Historisches Archiv der Stadt Köln
3 Nachlässe und Sammlungen
3.2 Nachlässe, Partei-, Vereins-, Familienarchive
3.2.12 Buchstabe L
Leibl, Wilhelm
Best. 1176 Leibl, Wilhelm

03. März 1855
Köln: Kindlicher Namenstagsglückwunsch an die Mutter.


Enthält : 1. Halbseite, eigenhändig, mit eigenhändiger Bleistiftzeichnung eines baufälligen Bauernhauses mit davor grasender Ziege.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 1
Altsignatur : 1



24. Januar 1865
München: Leibl bedankt sich bei seinen Eltern für das Neujahrsgeschenk von 18 Talern; zusätzlich kamen ihm 25 Gulden für seine "Composition" trefflich zustatten. Mit einem Teil des Geldes hat er Palette, Farben, Pinsel usw. angeschafft. Er berichtet über seine Lösung der Preisfrage: Graf Eberhardt, wie er von der Jagd bei einem Wolkenbruch zu Pferd auf dem Marktplatz in Stuttgart anlangt, wo die Schuljugend sich vor dem Wasser auf den Rand des Marktbrunnens geflüchtet hatte und (er) dieselbe, jedesmal so viel wie möglich aufs Pferd nehmend, rettet. In der Wohnung seiner Tante H., die ihn während der Zeit bei sich speisen ließ, hat er die Arbeit in 4 Tagen vollendet. Im Hause wo er sein Zimmer hat, wohnen noch die beiden Kölner Hase und Dahlmeyer: "und unterhalten wir uns manchmal zu Hause bei einer Maaß Bier und Pfeif Taback ganz gemütlich, lesen, arbeiten und singen". Correns hatte Leibl am Vortage wegen eines großen gemalten Akts und einer weiblichen Hand "sehr belobt" und der "Fortschritte halber gratulirt". "Von den Kölnern (!) Großmäulern war er übrigens nicht sehr erbaut". Er sprach von einem Berliner Stipendium von 2000 Talern, mit dem man nach Rom geht und das auch Werres aus Köln erlangt hatte. Man muß deswegen aber an der Berliner Akademie studieren, wo Schrader ist, "dessen Art zu malen, nur wohl am besten gefallt" Darüber wären am zweckmäßigsten Becker und Hein zu befragen. Die Zukunft von Nettchen beruhigt ihn; er hofft, daß sich bald etwas für den "armen" Louis findet. Wenn das Haus der Eltern gut bezahlt ist, dann sollen sie sich bald um eine passende Wohnung bemühen; vielleicht sollten sie zur Tante Zeyß ziehen, damit sie in ihrer Krankheit nicht ganz hilflos ist, Becker, dessen Unglück ihm zu Herzen ging, wünscht er baldigst "eine seinen Leistungen angemessenere Stellung" als die eines Sekretärs. "Ich hatte mir übrigens von dem Herrn Baudri nichts viel anderes erwartet, und ich glaube, daß er in der Stadt sehr wenig beliebt ist. Ich glaube auch nicht, daß er gesinnt, mir zu nützen, da er bei einem anderen, den ich kenne, anstatt ihm ein Stip[endium] zu verschaffen, dies vereitelt hat". Einem der Kölner, der bald nach Hause reisen wird, will er jüngste Arbeiten mitgeben. Nachrichten über die Verwandtschaft, aus der ihm Vetter Ferdinand aus Wildthurn zu Weihnachten 250 der besten Zigarren geschenkt hat. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 4 Halbseiten teilweise beschädigt, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 2
Altsignatur : 2



