Historisches Archiv der Stadt Köln
3 Nachlässe und Sammlungen
3.2 Nachlässe, Partei-, Vereins-, Familienarchive
3.2.12 Buchstabe L
Leibl, Wilhelm
Best. 1176 Leibl, Wilhelm

27. Januar 1871
München: Leibl schreibt Jean die besten Wünsche für sein Ausrücken in den Krieg und bittet, daß er sich nicht unnötig in Gefahr begibt. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 15
Altsignatur : 15



25. Juli 1874
München: Jean übersendet Leibl einen Brief von Ferdinand. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1/2 Halbseite, eigenhändig
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 16
Altsignatur : 16



[München]: Jean hat Leibls Bilder schon vor langer Zeit auf seine Bude geholt. Soweit er es beurteilen kann, sind sie unversehrt. Ein Sachverständiger war nicht aufzutreiben. Am 1.11. wird er wahrscheinlich München für immer verlassen. Die Assistenzarztstelle ist ihm aus unbekannten Gründen nicht übertragen worden. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eh.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 17
Altsignatur : 17



März 1876
München: Leibl hofft, daß Jean sich an seinem neuen Bestimmungsort gut eingelebt hat und daß seine Hoffnungen auf "Geldeinnahme" sich erfüllen. Die Berliner Regierung will die Pariser Weltausstellung mit einer kleineren Anzahl von Bildern beschicken: "Auch ich wurde für würdig erachtet, unter den Vertretern der deutschen Kunst zu figurieren. Übrigens wird bei der Auswahl, die von dem Urtheile der Akademiedirektoren geleitet wird, ein netter Schund zusammenkommen. Da dies alles ohne Mitwirkung der gesammten Künstlerschaft betrieben wird und zur Ausstellung nur die von einer gewissen Klique Auserwählten zugelassen werden, so ist eine tiefe Erregung gegen Piloty etc. eingerissen, was mir nur angenehm sein kann. Mich wollte man anfangs auch ignorieren; doch wurde von Berlin ausdrücklich verlangt, daß man suchen möge, mich zur Betheiligung zu gewinnen. Daß man mich hier beiseite lassen wollte, wurde sofort bekannt und ist von den Gegnern Pilotys wohl angemerkt worden". Er hofft auf Verkauf des Bildes in Paris Zur Zeit malt er nur für seinen Unterhalt. Zu seiner Verwunderung hat er kürzlich einen Brief von Beenen mit Photographie in Athletenstellung erhalten; von Leibl wünschte dieser eine Zeichnung für Anschlagzettel des Zirkus, in dem er auftreten möchte. Jean möge in der Auswahl seiner Bekannten nicht zu vertrauensvoll sein; im ersten Augenblick läßt man sich leicht täuschen. Vor allem durch Mäßigkeit wird er sich Haltung erwerben; zum Glück wird das Bier dort nicht das Beste sein. Langbehn, Sperl, und Haider lassen grüßen, Schider wird bald Vater. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 18
Altsignatur : 18



o.D.
Jean berichtet aus seiner Assistenzarzttätigkeit und bittet um die versprochenen Radierungen. Grüßte an Sperl, Langbehn u.a. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite (Bruchstücke), eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 19
Altsignatur : 19



27. September 1876
München: Jean kann die Kiste wegen Geldmangels nicht abholen und schickt die Rechnung von Müller. Über die Geschichte von Leopold war er erfreut. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 20
Altsignatur : 20



Durch Billinger erfährt er, daß Leibl noch nicht das Geld von der Post bekommen hat. Leibl möge sich erkundigen. Gruß von Schider. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eh.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 21
Altsignatur : 21



03. Oktober 1877
Sulzbach bei St. Johann/Saar: Jean ist von Ondweiler nach Sulzbach versetzt; das trägt zur Ausbildung von Erfahrung und Tüchtigkeit bei. Nach der Assistentenzeit bekommt er eine endgültige Ausstellung und ist dann ein gemachter Mann". Bergrat Barthold, dem er die Knappenschaftsarztstelle verdankt, hat wohlwollend seine "wenigen guten Eigenschaften richtig erkannt": "indessen soll es meine Bemühung sein, immer mehr die unheimlichen und tollen Geschichten in den Hintergrund zu drängen". Von Ferdinand hat er gehört, daß Leibl "ganz gentleman like geworden" wäre. Die Nachrichten des Grafen Treuberg über Leibls Bauchzwicken hat die Zwerchfelle erschüttert. Schider hat früher "auf das traurige und gefahrvolle Dasein der Bergleute aufmerksam" gemacht: "Das ist nur so wahr und richtig. Es kommen da grauenhafte Verletzungen, Verbrennungen und Verstümmelungen vor. Die Klinikgeschichten sind reine Lappalien dagegen. Denke nur an die häufig vorkommenden Dynamit-Explosionen. Furchtbare Zerreißungen des Kopfs, Zerquetschungen und vielfache Brüche der Knochen [sind] die Folge. Oder so ein Mann arbeitet in der Tiefe gebückt, plötzlich fällt ein Felsstück ihm heimtückischerweise ins Genick. Unter rasenden, furiosen Schmerzen und gelähmt kommt so ein öfters herkulisch gebauter Mann ins Lazareth und verlangt dann stürmisch nach dem Tode. Eigenthümlicherweise sind diese Leute meistens sehr ruhig und ordentlich, wenig den socialistischen Umtrieben zugethan. Meiner Ansicht nach ist der Beruf eines Bergmannes ungleich gefahrvoller und trauriger als derjenige eines Seemannes". Er bittet um Radierungen.


Enthält : 4 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 22
Altsignatur : 22



11. November 1877
Völklingen: Jean ist abermals an das ganz modern eingerichtete Krankenhaus versetzt worden und hofft im Frühjahr Revierarzt zu werden. Ondweiler war "ein versoffenes liederliches Nest". Er hatte übermäßiges Biertrinken jedoch aufgegeben, Linnartz dagegen weniger. Mit Ramm schreibt er sich, von Schider hört er nichts. Er berichtet über Rauert-Reinbeck / Holstein, Strenge-Neumünster, Wächter-Altona. Linnartz Bonder ist juristischer Beistand beim Schaaffhausenschen Bankverein in Köln. Beenen ist bei der Eisenbahn. Witz über den auf dem Heumarkt in Köln gastierenden Zirkus Renz. Grüße an Langbehn und Sperl. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 4 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 23
Altsignatur : 23



21. Januar 1878
München: Leibl wünscht Jean, daß das neue Jahr ihn als wohlbestellten Arzt sehen möge; nochmals ein ceterum censeo: 'Sei nur immer nüchtern'. Über Leibl ist weiterhin viel geschrieben worden: "Ob gut oder schlecht, es beweißt nur, daß ich und meine Bilder ein Factor bin (!), mit dem sie rechnen müssen". So hat das 'Wiener Freudenblatt' vom 12.1. über ihn berichtet. Mit vielen Anekdoten, "die wohl meistens erfunden sein werden', schrieb von auch der 'Parther Spoids': "Auf diese Weise machen sie mich noch zum berühmtester Maler". "Nun schicke ich meine Bilder erst recht nach Berlin. Man muß sich vor den Hundsröttern nicht fürchten". Jean möge mit anderen nicht über Kunst sprechen; er würde sich damit nur Unannehmlichkeiten zuziehen. Ferdinand sollte dies besser auch unterlassen. Sobald Leibl wieder Abdrücke nach Radierungen machen läßt, will er Jean einige schicken. Es grüßen Sperl, Langbehn, Haider, Schließleder. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 24
Altsignatur : 24



23. Januar 1878
Völklingen: Jean ist überzeugt, daß Leibls Bilder in Berlin "Heidenspectakel" machen werden. Er selbst wird keine Gespräche über Kunst mehr führen schon gar nicht über Malerei. Seine Kunst besteht im Verfertigen von plastisch anschließenden Gipsverbänden. Mit Ferdinand hat er prächtig gegessen. Die Mutter schreibt "ächte Quitzerbriefe mit guten Lehrern über Heilkunst". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 25
Altsignatur : 25



02. Februar 1878
Speicher: Jean wäre nun "ein gemachter Mann. Durch den Tod eines Kollegen hat er eine Distriktsarzt-Stelle bekommen und dafür die Knappschaft aufgegeben. Er schildert die Lage von Speicher und seiner Bewohner sowie die Ausdehnung seiner Praxis. Boecker ist Justizrat in Trier. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 26
Altsignatur : 26



29. März 1878
Speicher: Jean wünscht für die Pariser Ausstellung Leibl viele Käufer. Sein Anfang in Speicher war zufriedenstellend, außerdem trinkt man meistens nur ein "leichtes, unschuldiges Moselweinchen und das auch nur 1/2 Schoppenweise". In Trier hatte er Boecker nicht angetroffen. Über den plötzlichen Entschluß von Beenen hat er sich gewundert. Grüße an Sperl, Langbehn, Haider, Schlißleder, Ohlmüller. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 27
Altsignatur : 27



