die Krupp-Geschichte tätig.