16. Oktober 1869
München: Leibl berichtet seinen Eltern: "Beinahe möchte ich sagen:, ich kam, sah, siegte!, so enthusiastisch empfingen mich meine Kollegen, wo sie mich auch trafen. Anstatt mir übel zu wollen, freuten sich alle, daß sich das Gerücht, daß ich nach Düsseldorff (!) übersiedeln wolle (welches sich auf irgendeine Weise verbreitet hatte) durch meine Zurückkunft als falsch erwiesen hatte. In ganz München ist jetzt fast einstimmig die Rede, daß ich den Preis verdient hätte, der mir deßhalb vorenthalten würde, weil ich noch Schüler einer Akademie seie. Aus dem gelesensten Blatte in München, den "Neuesten Nachrichten" schicke ich Euch anbei ein Blatt, worauf Ihr den, der am meisten gerühmt ist, heraussuchen möcht; vielleicht ist er Euch bekannt. Heute morgen suchte mich ein Herr auf das emsigste, dessen Visitenkarte ich in Abschrift hier beifüge Le Duc de Tascher de la Pagerie, Secretaire d'Ambassade'. Er hinterließ, daß er mich durchaus sprechen müßte, weil einige der höchstgestelltesten Damen mich kennenlernen möchten, die meine Bilder in der Ausstellung gesehen hätten. Ich bin nun neugierig, was diese von mir wollen. Einer der berühmtesten Franzosen ist gegenwärtig auch hier, der vielgenannte Courbet, welcher mich auch kennenlernen will". Alles ist auf seine neueste Arbeit gespannt. Man möge die Hose und Schneider Maus den grauen Rock schicken. Grüße an Hohn, dem er schreiben will, Werres, Böcker, Wingen usw. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/4 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 3
Altsignatur : 3



17. Oktober 1869
München: Leibl an seine Eltern "Gestern war der Herzog Tascher, ein Vetter des Napoleon, in Begleitung einer vornehmen Dame, die aber unter einem anderen Namen Malerin ist und in Paris schon die Medaille gewonnen hat ihres Mannes und ihres Bruders in der Pilotyschule, wo ich ihnen einiges von mir zeigte. Die Malerin wie der Herzog und die übrigen waren ganz begeistert von meiner Malerei und versicherten mir, daß ich weitaus das schönste Portrait auf der Ausstellung habe". "Diese Dame nun wünscht von mir gemalt zu werden, und zwar in Paris, wo ihr eigenes prachtvolles Atelier mir zur Verfügung stände nicht allein für das Portrait, sondern könnte ich auch noch außerdem was mir beliebt, dort malen. Für Wohnung, Leben, Reise würde gesorgt werden, und könnte ich den Preis feststellen. Der Herzog versicherte mir, Empfehlungen an alle seine Freunde und Verwandte mitzugeben, und stünde sein Haus mir offen. Das Portrait der Frau Gedon müßte ich unter jeder Bedingung mitbringen, und verbürgten sie mir, daß ich in Paris großes Sucse (!) damit haben und jedenfalls den ersten Preis davontragen würde". Die Namen der anderen waren: Herr und Frau Jules de Laux, rue Jean Goupon 39, sowie Georges Le Sourd, Erster Sekretär der frz. Gesandtschaft. Am 22.10. wollen die Herrschaften, die "erstaunt meine Fäuste betrachtet hatten", Leibls Entscheidung hören. Um sein Glück beneidet man ihn in München, Leibl ist "noch sehr unentschlossen", möchte lieber sein Bild fertig machen, erbittet aber umgehend die Meinung der Eltern. Auch ein Engländer hat ihn während seiner Abwesenheit in der Pilotyschule aufsuchen wollen. Von einem Jury-Mitglied erfuhr Leibl, daß man ihm den 1. Preis hat zuerkennen wollen; aber Ramberg hätte erklärt, Leibl sei noch Schüler und es wäre möglich, daß er korrigiert worden wäre; bei der abermaligen Abstimmung hätte er eine Stimme zu wenig gehabt: "Ihr werdet aber jetzt überzeugt sein, daß ich über meinen Rivalen auch ohne Medaille gesiegt habe". Piloty ist verreist; daher kann er mit ihm das Pariser Angebot nicht überlegen. Er legt je eine Photographie für die Eltern und den Bruder Jean bei. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 4
Altsignatur : 4