24. Mai 1878
Speicher: Jean hat sich über Leibls gelungenen Brief amusiert. Vom Verkauf von Leibls Bild berichtete ihm frühmorgens der Pastor mit der 'Kölnischen Volkszeitung in der Hand. In der 'Berliner Zeitung' stand, daß es den Werken von Holbein und Hals gleichgestellt wurde. Verwunderung über die reiche Heirat Harttongs. Beenens Advokatur in der Westendhalle hat ihn sehr interessiert. Jean berichtet von seinen Kraftübungen. Daß Fritz Röggen Geistlicher wurde, ist schade. Schider will auch zur Pariser Ausstellung. Kölner Witz über das Telefone Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 28
Altsignatur : 28



26. Juli 1878
Speicher: Jean berichtet, daß die Mutter und Nettchen in den nächsten Tagen zu Besuch eintreffen werden. Karl war mit seinen Söhnchen schon da. Piloty hat sich "als ganz gemeiner Denunziant entpuppt". Am anderen Tag wird er eine große Fußtour machen, um nach geimpften Kindern zu sehen. Grüße an Sperl und Haider. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 29
Altsignatur : 29



22. August 1878
Berbling bei Aibling: Leibl freut sich, daß Jean nach der Photographie so vortrefflich aussieht. Von sich selbst glaubt er das Gegenteil; wenn er sich auch vollkommen gesund fühlt, so dürfte seine "Leibesfülle manches zu wünschen übrig lassen". In seinem Gebirgsdorf ist beider "alter Saufkooperator" aus Graffelfing Pfarrer. Das Wirtshaus ist ein "Saustall". Doch hat er so "günstigen Stoff" zu einem Bilde gefunden, wie ich ihn anderswo nicht antreffen würde. Der Pfarrer hat mir nämlich seine Kirche zur Verfügung gestellt und einige vorzügliche Modelle verschafft; und so bin ich denn seit einiger Zeit eifrig mit Anfertigung eines neuen Bildes beschäftigt eingedenk des Sprichworts: Schmiede das Eisen, so lange es warm ist. Ich führe das Bild so durch, daß mir eine rasende Arbeit daraus erwächst, die ich aber mit eiserner Geduld zu überwinden gedenke, um damit meinen Gegnern einen neuen Brocken vorwerfen zu können". Ob die Mutter schon bei ihnen ist. Ferdinand will nach München kommen und Karl in Siegburg eine Notarztstelle annehmen. Der Steyerer Hans († 27.8.1906 in Obergiesing) aus Pasing macht in Berlin durch seine "viehische Stärke" "kolossches Aufsehen". Der Pfarrer, der noch mit seiner Landwirtschaft viel zu tun hat, sowie Langbehn und Sperl lassen grüßen. Wenn Leibl wieder nach München kommt, will er Photographien schicken. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig. In der Anlage Zeitungsartikel über den Steyrer Hans vom 30.8.1936.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 30
Altsignatur : 30



25. August 1878
Speicher: Jean dringt bei Leibl darauf, ermöge "ein bischen auf ordentliches Essen sehen, namentlich wo gegenwärtig Deine pekuniären Verhältnisse recht günstige sind'' Es gäbe neuerdings "gepreßtes Fleisch in Blechbüchsen sog. Cornedbeef", ferner auch kostbares Zungenfleisch". Dann soll Leibl Pumpernickerl aus Westfalen essen". Demnächst will er ein Fäßchen "herrlichen Moselweins" schicken, "der sicher besser ist, als das dortige Bauernbier". Die Mutter und Nettchen sind eben nach Köln gefahren. In Trier hatten alle einen vergnügten Tag. Auf Leibls nächstes Bild ist er gespannt; nach Fertigstellung soll er ihn besuchen: "die Gegend hier ist in ihrer Art wundervoll, was glücklicherweise noch nicht viel bekannt ist". Als Pumpernickeladresse: Bäckermeister H. Haverland in Soest a. d. Zollbrücke. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 31
Altsignatur : 31



06. Oktober 1878
Speicher: Er hofft, daß Leibl das angefangene Bild ungestört vollendet. Er schildert, wie er mit einfachsten Mitteln auf den Ruf eines Nachbarkollegen bei einer Gebärenden einen Kaiserschnitt ausgeführt hat, den er selbst nie geübt hatte und nur nach der Beschreibung kannte. Ihre Mutter hat sich von der Krankheit erholt. Bisping war wohl nach ihm in Warendorf. "Wenn Du gutes Essen und Trinken sowie Pfeife und Oldenkott hast, bist Du ja dicke, drall (?) und schön heraus". Boecker alias Nannon war besucht worden. Pitter Aeckersberg leidet an Verfolgungswahn und ist in der Lindenburg in Köln. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 4 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 32
Altsignatur : 32



Juni 1879
Berbling: Leibl klärt Jean auf, daß es Konzerte nur in Salzburg oder Innsbruck gibt. Er schickt einige Zeitungsartikel. Ein Mann in der Gegend kann 420 Pfd mit 2 Fingern heben. Leibl selbst hat schon "einige Stückchen" geliefert. Da er erzählt hat, daß Jean zehnmal stärker wäre, möchten einige Burschen Photographien sehen. Wenn es ohne Aufsehen geschehen kann, möchte er sie gern mit bloßem Oberkörper, "wo der Arm in gehöriger Wirkung hervortritt". Mit dem Pfarrer hat er Stänkereien. "Mein Bild macht mir furchtbare Arbeit, weil es ziemlich groß ist und die Figuren in vollem Licht sind. ich werde deshalb noch lange daran arbeiten müssen". An das schlechte Essen hat er sich so gewöhnt, daß er es Schider zuvor tun könnte. Sperl und ein Dr. Dürr aus Aibling lassen grüßen. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 33
Altsignatur : 33



20. Juni 1879
Berbling: Leibl hat über die Gewichthebetabellen von Jean viel lachen müssen. Dennoch meint er, daß 420 Pfd. mit 2 Fingern zu heben, etwas Ungeheures ist. Der neue Pfarrer hatte Leibl das Weitermalen in der Kirche untersagen wollen. Doch hat er sich mit ihm verständigt. Aus Vorsicht hat er Prinz Luitpold zu einem Empfehlungsschreiben veranlaßt. Jean könnte bei seinen guten Einnahmen sich nach einer Hausfrau umsehen. Den "geklagten Congestionen" könnte damit abgeholfen werden: "Aber dieser verhängnisvolle Schritt muß wohl überlegt sein". Zu den guten Eigenschaften einer Frau rechnet Leibl auch "tüchtig Geld". Durch das in Arbeit befindliche Bild hofft er soviel herauszuschlagen, daß er wieder besser essen kann. Die Münchener Kunstausstellung im nächsten Monat wird er nicht beschicken. Leibl urteilt sehr abfällig über den "tollen Übermut der "Münchner Bilderhudler" und ihre "viehische Schmiererei".


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 34
Altsignatur : 34



11. Oktober 1879
Berbling: Leibl rät Jean wegen der Heiratsplänen zur Vorsicht und warnt vor Übereilung. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1/2 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 35
Altsignatur : 35



30. Oktober 1879
Speicher: Jean berichtet von seiner Bekanntschaft. Leibl soll kommen, es gäbe genug Wildsauen zu jagen. Er hat jetzt den besten Tabak bei der Fa. A.F. Emde in Rees/Rh. entdeckt; lange Pfeifen dazu liefert J. Kleinsorge in Brilon. Wenn Leibl sein Bild fertig hat, soll er es nach Paris bringen und ihn unterwegs besuchen. Ein Notar in der Nähe ist mit Hartzheims verwandt. Der "elegante prächtige Gries" in Geyen hat eine böse Nasenkrankheit. Grüße an Sperl und Haider. Berichte über Schülerbekannte. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 36
Altsignatur : 36



o.D.
Leibl übersendet Jean 2 Notizen, die einen Eindruck vom Leben und Humor des bayer. Volkes vermitteln: "Nicht umsonst hat Bouvel gesagt: "Dat es e prächtig Volek". Auf dem Volksfest in Aibling arbeiten sich die "Lackel aus der Umgegend" an den Künsten des Steyrer Hans ab. Das Unglück Schiders ist Leibl zu Herzen gegangen und der andauernde Husten der Mutter läßt ihn sehr besorgt sein. Ferdinand hat über Leibls "famoses Leben" Jean "etwas aufgebunden". Doch hofft er, daß sein Bild alle Mühseligkeiten zehnfach aufwiegen wird. Darauf "befindet sich eine alte Hexe, welche durch ihr unruhiges Sitzen und ewiges Einschlafen mir die größten Schwierigkeiten bereitet. Ohne diese wäre ich vielleicht schon fertig". Wenn Leibl nach Paris gehen sollte, wird er Jean besuchen. Dieser soll ihm bald das Athletenphoto schicken, das Leibl "bei der hier grassirenden Kraftmeierei gut zu Statten kommen wird". Sperl läßt grüßen. Haider hat schon 2 Söhne, aber kein Geld, und wird es ihm noch schlecht gehen, wenn er nicht bald etwas verkauft". Er malt in Schliersee ein Bauernbild.


Enthält : Unterschrift mit dem Vornamen. 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 37
Altsignatur : 37



(1879)
Oberzell Leibl dankt Jean für die zu Weihnachten geschenkte Saukeule. Auf Anraten der Mutter fragt er an, welche chirurgischen Instrumente er als Gegengeschenk kaufen könnte. Ein Besuch kommt nicht in Betracht "Ich muß einfach jetzt tüchtig arbeiten, damit ich später etwas zu leben habe und auch um die anderen Scheißkerle zu ärgern". Immerhin kann er sich nicht vorstellen, daß man beim Wein, wenn er auch noch so gut ist, seine Pfeife Oldenkott so gemütlich rauchen kann". In Zell werden Unmengen guter Sachen gegessen und dabei Jeans und Schiders gedacht. Abends wird mit Louis und Kinzinger Tarok gespielt. Leibl arbeitet an einer Federzeichnung der Kinder. Unter der geretteten Reputation der alten Hanna kann er sich nur die Kölner Nachtwächtergeschichte denken. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 38
Altsignatur : 38



18. Januar 1880
Berbling: Leibl entschuldigt bei Jean sein langes Schweigen mit fleißigem Malen und Briefwechsel über seine Arbeiten nach Amerika und nach Paris. Überdies ist er kein Freund vom Schreiben, "obgleich ich äußerst gern Briefe empfange". "Mit dem Steinreichwerden hat es übrigens noch gute Wege". Über Jeans Brautwerbung äußert Leibl sich pessimistisch: "Wenn es ginge, würde ich das Mädel mitsamt dem Alten laufen lassen". "Diese Weibergeschichten machen einen manchmal ganz unzurechnungsfähig. Übrigens sage ich nicht, daß das mir auch einmal sehr leicht passiren kann". An dem Sauerbraten von Oberzell kann er seine "gesunkenen Lebenskräfte gehörig aufrichten". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 39
Altsignatur : 39



16. März 1880
Berbling: Leibl schickt Jean die gewünschten Photographien. Gegen die "Schnitzer" der dortigen "Kerle" hat er sich mit einem eichenen Knüttel, versehen. "Die 100 kriegst Du nächster Tage". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 40
Altsignatur : 40



Leibl rät Jean die Photographien von den Bildern in schmale Leistchen zu rahmen und so aufzuhängen. Berichte über die Kraftakte von Para, Charles und Steyrer. Leibl wird wohl bald nach München zurückkehren.


Enthält : 1 1/2 S., eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 41
Altsignatur : 41



11. September 1880
Berbling: Leibl hofft, daß Jean wieder seine Ruhe hat. Mit Ferdinand ist er der Meinung, daß Jean besser bei der Knappenschaft geblieben wäre. Vielleicht findet sich wieder ein neuer Posten: "Nur mußt Du dann nicht durch Exentricitäten die Geschichte wieder verderben". Mit Leibls Bild will es "nicht recht vorwärts. Wahrscheinlich muß ich doch noch im Frühjahr daran wieder pfuschen. Wenn ich nur das Ding einmal vom Hals hätte. Die Hauptschwierigkeit liegt noch in einem Kopf von einer alten Vettel, welche immerwährend einschläft und das Maul verzieht. Wenn ich einmal dieses Gefris (?) habe, wird es wohl schnell gehen. Also Geduld. Wenn nur das Bild gut wird, was ich jetzt fast bezweifele". Mit Ferdinand hat er in Aibling in der Wurstküche vergnügte Tage verlebt. Ferdinand war wieder mit allen per "Du" und hat einen halbverrückten Prennierleutnant mit seinem Gelächter und Saufen ganz fertig gemacht, daß dieser abgeführt werden mußte. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 42
Altsignatur : 42



10. Oktober 1880
Berbling: Leibl gefällt das von Jean geschenkte Zündnagelgewehr außerordentlich. Er freut sich, daß die Praxis gut läuft. Wenn diesem "eine konvenirt", soll er seinem Benehmen "einigen energischen Zwang" anlegen; denn die mit der Trinkerei verbundene Zwanglosigkeit artet gewöhnlich in viehische Roheit aus. Für die demnächstige Reise nach Köln wünscht er viel Vergnügen. Ferdinand soll die Geschichte mit dem übersandten Schinken erzählen. "Ich arbeite hier tüchtig drauf los; hoffe aber erst im Frühjahr die Vollendung des Bildes zu erleben, welches im Kleinen eine Arbeit ist wie der Dom". Er ist mit der Schwester Nettchen der Meinung, daß die Schwägerin Mathilde von den Schmucksachen der verstorbenen Mutter nichts zu beanspruchen hat. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 43
Altsignatur : 43



30. September 1881
Aibling: Leibl freut sich über Jeans Reise nach München. Jean möge sie bis Ende Okt. verschieben, dann ist sein neues Bild vollendet. Mathilde hat sich in München von Nußbaum operieren lassen. Doch hat er sie wegen des Bildes nicht besuchen können: "Übel nehmen kann mir niemand, wenn ich endlich einmal die langwierige Arbeit mir vom Halse schaffen will". Ferdinand hat nicht das ganze Vermögen in Händen, Nettchen hat 18 000 M in Eisenbahnaktien. Es ist doch wohl Ulk, daß Jean in Bekneiptheit" Carl sein Vermögen gemacht hat. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 44
Altsignatur : 44



13. November 1881
Aibling: Leibl warnt Jean besonders vor Carl wegen der bevorstehenden Vermögensteilung: "Wir müssen vorsichtig sein; denn unsere Geschwister sind Egoisten und wir unerfahrene Karle, die man leicht übervortheilen könnte". Ferdinand hat ihm wegen seiner Leiden sehr leid getan. In den nächsten Tagen hoffte er Jean die Vollendung des Bildes mitteilen zu können. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 45
Altsignatur : 45



21. Dezember 1881
Aibling: Leibl schreibt Jean, daß er Weihnachten nicht nach Zell kann. Die Christbaumgeschichten gefallen ihm nicht besonders. Er ist für eine andere Zeit. "Das Bild habe ich nun hinter mir. Nettchen meinte, ich solle es nicht unter 100 000 frcs. hergeben. Das ist doch etwas zu sangninisch. Mit der Hälfte wäre es schon übrige (!) genug". Leibl schlägt vor, Schider zu besuchen: "Das Viesch macht mir doch den meisten Spaß". Er zeichnet "einige notorische Wilderer" für L' Art in Paris. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 46
Altsignatur : 46



04. April 1882
Speicher: Jean hat die Photographie von Leibls Bild aus der Wernerschen Anstalt, München, erhalten. Beenen will Leibl um Geld bitten. Er selbst treibt gegen sein Übergewicht Gymnastik und berichtet von seinen athletischen Übungen. Rauert schickte aus Reimbeck ein Fäßchen Anchovis; auch Leibl soll eines bekommen. Ferdinand hatte diesem 10 000 Mark überwiesen und ist fortwährend mit der Liquidation beschäftigt. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 47
Altsignatur : 47



21. April 1882
Aibling: Leibl berichtet Jean: "Viel hätte ich jetzt Dir mitzuteilen, wenn das verdammte Schreiben mir nicht so zuwider wäre. Ich war in Wien, wo mein Bild einen höllischen Spektakel macht und wurde auch dort dem Kaiser vorgestellt. Dort stand alle Tage eine neue Morithat von mir, in den Zeitungen, so daß ich selber in den Wirthshäusern immer über mich reden hörte. Leibl war mit Gedon dort, den er beinahe "durchgewalkt" hätte. Beenen hat wieder eine Photographie geschickt: "Der arme Kerl sieht da aus wie ein Gockel und will nun als Athlet auftreten". Auch die beiliegende Zeitungsmeldung über die Schlägerei mit Markart ist "natürlich ganz gelogen". Das Bild ist immer noch nicht verkauft, für 60 000 M hat er es "dummer Weise" nicht hergegeben: "Du mußt wissen, das (!) soviel fast kein Maler kriegt. Wenn es anders heißt, so ist es lauter Schwindel. Ich bin jetz wieder in Aibling, weil mir die verfluchte Berühmtheit so zuwider war. Man kann nicht über die Straße gehen, ohne daß man angegafft wird. Aus dem Athletenklub der Hochadligen Wiens hat er einen ganz schwachen ' Grafen, der "absolut nichts anderes thut als sich üben", kennengelernt und beim Fingerhakeln beinahe die Finger ausgerupft und über den Tisch gerissen, "daß er mir ins Gesicht flog, obschon ich jetzt gar nicht mehr stark bin". Jean soll ihm eine scharfe Photographie seines Oberkörpers schicken, die er dem Grafen übermitteln will. Wenn Photographien seines Bildes da sind, will er eine schicken. In der Erbschaftssache geht Leibl bald die Geduld aus. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 4 Halbseiten, eigenhändig. In der Anlage Zeitungsausschnitt.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 48
Altsignatur : 48



19. Mai 1882
Speicher: Jean spricht anerkennend über Leibls Gedon-Bild. Von Ferdinand und seinen Liquidationsgeschäften hat er nichts gehört. Falls Leibl kein neues Bild angefangen hat, möge er ihn besuchen. Wenn er mit dem Impfen fertig ist, wird er wahrscheinlich im Juni kommen können. Ob Schlißleder in der Nähe tätig ist. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 49
Altsignatur : 49