24. Oktober 1869
München: Leibl dankt seinen Eltern für die Rücksendung einer Federzeichnung, die Hase "pietätvoll verpackt hatte. Nach langem Überlegen hat er sich am Vortage gegenüber dem Herzog für Paris entschlossen. Bis zum Schluß der Ausstellung bleibt er in München, um das Bild dann an Joest abzusenden. Vor seiner Abreise wird ihm der frz. Gesandte das nötige Geld für Reise und Unterhalt aushändigen. Die Dame, die er malen soll, wäre unter der Bezeichnung Juliette Braun die beste Malerin in Paris und hätte bei der letzten Ausstellung für eines der schönsten Bilder die goldene Medaille bekommen. Zu Leibls Gewährsleuten gehört auch der Maler des Wallenstein Bildes, das seinerzeit in Köln Aufsehen erregt hätte. Dieser hat ihn übrigens wiederholt über seine Malweise befragt, so gefiel sie ihm. Courbet hat Leibl gerühmt: "und bin ich der einzige, der dies in München von sich sagen kann". Die Pilotyschule wird ihm ein Abschiedsessen geben wie einst Mukacsi () sie fühlt sich durch die von den Franzosen bezeigte Achtung geehrt. Er grüßt namentlich aufgeführte Verwandte. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 5
Altsignatur : 5



06. Mai 1870
Paris: Leibl entschuldigt sich bei den Eltern für sein langes Schweigen. Bevor er nach Paris übersiedelte, war ihm klar, daß das eine Wende seines Lebens bringen würde. Auf der Pariser Ausstellung hatte er das auch auf der Ausstellung in München gezeigte Porträt von der jungen Frau eine Bildhauers gezeigt, die sich "in interessanten Umständen befand", als Leibl sie malte. Vor Eröffnung der Pariser Ausstellung hatte sich darüber die Jury schon ausgesprochen: 'Diesmal haben die Deutschen ganz anders ausgestellt wie früher; da ist besonders ein Portrait von einem unbekannten Maler namens Leibl, das an Malerei alles in der Ausstellung übertrifft'. " Was diese Äußerung bedeuten will, könnt Ihr daraus entnehmen, daß, wie ich bei Aufenthalte in Paris genugsam wahrnehmen konnte, die Franzosen der festesten Überzeugung lebten, daß die Deutschen niemals Maler sein könnten. Außerdem wird ein Bild von Munkacsy anerkannt. "Nun da die Ausstellung eröffnet ist, kann ich kühn behaupten, daß mein Bild den Künstlern und anderen Leuten am besten gefällt, wofür ich positive Beweise habe. Mein Name ist in ganz Paris jetzt berühmt und zwar so, daß gestern früh drei Kunsthändler zu gleicher Zeit auf meinem Atelier waren und alles was ich hatte, abkaufen wollten, bis auf die kleinste Skizze und den flüchtigsten Pinselstich". Leibl hatte jedoch am Vortag mit Gloupil, dem ersten Kunsthändler von Paris, dahin abgeschlossen, daß ihm Atelier und Wohnung aufs prächtigste eingerichtet und jährlich 18 000 - 20 000 Francs gezahlt würden gegen Überlassung aller Bilder, für die er zusätzlich besonders bezahlt wird. Für das Bild von Frau Gedon sind ihm schon 5000 Frs geboten worden, doch will er es unter 10 000 nicht verkaufen. Eine reiche Dame wollte sich für wenigstens 10 000 Frs. malen lassen. "Selbstverständlich" bekommt er in Paris die Medaille, die man ihm in München vorenthalten hat. Unter den 4000 ausgestellten Bildern, "worunter die berühmtesten jetzigen Maler sind", soll Leibl nach Meinung der meisten das schönste haben, "und sind die nicht neidischen Deutschen stolz auf mich, weil ich der erste bin, vor dem die Franzosen als Maler Respekt haben". Für seine Freistellung von der Militärzeit hat die Pariser preuß. Gesandtschaft ein Gesuch gestellt, dessen Erfolg als fast sicher betrachtet wird; bei abschlägiger Antwort "wird die gesamte Jury bestehend aus den berühmtesten französischen Künstlern" ein Gesuch einreichen. "Ihr könnt Euch nun einen Begriff machen, wie man in Frankreich die Kunst betrachtet und pflegt und wie in Deutschland". Demnächst will er über sein "Benehmen in diesem Wechsel der Glückszustände berichten". Gloupil wird nächstens die Eltern in Köln besuchen und Leibls Bild von Joest sehen. Eh. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 4 Halbseiten, eh.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 6
Altsignatur : 6