30. Mai 1882
Aibling: Leibl freut sich "riesig" über den angekündigten Besuch Jeans. Da er ein neues Motiv für ein Bild in einer anderen Gegend sucht und er mit einem anderen kleineren Bild fertig ist, wird er schreiben, wo man ihn finden kann. Er "muß recht fleißig sein"; denn hinsichtlich Verkauf seines Bildes rührt sich nichts mehr, und nach Auskunft Nachers, werden seine Vermögensverhältnisse schwach. Daher dringt Leibl auf endliche ungeschmälerte Ausfolgung seines Erbteils samt Zinsen. Ferdinand antwortet auf seine Vorstellungen mit absolutem Stillschweigen. Den Empfang von 2 Photographien seines Bildes hat man ihm nicht bestätigt, obgleich die einfältigen Zeitungsberichte bei Mathilde eine so großartige Aufregung und Entzücken erregten". Nanon würde er antworten, wenn er nicht schon 2 Tage geschrieben hatte; Leibl wird ihm Photographien schicken. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 50
Altsignatur : 50



14. Juni 1882
Speicher: Jean beschwert sich über die Vermögensteilung durch den Bruder Ferdinand. Die 'Kölnische Zeitung' brachte neulich eine ganze Spalte über Leibls Bild, allerdings eine kindische Kritik. Er schickt die Photographie von einem Mädchen und berichtet über seine athletischen Übungen. In London wäre ein Bild von Meißenier für 121 000 Mark versteigert worden; ob Leibl nicht ähnliche Preise erzielen könnte? Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 51
Altsignatur : 51



21. Juni 1882
Aibling: Leibl bestätigt den Empfang von 2 Photographien von Jean. Nach der übersandten weiblichen Aufnahme läßt sich kein Urteil fällen: "Der Charakter ist mit die Hauptsache". "Mein Bild ist in Wien rein in den Scat gelegt, und wollte ich, die verdammte Ausstellung wäre am Ende, damit ich das Bild nach London und Paris schicken kann, wo ich es doch hoffentlich los werde, wenn auch um einen bescheidenen Preis". Die Abrechnung von Ferdinand wird Leibl unterschreiben; er hofft daß am 1.7. alles glatt und gültig abgewickelt wird. Wegen des Buchführens gibt er Jean recht: "Aber können muß mans. Ich weiß gar nicht, was ich habe und verlasse mich auf den Nacher": Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 52
Altsignatur : 52



04. August 1882
Speicher: Jean schreibt über seine angegriffene Gesundheit. Möglicherweise wird Boecker Leibl besuchen und allerhand "Schauermähren" über die Entstehung seiner Krankheit auftischen. Schider war in Nürnberg und dann in Prell. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 53
Altsignatur : 53



09. August 1882
Aibling: Leibl freut sich über Jeans und Ferdinands Wiederherstellung. Er selbst ist in Wien bei Verteilung der Medaillen leer ausgegangen. Zudem hat er für das Bild von einem Pariser Kunsthändler ein so niedriges Angebot erhalten, daß er dadurch gänzlich entmutigt werden könnte. "Danach scheint es, als ob meine Bilder seit meinem letzten und besten eher im Preise gefallen als gestiegen seien". "Ein Pflaster auf diese bitteren Nachrichten" war ein Brief aus Paris, "welcher von einigen der berühmtesten Künstler unterzeichnet war und in welchem ich auf die schmeichelhafteste Weise zur Beschickung einer im nächsten Jahr stattfindenden wirklichen Eliteausstellung eingeladen bin. Diese wird im Ganzen von nur 12 Malern beschick werden, welche aus den hervorragen(d)sten Künstlern aller Länder ausgewählt werden. Leider kann ich von einem neuen Bilde noch nicht viel melden. Doch hoffe ich, wenn ich wieder ganz ruhig bin, ein solches, und zwar sehr origenell, zu Stande zu bringen werde aber mich niemals wieder verleiten lassen, in Deutschland noch einmal auszustellen". Von der Erbschaft hörte er nichts mehr Leibl wünscht Befestigung der Gesundheit. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 54
Altsignatur : 54



11. August 1882
Speicher: Jean rät, daß Leibl dem französischen Kunsthändler nicht trauen, sondern besser bis zum Anfang der Elite-Ausstellung warten soll. "Eine Reaktion auf die bodenlose Niederträchtigkeit der Makart und Consorten wird nicht ausbleiben, denn dafür hat das Bild zuviel Aufsehen gemacht." Ob Leibl dem Kaiser durch den Grafen Zi vorgestellt worden ist? Verlangen Makart und Anhänger für ihre Sarah Bernhardt, die vom Kaiser entfernt werden mußte, die 1a Medaille? Er an Lenbachs oder Defreggers Stelle würde die Medaille verweigern. Welche Künstler Leibl zur Elite-Ausstellung eingeladen hätten? Er berichtet über seine angegriffene Gesundheit und über die Aufgabe seiner athletischen Übungen. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 55
Altsignatur : 55



29. November 1882
Speicher: Jean hat wieder die alte Gesundheit und Kraft; seine geburtshilfliche Praxis, die er "mit besonderer Lust und regem Interesse" betreibt zwingt ihn zu den weitesten Märschen. Die Erbauseinandersetzungen hätte jeder fremde Jurist "längst und viel billiger" besorgt. Deswegen sollen Nettchen und Leibl ihn dringend aufsuchen. Im übrigen wäre es gar zu traurig, daß man sich so wenig sähe. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 56
Altsignatur : 56



26. Dezember 1882
Speicher: Jean erfuhr von Nettchen, daß man in Stuttgart eines seiner Porträts als "gemalte Schwindsucht" (Conrad Möller?) bezeichnet hätte; er hat sich darüber köstlich amüsiert. Im übrigen wollte Leibl in Deutschland doch nicht mehr ausstellen. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 57
Altsignatur : 57



03. Januar 1883
Aibling: Neben Neujahrswünschen drückt Leibl seine Freude aus, daß die Spielhenne Jean geschmeckt hat. "Hier koche ich mir manchmal in Gesellschaft einiger Spießgesellen Spielhasen, welche ungemein kräftig schmecken". An der Verzögerung der Erbschaftsregelung soll Carl schuld sein: "Da wird wohl noch eine gehörige Sauferei herauskommen". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 58
Altsignatur : 58



22. Januar 1883
Speicher: Jean fragt, wann Leibl das Bild "mit seinen Spießgesellen" fertig hat und ob er es selbst nach Paris bringt. Er schickt ihm Aufsätze zu, die er aus Langeweile geschrieben hat. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 59
Altsignatur : 59



05. Februar 1883
Speicher: Jean hat sich in Saarbrücken nur ein wenig über die Vermögensaffären und über den kleinen Ferdinand erkundigt. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 60
Altsignatur : 60



27. März 1883
Aibling: Leibl fragt, warum Jean nicht gekommen ist, wie es mit dessen neuer Stelle steht und warum man von der Erbangelegenheit nichts hört. Sein Bild schickt er fort: Hätte ich das Luder nur schon verkauft". Außer dem großen Bild malt er für Schön in Worms ein kleines. Wenn Jean ihn besucht hätte, hätten sie einen Ausflug nach Tirol gemacht: "München wäre doch zu fad gewesen. Wenn ich einmal einen Tag dort sein muß, so bin ich jedesmal froh, wenn ich wieder raus komme". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 61
Altsignatur : 61



31. März 1883
Speicher: Jean hat die andere Stelle nicht bekommen. Der Apotheker des Ortes schadet ihm viel. In Prell hat er ein "nettes Fräulein" kennengelernt, das nach Nettchens Meinung "die richtige" wäre. Die Saarbrücker Jugend ist für ihn ein verlorenes Paradies. Nach der letzten Niederlage läßt er sich dort nicht mehr blicken. Durch seine Unmäßigkeit dürfte er sich dort viel geschadet haben, Leibl ebenso in Wien. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 62
Altsignatur : 62



28. April 1883
Aibling: Leibl hatte als Antwort auf Jeans Brief "eine förmliche Epistel über das Thema des Trinkens aufgesetzt, dieselbe aber, weil zu ernst genommen, wieder vernichtet. Es ist natürlich, daß man den meisten Unsinn durch das übermäßige Saufen begeht, und soll man sich selbstverständlich desselben enthalten". Leibl tut es leid, daß Jean die Stelle nicht bekommen hat. "Ich habe jetzt 2 Bilder in Arbeit. Das eine mußte ich unterbrechen, weil, wie ich schon geschrieben, das Hauptmodell bis diesen Herbst zum Militair hat müssen. Mein Requiriren hat nichts geholfen. Augenblicklich sind 2 Bilder von mir in Paris und werden vom 5. Mai an ausgestellt. Von einem der Comitemitglieder dieser Elite-Ausstellung, einem sehr berühmten ausgezeichneten Maler, erhielt ich ein Beglückwünschungsschreiben dieser zwei "admirables oeuvres". Vielleicht habe ich in Paris mehr Glück und bringe endlich einmal wieder etwas los. Könnte es sehr brauchen. Einstweilen freue ich mich, daß ich in Deutschland nicht mehr so berühmt bin. Du kannst mir glauben, daß das einen bei den ausländischen Kunstmäcenen in Mißkredit bringt". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 63
Altsignatur : 63



21. Mai 1883
Speicher: Jean hat sich am 18. mit Nettchen, Lulu und Frl. Gretchen Hilf, Nettchens intimer Freundin, in Cochem getroffen. Auf den Rat seiner Schwester hat er am 19. um deren Hand gebeten. Über den Verkauf von Bildern an einen Berliner für 100 000 Frcs. und an Schön in Worms für 40 000 Mark äußert sich Jean. Er erläutert seine Knappschaftsarztstellung. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 64
Altsignatur : 64



22. Mai 1883
Speicher: Jean gibt Leibl zu erwägen, daß, wenn er wirklich sein Bild für 100 000 Frcs. verkauft hat, er dann von den Zinsen dieses Geldes leben sollte. Auf neue Ränke des Apothekers hin ist Jean Knappschaftsarzt bei den Quinter Eisenwerken mit vermehrtem Einkommen geworden. "Kommst Du denn nicht einmal nach Paris, wo so großer Radau wegen Deiner Bilder sein soll". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 65
Altsignatur : 65



06. Juni 1883
Speicher: Jean eröffnet Leibl, daß dieser über die Verlobung Nettchen nichts hätte schreiben sollen. Die Stellung des künftigen Schwiegervaters wird erläutert. Über den demnächstigen Hausstand und gegen den Apotheker läßt er sich aus. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 66
Altsignatur : 66



16. August 1883
Aibling: Leibl bedankt sich bei Jean für den übersandten Käse. Da sein Hauptmodell im kommenden Monat von den Soldaten zurückkommt und Leibl an seinem Bild erst recht dann anfangen und Versäumtes nachholen kann, möge Jean ihm das Ausbleiben bei seiner Hochzeit nicht verübeln. Er verspricht einen späteren Besuch. Gedon hat sein Bild gegen seinen Willen ausgestellt. Das hat Leibl zwar aufgebracht: "Da der arme Kerl aber in kurzem dem Tode verfallen ist, weil er Zungenkrebs hat, so wollte ich ihn nicht ärgern und ließ das Bild in der Ausstellung". Die Freundschaft mit Schön hat schon lange ein Ende: "Ich weiß nicht, was er hat gegen mich". "Überhaupt besteht gar keine Nachfrage mehr nach meinen Bildern". Mit Schider hat Leibl sich ein paar Tage "köstlich unterhalten". Für Ferdinand hat er wieder etwas unterschreiben müssen: "Wann wird die Sache wohl endlich einmal gar?" Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 67
Altsignatur : 67



09. September 1883
Speicher: Jean bedankt sich bei Leibl für den geschenkten Krug "von wirklich vornehmer Pracht". Leibl soll Skat lernen, der viel interessanter ist als Tarok. Nettchen schrieb über den Dudeldorfer Amtsrichter Knopp. In der kommenden Woche wird Jean heiraten. Die Erbschaftsangelegenheiten werden erörtert. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 68
Altsignatur : 68



05. Oktober 1883
Aibling: Leibl kann "so geschwind" nicht zu Jean kommen: "Ich muß noch mie arbeide. In der That schanze ich jetzt wie verrückt, weil ich den Hallunken einmal ein anderes Bildchen zeigen will". Sobald Leibl kann, will er der Küche von Jeans Frau alle Ehre antun und freut sich schon jetzt auf die saftigen Braten und sonstigen Kostbarkeiten. Jean möge eine Photographie seiner Frau schicken. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 69
Altsignatur : 69



06. Oktober 1883
Speicher: Jean berichtet über die ersten 3 Wochen seiner jungen Ehe. Er hat einen Zeitungsartikel über den Besuch von Speidel u. Co. bei Leibl gelesen; dessen Oberkörper wird darin mit einem Eber verglichen. Förster Blans ist zur Saujagd gern bereit und freut sich auf einen wirklichen Jäger.


Enthält : Beischrift der Ehefrau Grete: Sie lädt Leibl zu Besuch ein und berichtet über ihren Mann Jean. Unterschrift. 3 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 70
Altsignatur : 70



16. Oktober 1883
Aibling: Leibl freut sich "riesig" daß Jean ein "so guter Ehekrüppel" ist. Wenn er kann, wird er kommen. Jean möge den Förster fragen, ob dessen Sauen mit der Kugel geschossen werden. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 71
Altsignatur : 71



21. Oktober 1883
Speicher: Jean lädt Leibl abermals ein und will über den Besuch in der Verwandtschaft nichts verlauten lassen. Er erzählt über das Verhalten der Sauen bei der Jagd. Unterschrift mit dem Vornamen


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 72
Altsignatur : 72



06. November 1883
Speicher: Jean fordert Leibl unter Schilderung der guten Küche seiner Frau und unter Versprechen einer Treibjagd auf Sauen abermals zu Besuch auf. Leibl soll über den Stand der Arbeiten an seinem augenblicklichen Bild berichten. Ihre Vermögensauseinandersetzung scheitert an Karl, dem ihre Mutter zu sehr vertraut hat. Er könnte wohl auch noch in Düren, wohin er wahrscheinlich durch August Busch - Berlin vermittelt worden ist, fertig werden, "wenn er vernünftig und leutselig wäre". Bei Jeans Hochzeit hatte Karl fortwährend über Kantsche Philosophie gesprochen, und Napoleon I., der von ihm früher hochgehalten worden ist, wird jetzt von ihm als schändlicher Verbrecher bezeichnet. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 73
Altsignatur : 73



04. Dezember 1883
Speicher: Jean berichtet, daß die Arztstelle eingeht, weil "sich kein anständiger Mann mehr hier halten kann". Ob in Aibling oder in der Umgebung etwas zu machen wäre. Er ist "nämlich das ganze Preußen satt". Leibl soll darüber mit Schlißleder und Patmaur sprechen. "Ich kann die besten Zeugnisse beibringen und habe viele glänzende Kuren gemacht". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 74
Altsignatur : 74



16. Dezember 1883
Aibling: Leibl bezweifelt gegenüber Jean, daß es für Ärzte aus Norddeutschland in Bayern besser ist. In Aibling ist neben den 2 Ärzten für einen dritten wohl kein Platz. Leibl will zwar an Schlißleder schreiben, doch hält er für Jean eine kleine Stadt am Rhein oder in Westfalen für das Richtige: "In Bayern ist man gegen alles, was aus Norddeutschland kommt, sehr argwöhnisch". Jean soll in Speicher abwarten, "bis etwas Passendes in unserer Heimath frei wird''; dann aber soll er alles Grobe und Exzentrische meiden: "Ich halte das, wie ich immer gesagt habe, für einen Arzt einmal absolut für nothwendig; sonst kommt man nirgendwo aus". "Ich werde wohl sehr lange auch nicht mehr in Aibling bleiben. Ich habe das Bedürfniß, einmal wieder in einer großen Stadt zu sein; doch weiß ich noch nicht wohin ich übersiedeln werde". "Mit meinem Bilde geht es langsam voran. Ich habe den von mir in letzter Zeit eingeschlagenen Weg vollständig verlassen und male jetzt ganz anders und hoffentlich kräftiger und gesunder". "Mit der Nachfrage nach meinen Bildern sieht's schlecht aus. Es scheint niemand mehr etwas von mir zu wollen. Ich habe es mit den Kunstjuden verdorben". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 75
Altsignatur : 75



22. Dezember 1883
Speicher: Jean gratuliert Leibl zu dem rühmlichen Schreiben des berühmten Hercomer. Er erzählt über seine gespannte Stellung, die besonders durch den Apotheker verursacht worden ist. In Pamphleten von anonymen Verfassern wird er nach dem Lied von Doktor Eisenbart persifliert. Die besten, anständigsten und einflußreichsten Leute hat er allerdings auf seiner Seite. Leibl soll Schlißleder für die freundliche Aufklärung über den Stand der Ärzte bei der dortigen Landbevölkerung danken. Im 'Limburger Anzeiger' war die Rede von einem Münchener Athleten Phil. Brambach. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 76
Altsignatur : 76



06. Januar 1884
Aibling: Leibl berichtet Jean, daß Gedon nach "rasenden Schmerzen" gestorben ist. Jean soll die Schmähschrift übersehen: "gerade wie ich alle Kritiken und dergleichen Zeug womöglich gar nicht lese". Über die Gebrüder Brambach erinnert sich Leibl, daß sie an Stegerers Zeiten in Giesing oder Perlach einmal durchgeprügelt worden sind, weil sie mit falschen Gewichtssteinen manipulierten: "Laß übrigens die Kraftgedanken fahren". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 77
Altsignatur : 77