18. Mai 1870
Paris: Leibl schreibt seinen Eltern, daß der letzte Brief der Mutter ihm "gemäß seines Styles" keine Freude machen konnte. Umgekehrt ist das vielleicht der Fall, weil er eine Medaille bekommen hat und ihm "von allen Seiten gratuliert wird"; alle wünschen, daß er in Paris bleibt. Der Rat der Mutter "freie Hand zu behalten" und sich "nicht in die Hand der Kunsthändler zu begeben" ist indes richtig: "Ich werde immer malen, was mir beliebt und wo ich will". Wahrscheinlich wird er also bald nach München zurückgehen, wo noch einige Charaktere sind, die ich verwerthen möchte". Wegen seiner Militärangelegenheit hat er aus Berlin noch keine Antwort; wird er eingezogen, dann kann ihm Jury und Medaille nichts nützen: "Ihr könnt Euch aber denken, daß, wenn man in der halben Welt als Künstler anerkannt und ausgezeichnet ist, man nicht gut mehr als Einjähriger sich fuchteln lassen kann und die liebe Zeit mit Marschiren todtschlagen. Leider hat meine Vaterstadt nichts für mich gethan in keiner Beziehung. Möchte ich niemals dieses Krämerpack nothwendig haben". "Sollte ich aber Soldat werden müssen, so werde ich wahrscheinlich vorziehen, in Paris zu bleiben und mich von den Preußen holen zu lassen, wenn sie Lust haben". "Sorgt dafür daß alle meine Freunde erfahren, daß ich hier ausgezeichnet worden bin und bei allen Künstlern mir Achtung verschafft habe; besonders mit Gruß Fritz Höhn, Werres, Erlenwein, Wingen, Harzheim usw.". Familienerkundigungen. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 7
Altsignatur : 7



Oktober 1870
München: Leibl schreibt der Mutter: "Die erschütternde Nachricht von dem Dahinscheiden des theuren Vaters wurde mir heute von der Cousine Knörper mitgeteilt, als ich gerade von einer kleinen Foußtour (!) zurückgekehrt war. [Der] letzte Brief des theuren Vaters war mir sogleich zugestellt worden, und hatte ich mich noch so sehr gefreut über die Besserung und sichere Handschrift des armen Vaters und keine Ahnung von dem Betrübenden, das mich bei meiner Zurückkunft erwarten sollte. Der einzige tröstende Gedanke ist der, daß bei dem hohen Alter des theuren Dahingeschiedenen demselben durch die Unmöglichkeit der Fortbewegung die Freude des Lebens bedeutend geschmälert war und er von manchen Leiden erlöst worden ist. Ich kann mich erst langsam an den Gedanken gewöhnen, den guten Vater nicht mehr begrüßen zu können; besonders hart ist mir der Gedanke, ihn manchmal betrübt zu haben; aber vielleicht habe ich auch manchmal ihm einige Freude verursacht; und das Erstere ist gewiß nicht mit Willen geschehen. Liebe Mutter! ich kann nicht viel mehr hinzufügen. Wir müssen uns in das Unabänderliche fügen. Wieviele werden in dieser schrecklichen Zeit vom Unglücke heimgesucht! Das Andenken des Vaters wird mir für mein ganzes Leben immer das Verehrungswürdigste sein, und wird wohl selten jemand den Verlust eines so guten Vaters zu beklagen haben wie wir. Es grüßt Dich, Johann und die Brüder und Verwandten Dein betrübter Sohn Wilhelm, der sich bemühen wird, zur Erheiterung Deines Lebensabends und zum Troste des herben Verlustes beizutragen".