16. Februar 1884
Aibling: Wegen der Erbschaft tritt Leibl bei Jean für gütliche Vereinbarung ein, um Skandal und Öffentlichkeit zu vermeiden. Demnächst will Leibl einen feinen Tabak schicken. Er bittet um ein Fäßchen "ächten, leichten, reinen" Moselwein. In einer Londoner Zeitung stand ein gelungener Artikel über ihn. Schön schickt im Frühjahr sein Bild dorthin. In Paris kann er im laufenden Jahr nichts ausstellen, "hoffentlich aber nächstes Jahr gleich mehrere Bilder, das fleckt besser". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 78
Altsignatur : 78



24. Oktober 1884
Zellingen: Jean fordert Leibl auf, daß er nach Fertigstellung des Bildes kommt. Makart ist an Hirnsyphilis gestorben: "daher auch das 'fieberisch schwärmende Feuer seiner Augen' und die 'viehische Schmiererei'. Seine neue Praxis läuft vortrefflich, er muß sich Pferd und Wagen anschaffen. Wegen der Schlägerei ist er nachträglich beim Schöffengericht in Hillesheim angezeigt worden. Als Nachfolger des verstorbenen, sehr beliebten Dr. Massa spielt sich ein junger Vertretungsarzt Dr. Wegele auf, dessen Vater Professor der Geschichte in Würzburg ist. Gegenüber dessen Manipulationen verhielte er sich still. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 79
Altsignatur : 79



29. Mai 1885
Aibling: Leibl übersendet Jean 2 Pfd. echten Holländer Tabak. Jeans Senf ist so famos, daß Leibl doppelt so viel Rindfleisch wie üblich vertilgt. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 80
Altsignatur : 80



04. August 1885
Aibling: Leibl schickt Jean eine neue Sendung Tabak. Als Gegengabe wäre ihm ein echter, fetter, alter Holländer erwünscht. Nach Leibls Meinung kommen von der Kraftmeierei Rheumatismus "und andere Schweinereien". Beenen geht es so schlecht, daß man ihm nicht helfen kann. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 81
Altsignatur : 81



10. März 1886
Aibling: Leibl weist barsch Jeans Vorwurf, daß man ihn übervorteilen wolle, als "absurde Idee" von sich und begründet, warum er Ferdinand Generalvollmacht erteilt hat. Die ganze Erbschaftsangelegenheit ist ihm "so ekelhaft, daß ich am liebsten gar nichts mehr davon hören möchte und bin zu jedem Opfer bereit". Leibl muß "richtig schanzen, um das Lausbild fertigzubringen, weswegen auch jetzt Sperl da ist. Wenn ich nicht bald fertig damit werde, so ist es mit mir auch Matthäi am letzten". Die Geschwister sollen ja keinen Erbschaftsprozeß anfangen. Leibl überlegt sich, zugunsten Nettchens auf seinen Anteil zu verzichten. Doch möge Jean davon Ferdinand und Carl vor Fertigstellung des Bildes nichts erzählen: "sonst kommen sie oder ihre Weiber mir über den Hals und dann adjö Bild". Jean soll seine Redewendungen überlegen. "Ceterum censeo, mäßige dich sonst geht's schief in allem". Leibl freut sich, daß Jeans Sohn gut einschlägt: "Sorge nur, daß kein Lackel draus wird". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 82
Altsignatur : 82



25. April 1886
Aibling: Leibl trägt Jean nichts nach und gibt diesem Recht, daß er sein Geld für Modelle usw. selber nötig hat. "Wenn ich in Frankreich kein Glück habe, so kauft mir in Deutschland niemand was ab, weil die anderen Farbenschmierer das Heft trotz alledem in der Hand haben und mir mit allen Mitteln den Hals umdrehen möchten". "Das Bild ist bald fertig, doch muß ich noch eine Zeitlang unausgesetzt und ungestört malen und die Zeit, wo es noch nicht so heiß ist, benützen. Es ist ein wahres Glück, daß Sperl hier ist, wodurch ich sehr angeeifert werde und seinem Beispiel folge und äußerst wenig Bier trinke. Da ich jetzt total anders male wie früher, nämlich lebensgroß und mit breiten Pinseln, so habe ich oft das Urtheil über meine eigene Arbeit nicht mehr, und ist mir die ungeschminkte Meinung eines wahren Freundes und wirklichen Kenners, der frisch herzukommt, unschätzbar. So habe ich auch in der kurzen Zeit, wo Sperl hier ist, über 3/4 meines Bildes fertig gemalt und nicht mehr weggewaschen. Wenn Sperl Recht hat, so ist mein jetziges Bild hundertmal besser und stärker wie alles, was ich bisheran gemacht". Leibl dankt für den köstlichen Käse und freut sich, daß Jeans Junge ein "ächter Teutscher" wird. Jean soll sorgen, daß bei dem Besuch Ferdinands und Carls alles friedlich abläuft: "halte letztere vom Trinken nötigenfalls mit Gewalt ab". Leibl hat von Ferdinand 2080 M erhalten. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 83
Altsignatur : 83



02. Mai 1887
Aibling: Leibl hat mit dem Schreiben an Jean so lange gewartet, um diesem Photographien seines Bildes schicken zu können. "Wie mir scheint, kann ich's nicht oder nur so billig verkaufen, daß ich kaum auf meine Kosten komme. Es ist halt eine schlechte Zeit. Augenblicklich ist das Bild in Paris, wo am 7. Mai die Ausstellung beginnt und außer mir noch ein guter deutscher Maler eingeladen und vertreten ist. Dann kann der Tanz losgehen". Ferdinand schrieb, daß nächstens zwischen Jean und Leibl etwas geteilt werden soll. Leibl hat die Kraftmeierei aufgesteckt; man blamiert sich, "die stärksten Kerle jetzt wie Pilze aus dem Boden wachsen". Leibl berichtet von Kraftstücken in Aibling, München, Saarbrücken und Wien; letzteres hat ihm Schider erzählt und erschien ihm "als ein wenig starker Tubak". Grüße von Sperl. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 84
Altsignatur : 84



24. Juli 1887
Aibling: Leibl berichtet Jean über einen "bärenhaft gesunden Kerl" und guten Freund, der sich nichts daraus machte, als Leibl ihm einen losen Zahn "mit den Fingern herauspflückte" Zu einem Besuch ist es noch nicht der rechte Zeitpunkt. "Mein Bild ist schon lange von Paris wieder da. Ich habe fast nichts darüber gelesen. Wahrscheinlich haben mich dort andere tüchtigere Kerle untergekriegt. Oder wird diese Art Malerei vielleicht später besser gewürdigt. Ich versuche jetzt das Äußerste, um mit einem neuen Bilde festeren Fuß zu fassen. Dasselbe ist schon sehr weit". "Auch knüpfe ich jetzt mit Cöln wieder Verbindungen an. Einen Cölner male ich jetzt. Er war einige Zeit hier und kommt nächstens wieder. Seinen Vater habe ich früher gemalt, den alten Pallenberg. Der jüngere hat eine Fabrik und steht mit den reichsten Leuten in Verbindung und hält große Stücke auf mich. Letzthin sendete er mir einen köstlichen Holländer Käse, welcher oben mit Versen verziert war, und echten Düssel-Senft und Rheinwein nebst Mallumpen, welchen von einer Cölnerin eine humoristische Widmung von echtem Kölsch beigefügt war". Das "Velocipedfahren" wäre nichts für Jean, er wäre dafür zu schwer und könnte doch oft nicht fahren, "wie es mir auch passiert". "Die Kraftmeierei ist doch nichts wie Unsinn". Von den 4 Wildschützen ist der alte mit dem weißen Bart am Vortage gestorben. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 85
Altsignatur : 85



07. Januar 1888
Köln: Leibl an Jean: "Portz (!) ist wie früher auch jetzt noch ein ganz kleines armseliges Nest, wo Du doch wohl nicht am Ende hinwillst? Leibls Bild hat in Köln nicht gefallen, "weil es zu wüste Kerle wären". Leibl muß bald mit neuen Sachen an die Öffentlichkeit treten. Mit Pallenbergs Porträt ist er bald fertig. Dann will er ohne Verzug nach Aibling zurückkehren, um das angefangene Bild zu vollenden: "Ihr werdet die Nothwendigkeit einer beschleunigten Rückkehr nach Aibling wohl einsehen und mir nicht übelnehmen, daß ich an Euch vorbeifahre. Im Herbst komme ich gewiß. Ich bin so jetzt nicht besonders aufgelegt, da ich gar nichts mehr verkaufe und doch besser male als alle die anderen". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 1/2 Halbseiten, eigenhändig auf persönl. Kopfbogen von Pallenberg.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 86
Altsignatur : 86



28. Mai 1889
Zellingen: Jean gibt Leibl ärztliche Ratschläge gegen den Hundebiß und gegen Krampfadern; er warnt ihn vor opulenten Mahlzeiten "namentlich vor dem in Kufstein frequentirten Pokal starken Süßweins" und gibt Ratschläge für eine Diät. Ferner dankt er für die Patenzusage. Er wünscht Schiders einen Sohn. Die medaille d'honneur hält er für sicher. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 87
Altsignatur : 87



Juli 1889
Aibling: Leibl kann zu Jean nicht kommen, da er die Jahreszeit ausnutzen muß, um im Freien zu malen: "Sonst kann man jetzt nicht mehr mitkonkurriren". Sollte er etwas verkaufen, wird er auf einige Tage kommen. "Das (!) man in Paris eine so hohe Meinung von mir hatte, habe ich nur gehört; ich selber glaube nicht recht daran. Übrigens sind dort nur ältere Bilder von mir, und gibt es dort auch verschiedene Kunstströmungen. Hoffentlich geht es Dir und mir bald besser in pekuniärer Beziehung". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 88
Altsignatur : 88



04. Juli 1889
Zellingen: Jean gratuliert Leibl zur Erlangung der goldenen Medaille. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : Postkarte, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 89
Altsignatur : 89



08. Juli 1889
Aibling: Leibl dankt Jean für die Gratulation: "es ist zwar die Auszeichnung so groß nicht, wie es klingt, da, wie ich gehört habe, 3 andere deutsche Maler die medaille d'honneur bekommen haben, welche nur wenig vertheilt worden ist, während die goldene, wenn auch mir als einzigem Deutschen, doch an andere Nationen vielfach vertheilt worden ist. Mehr werth wäre es, wenn sich einmal Liebhaber für meine Bilder fänden, da ich doch mit wenig zufrieden wäre". Ein Hundebiß hat ihn 6 Wochen vom Malen abgehalten; bei der Operation der großen Wunde hat Leibl zugesehen "und eine Maß Bier dazu getrunken und eine starke Zigarre geraucht". Die Krampfadern spürt er fast nicht mehr, trägt aber täglich Bandagen. Da er viel Versäumtes nachzuholen hat und in den Sommermonaten viel im Freien malt, kann er frühestens im Winter kommen. An eine Reise nach Paris ist nicht zu denken: "Ich bin froh, daß ich hier noch mein Auskommen habe und will nur hoffen, daß bald etwas gekauft wird". Die Geburt von Schiders Sohn freut ihn. Carl scheint in Berlin, da er Reiten lernt, in Berlin auf großem Fuß zu leben: "Er schrieb mir, daß ich in einer Zeitung als Jude bezeichnet wurde, was mich köstlich amüsiert hat. Die haben eine feine Nase". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 90
Altsignatur : 90



(August 1889)
Leibl an Jean: "Die goldene Medaille schicke ich als Pathengeschenk, welche einen bedeutenden Geldwerth hat. Ich kann nicht wie der reiche Bruder des Schider Geld schicken, weil ich ein verdammtes Geschäft habe, das nichts mehr einträgt." Der Kleine soll nur ja kein Maler werden. In Kutterling sind "wirklich viel Raubgesindel und Wildschützen, weil in dem Haus, wo ich wohne, letzthin alles gestohlen worden ist". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 91
Altsignatur : 91



30. März 1892
Aibling: Leibl dankt Jean für die Photographie von Jeans Frau. "Ich bin jetzt über Hals und Kopf am Malen, damit ich mein Bild noch für die Ausstellung fertig bringe. Dasselbe wird hoffentlich gut, und zahlt einmal einer vielleicht wieder etwas mehr dafür, als ich für meine letzten Sachen bekommen habe, sonst ist nicht der Mühe werth, daß man sich so plagt". Es tut Leibl leid, daß er die "Tant Merl" vor ihrem Tod nicht mehr gesehen hat. Die Erbschaftsangelegenheit soll nach Nettchens Bericht nun "energisch angepackt werden". Leibl freut sich über das Gedeihen des kleinen Wilhelm und wünscht Jean eine tüchtige Praxis. Sperl läßt grüßen. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 92
Altsignatur : 92



19. April 1892
Zellingen: Jean bedauert den Tod der Tante Merl. Zur Regelung der Vermögensauseinandersetzungen mit den Geschwistern bittet er Leibl dringend zu sich. Gruß an Sperl. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 4 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 93
Altsignatur : 93



02. Oktober 1892
Zellingen: Jean befürwortet Leibls Absicht, ganz ins Gebirge zu ziehen, und berichtet über seine Berufssituation und eine überstandene Krankheit. Von den Geschwistern hat er wegen der Vermögensangelegenheiten nichts gehört. Gruß an Sperl. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig; Nachschrift der Schwägerin Gretchen mit Grüßen.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 94
Altsignatur : 94



29. November 1892
Aibling: Leibl bedauert, daß Jean noch nicht wiederhergestellt ist. Er selbst ist auch nicht ganz gesund. Nebel oder drohenden Regen oder Schnee spürt er beim Atemholen und hat "beständig einen Husten (Kölsch)", wie ihn die Mutter zuletzt hatte. "Arbeiten thue ich jetzt fleißiger wie je und habe ein großes Stück von einem neuen Bild schon fertig. Wenn mir das andere auf dem Bild auch so glückt, so wird dasselbe eines meiner allerbesten und jedenfalls das Originellste". Ferdinand und Carl schweigen wegen der Erbschaft und wollen offenbar Leibls Teil für sich behalten: "Ich muß nächstens wieder einen sakramentischen Brief loslassen oder durch einen anderen Advokatenspitzbuben einen Schreckschuß abgeben lassen". In dem Bauernhaus will er im Frühjahr malen. Sperl ist anwesend. Von der nächsten Jagdbeute will er etwas schicken. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 95
Altsignatur : 95



08. März 1893
Aibling: Leibl ist durch den letzten Brief recht betrübt; er hofft, daß Jean zu schwarz sieht. Leibl leidet an einem "abscheulichen" Katarrh, der ihm besonders nachts Atembeschwerden bereitet. "Manche Woche habe ich vergeblich an meinem Bild gearbeitet, doch hoffe (ich), wenn keine besondere Störung eintritt, daß ich für die Ausstellung in München noch fertig werde, was für mich von größter Wichtigkeit, ja eine Existenzfrage ist. Denn gar zu gerne möchte man mich zum alten Eisen werfen, damit meine Bilder keinen Werth mehr hätten. Aber vielleicht könnte es doch auch umgekehrt gehen. Wenigstens spanne ich mein bestes Können an, um etwas Wahres zu malen". Sperl wird von häufigem Unwohlsein und Schmerzen im Arm geplagt. "Dazu verkauft er nichts. Sogar zwei wundervolle Landschaften, zu denen ich Figuren gemalt habe, und wozu ihm Hoffnungen gemacht wurden in Frankfurt, scheinen keinen Liebhaber dort finden zu können. Wenn ich daher auf der nächsten Ausstellung in München Glück hätte, so wäre das auch für ihn von guten Folgen. Er ist doch mein einziger und unentbehrlicher Freund". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 96
Altsignatur : 96



25. April (18)93
Zellingen: Gretchen Leibl übersendet als "Zellinger Spezialität" Spargel und hofft, daß Leibls Husten sich empfohlen hat. Jean geht es soweit besser, daß er eine einstündige Fußtour unternehmen konnte. Immerhin plagt ihn seit einem Jahr die Wassersucht. Auf einer Reise nach Limburg hatte sie vor 14 Tagen Felice in Frankfurt besucht und dort 2 Bilder von Leibl gesehen, welche außerordentlich gefielen". Sie erbittet seinen Besuch. Grüße an Sperl. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 4 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 97
Altsignatur : 97



02. Juni 1893
Aibling: Leibl fragt, ob die Erleichterung durch die Operation bei Jean anhält. "Ich bin ausschließlich mit meinem Bilde beschäftigt, woran noch ziemlich viel Arbeit ist. Wenn ich dasselbe noch zur Ausstellung bringe, so wird dies jedenfalls erst geraume Zeit nach der Eröffnung sein. Die Secessionisten haben erst gestern wieder eine Deputation zu mir geschickt, damit ich dort ausstellen soll; allein das geht jetzt nicht mehr, da ich mich bei der Genossenschaft zu sehr engagiert habe. Ich wäre sonst von der Geschworenenlumperei nicht los werden. Aber so habe ich beim Cultusminister einen Stein im Brett. Gegenwärtig habe ich in München eine kleine Serie von Gelegenheitsarbeiten, Skizzen und dergl. ausgestellt, welche bei den Künstlern sehr gefallen hatten namentlich der jüngeren neuen Generation, welche sich wohl allmälig! wieder dem genauen Studium der Natur hingeben wird, wie ich es von jeher getan habe. Auch Sperl kommt jetzt allmählig und verdientermaßen als eminenter Landschafter zur Geltung". Seine Armgeschichte war neuralgischer Art; er ist noch im Arbeiten behindert. Bei Leibl zeigen sich durch das anhaltende Sitzen wieder Krampfadern. In einem Brief von Mathilde stand nichts von Leibls Guthaben; er will sich demnächst in München an einen Advokaten wenden. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 98
Altsignatur : 98