Enthält : 1 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 8
Altsignatur : 8



07. November 1870
München: Leibl eröffnet der Mutter, daß er wegen ausbleibender Antworten vor allem über seinen Bruder Jean beunruhigt ist, ob dieser noch in Köln oder schon im Felde ist. Beileid zum Tod des "guten alten Freundes" Hennekens. Leibl hat verschiedenes zum Studium und außerdem ein Bild mit 2 Figuren angefangen, wozu er in zwei Freunden die gelungensten Modelle gefunden hat und das doppelt so groß wie das erste Bild werden soll. In der kurzen Zeit von 2 Tagen mußte er eine durchreisende Dame aus Wien malen, die ihn bewegen wollte, dorthin umzuziehen. Freunde, auf deren Urteil er etwas gibt, fanden diese Arbeit als besonders gelungen. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 9
Altsignatur : 9



07. Januar 1871
München: Leibl berichtet der Mutter über eine Reihe von Verwandten. Das Bild, an dem er arbeitet, "geht vorwärts"; einige Teile sollen nach dem Urteil von Freunden besser sein, als seine bisherigen Sachen. Über das Porträt der Dame aus Wien hat deren Bruder ihm einen schmeichelhaften Brief geschrieben und zugleich vorgeschlagen, dorthin zu ziehen. Er legt einen Brief an Bourel bei und fragt, warum Wingen ihm seine Verlobung nicht angezeigt hat. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 10
Altsignatur : 10



27. Oktober 1871
München: Jean Leibl bittet die Mutter, daß die nach dem Tod der Tante in Köln vereinsamte Mutter auch nach dem Gutbefinden aller Verwandten in München ihren Lebensabend zubringen möge. Er wird sich an 4. Nov. an der Universität für Medizin immatrikulieren lassen. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : Wilhelm Leibl drückt auch seinerseits sein Beileid zum Tod der Tante aus: "Doch da alles im Leben vergänglich ist, so muß man auch solche Verluste hinnehmen. In diesem Sinne betreibe auch ich meine Kunst und suche weniger meine Befriedigung in Erlangung und Zusammenhäufung zeitlicher Güter, sondern in dem Bewußtsein, etwas zu schaffen, was ein Theil von meinem Innern ist und wovon ich weiß, daß es noch lange nach meinem Tode fortleben wird". Die Mutter soll sich darüber und über ihn keine Sorgen machen, vielmehr ihren Wohnsitz in München nehmen, damit sie, nämlich Jean und er, ein "ruhiges Familienleben" führen können. Dadurch würde sie ihm einen besonderen Wunsch erfüllen, er könnte nämlich ihr vollständiges Portrait für die Familie anfertigen". Sein Atelier ist so wohnlich, daß sie sich darin aufhalten könnte. Unterschrift mit dem Vornamen. 2 1/2 S., eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 11
Altsignatur : 11



09. Februar 1877
Zell: Der Bruder Jean teilt Leibl mit, daß er sich nach Straßburg "zum Dienst auf Avancement in der Reichsarmee" gemeldet hat. Über seine und Leibls Gesundheit wird berichtet und nach Langbehn, Muchl, Sparl, Bierling usw. gefragt.


Enthält : Nachschrift der Mutter: Leibls letzte flüchtige Zeilen haben sie sehr interessiert. "Wenn Dir einmal die Thur zu den höheren Kreisen geöffnet ist, so steht fest, daß Du auch dort Anerkennung gefunden". Bei Leibls nach der Genesung gefaßtem Entschluß, die Lebensweise ganz nach seiner Ansicht "in gesunde geistiger und körperlicher Thätigkeit einzurichten, kann es nicht fehlen, daß Dain Talent und Fleiß die besten Früchte einbringen wird". Daß Jean nach seinem Examen im Mai noch immer keine Tätigkeit aufgenommen hat, findet sie arg. Leibl soll Pate an Ferdinands Sohn werden; die Mutter erinnert an die Geschenke die Leibls eigener Pate Henneken gemacht hat. Der Becher, den dieser zu Leibls Taufe schenke, könnte jetzt gut wieder verwendet werden. Unterschrift. 4 Halbseiten, beide eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 12
Altsignatur : 12



26. Dezember 1877
Oberzell: Die Mutter ist betrübt, daß Leibl nicht kommen konnte. Um so mehr freut sie, die günstige Beurteilung seiner "Kunstproduktionen". Danach wäre es angebracht wenn der König ein solches Kunstwerk erwürbe. Pecht wird in der 'Augsburger Zeitung' wohl ein "scharfes Wort niederlegen", seine Parteilichkeit ist freilich nicht unbekannt. "Hat ja auch jeder noch so große Meister sich der Kritik unterziehen müssen: - darfst Du Dich doch glücklich fühlen, in dem Gedanken, daß Dein Streben Deiner künstlerischen Intention entspricht und Anerkennung bei anerkannten Autoritäten findet". Sie übersendet 300 Mark: "Hast Du ja Deiner Mutter wie uns allen eine gehobene Stimmung durch Deine Berichte verschafft". Sie hofft, daß Leibl nicht in die Lage kommt die goldene Medaille angreifen zu müssen "Nur wäre Dir doch dringend anzurathen, in Zukunft etwas praktischer zu Werke zu gehen. Unter der Hand oder vielmehr ohngefähr wissend, was Du für mehrere Produktionen eingenommen, habe ich mich bis dahin begnügt, daß es Dir wenigstens an nichts mangeln dürfte: - abgesehen daß mir Deine Verpflegung das Herz schwer macht - es würde mir ein freundlicher Gedanke sein, Dich einmal auf einer Dir zukommenden Etablierung zu wissen". Ob er für das Portrait der Gräfin in Holzem auch ein Honorar bekommen hat oder ob es für das Jagdvergnügen gemalt worden ist? Ob das Bild von Perfall in dessen Besitz ist? Da er den Adjudanten von Staufenberg gemalt hat und dessen Bruder oder Verwandter in Berlin eine hohe Stelle bekleidet, dürfte dies bei der Berliner Ausstellung für Leibl von Einfluß sein. Unterschrift.


Enthält : 4 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 13
Altsignatur : 13



22. Mai 1878
Oberzell: Da die Augen der Mutter gerade besser sind, muß sie Leibl eigenhändig meine Gratulation zu Deinem glänzenden Erfolg darbringen. Also in dem Vollbewußtsein Deines Werthes darfst Du Deiner Zukunft, so Gott Dich gesund erhält, in glücklichster Weise entgegensehen! Dir sind meine demütigen Gesinnungen bekannt: jedoch erfüllt es mich mit Stolz, Dich als meinen Sohn zu nennen". Louis bringt soeben eine Berliner Zeitung mit einem Artikel über Leibls Bild; sie wurde ihm von dem Kölner Gottfried Hagen und seiner Frau, geb. Kyll, zugeschickt. "indem ich nicht unterlassen will, Dich zu warnen, Dir keinen Skruppel (!) zu machen, für das Bild vielleicht noch einen höheren Preis erzielt zu haben: - ist der Ruhm ja weit höher anzuschlagen als das Geld!" Dieses unterzubringen, soll er mit Knörpers beraten. Sie hat Abschrift seines Briefes sofort nach Basel geschickt. Leibl soll seine Brüder über seinen "Triumph" benachrichtigen. "Also zum Schluß lebe ich der Überzeugung, daß es Dein Bestreben sein wird, ebenbürtige Kunstwerke für die Zukunft zu schaffen und hoffentlich persönlich den Plan Deiner nächsten Zukunft mit uns zu besprechen". Unterschrift.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 14
Altsignatur : 14


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