21. Juni 1893
Aibling: Leibl hofft, daß Jeans "Bärennatur" die neue Operation überwindet. Sein Bild hat er noch nicht ganz fertig: "Alle, welche dasselbe sehen, haben die größte Freude daran; auch glaube ich sicher, daß eine Staatsgallerie, mit der ich jetzt in Unterhandlung trete, dasselbe kaufen wird. Allerdings bekomme ich nicht mehr die überspannten Preise wie ehedem, doch bin ich vollkommen zufrieden. Was ich letzthin verkauft habe, waren nur Kleinigkeiten. Es ist jetzt eine schlechte Zeit. Aber trotzdem ist jetzt erst meine eigentliche Zeit gekommen. Am Sonntag war ein Kunstgelehrter da, der ein Buch schreibt. Er will mich besonders behandeln. Derselbe konnte sich von meinem neuen Bild kaum trennen". Carl und Ferdinand wollen Leibl anscheinend "bei lebendigem Leibe beerben": "Wenn Brüder so miteinander verfahren, was ist dann die Welt für eine Raubhöhle. Es ist mir wurst, wenn ich nicht mehr drin bin". Nächstens will er Photographien schicken, damit Jean was zu lachen hat. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 99
Altsignatur : 99



29. Juli 1893
Aibling: Leibl rät Jean zur Geduld wegen der Krankheit. "An meinem Bild habe ich unausgesetzt gearbeitet. Es waren sehr schwierige Stücke dabei, so eine geblümte Jacke und eine Schürze mit Hunderten gleicher Blümchen. Das Bild ist gestern fertig worden. Doch muß dasselbe noch einige Zeit trocknen, damit man es ohne Gefahr firnissen kann. Die Herren von der Commission der Gemäldegallerie, welche ein Bild von mir erwerben will, müssen erst das Bild sehen. Deshalb muß ich hier sein, sonst könnte mir ein großer Schaden erwachsen. Es sollen schon viele Gallerien ihre Ankäufe bereits gemacht haben. Doch hoffe ich, daß die Qualität meines Bildes die Erwartungen, welche man davon hat, übertreffen wird". Leibl überschickt Jean etwas, was er gut brauchen kann. Nach Ferdinands Bericht, soll die Eintreibung eines Kapitals bei einem Branscheidt in Köln sich hinausgezögert haben. Leibl will Ferdinand schreiben, daß er Jeans Teil so rasch wie möglich auszahlen soll. "Ich möchte Dir so gerne helfen, wie ich könnte. Lasse nur den Mut nicht sinken. Es wird doch noch einmal alles recht". Zur Erheiterung übersendet Leibl Photographien. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 100
Altsignatur : 100



14. Oktober 1893
Aibling: Leibl an Jean: "Die Ausstellung geht nun bald zu Ende. Verkauft habe ich nichts. Ich muß jetzt recht arbeiten, damit ich kleinere Sachen fertig bekomme, welche billiger sind. Die sind leichter verkäuflich. Übrigens will ein Bekannter von mir den Verkauf meines Bildes nach der Ausstellung in die Hand nehmen. Hoffentlich gelingt es, wenn auch zu bedeutend billigerem Preise". Wegen dieser Angelegenheiten kann Leibl Jean nicht besuchen. "Nächstens gehe ich in ein einsames Dörfchen namens Kutterling, wo ich ein uraltes Bauernhaus gemietet habe und die Kerle meistens Wildschützen sind, um einmal wieder etwas Urwüchsigeres zu malen". Vor ein paar Tagen hat Leibl einen Hirsch geschossen. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 101
Altsignatur : 101



13. November 1893
Zellingen: Jean wünscht, daß der Verkauf des Bildes für Leibl günstig ausfällt. Die Urwüchsigkeit der Burschen von Kutterling, gegen die selbst der Kirchenbann nichts vermag, lobt er sehr. Seine Gesundheit ist immer noch nicht wiederhergestellt. Die Regelung der elterlichen Vermögensangelegenheiten würde ihm gut helfen, da seine Praxis immer mehr schwindet. Er berichtet über seine Kinder; die älteste Gertrud besucht eine Ausbildungsstätte für Lehrerinnen in Würzburg. An dem Sohn Wilhelm würde Leibl viel Spaß haben. Gruß an Sperl. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 102
Altsignatur : 102



08. Dezember 1893
Aibling: In der Erbschaftsangelegenheit hat Leibl von Ferdinand eine Urkunde erhalten, der er eine notariell beglaubigte Unterschrift hat geben müssen, um sie dann an Nettchen zu schicken. Er freut sich, daß Jean Erleichterung verspürt. Er selbst hatte zunächst einen Bronchialkatarrh mit Schüttelfrost und dann Podagra. "In der Ausstellung hatte ich heuer kein Glück. Der Verkauf eines kleinen Bildes wurde wieder rückgängig gemacht, und mußte ich noch drauf zahlen, wovon Du jedoch niemand etwas zu sagen brauchst. Das größere Bild habe ich jetzt mit ganz bedeutend heruntergesetztem Preis nach Berlin geschickt. Helf, was helfen mag. Ich male jetzt kleine Sachen und recht billig; die gehen eher". Sperl läßt grüßen. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/4 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 103
Altsignatur : 103



09. Februar 1894
Aibling: Nichts konnte Leibl so erfreuen wie die Nachricht von Jeans gesundheitlicher Besserung. Da das Modell seit 3 Wochen krank ist, ist Leibl mit dem Bild weit zurückgeblieben. Der Mann ist nämlich auch Fischer. Wegen der Zeichnung will Leibl sehen. Von der Erbschaft hörte er wieder nichts: "Man möchte sich kaput ärgern über diese Handlungsweise". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 104
Altsignatur : 104



13. März 1894
Zellingen: Jean wünscht Leibl baldige Fertigstellung des Bildes. Wo es ausgestellt wird? In einem Buch über Malerei von Muelher wären Leibl und Courbet als mit die besten Maler bezeichnet; es enthalte beste Informationen über Rousseau, Corot, Millet usw. Ferdinand hätte endlich Geld geschickt; hoffentlich kehrt dadurch Friede und Eintracht in die Familie zurück. Der Gesundheitszustand von Louis ist bedenklich; seine Frau bringt mit ihrem Klavierspiel in Berlin nicht viel herbei. Gruß an Sperl. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 105
Altsignatur : 105



15. März 1894
Aibling: "Mit größter Freude" trat Leibl von Jeans Wiederherstellung gehört; daß nun Louis so schlecht daran ist, tut ihm leid. Leibls Modell liegt immer noch an Gicht darnieder. Er selbst darf seit Monaten nichts arbeiten, da ein Auge fast erblindet war; die Behandlung hat Dr. Öller in München: "Das ist ganz plötzlich gekommen, und hätte mich, glaube ich, gerade so gut der Schlag rühren können". "Es ist wie verhext, nachdem jetzt gerade meine Federzeichnungen anfingen gesucht zu werden". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 106
Altsignatur : 106



16. März 1894
Zellingen: Jean erklärt Leibls Augenkrankheit durch angestrengtes Arbeiten und durch Reflexwirkungen intensiven Lichtes. Da Leibl die Augen schonen muß, soll er zu Besuch kommen. Dr. Öller wird diesen Vorschlag gewiß billigen. Louis geht es wieder gut. Grüße an Sperl. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 107
Altsignatur : 107



21. Mai (18)94
Zellingen: Gretchen Leibl dankt für die Übersendung eines prächtigen Stoffes. Kleider für die "wilden Buben" arbeitet sie aus abgelegten Herrensachen. Sie freut sich über die Besserung von Leibls Augenkrankheit. Jeans Befinden ist augenblicklich zufriedenstellend, doch ist die Wassersucht nicht gebannt. Zum Reisen ist Jean nicht zu bewegen, obwohl die Ärzte Luftveränderung vorschlagen. Weniger war zu Besuch und läßt Leibl grüßen. Sie übersendet Spargel. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 108
Altsignatur : 108



05. Juni 1894
Aibling: Leibl dankt Jean für den Spargel. Er muß wieder öfter zu Dr. Öller, weil sich an dem anderen Auge auch etwas bemerkbar gemacht hat. "Leider bin ich auf meine Arbeit angewiesen, sonst stecket (!) ich dieselbe ganz auf". Kösch hat wegen Rheumatismus in Aibling Bäder genommen und sehr zu Leibls Aufheiterung beigetragen. Weder Nettchen noch Schider erkundigen sich nach Leibls Befinden. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 109
Altsignatur : 109



18. Oktober 1894
Kutterling: Leibl hätte Jean schon lange besucht, wenn er nicht an einem Bilde arbeiten mußte, das zu einer bestimmten Zeit fertig werden muß. Da er seine Augen nicht anstrengen darf, braucht er viel länger Zeit als sonst. Mit dem rechten Auge sieht er ringsum besser, aber in der Mitte liegt ein Nebel; beim Nahesehen ist "hie und da etwas wie verdeckt". Er wünscht Jean endlich Wendung zum Besseren in der Krankheit. Nettchen und Louis waren in Aibling; kürzlich schrieben sie aus Basel. "Ich führe jetzt ein wirkliches Einsiedlerleben. Abends gehe ich zum Wirth in dem benachbarten Dorf und sitze mit demselben auf der Ofenbank und lasse mir alle Abend dasselbe erzählen, Wildschützengeschichten und Spuk, wozu derselbe eine Halbe nach der anderen trinkt. Montags ist allerlei Gesindel besoffenes da, welches blau macht. Aber in meinem Bauernhause ist es gemütlich. Am besten schmeckt mir in der Früh der Kaffee mit köstlichem Rahm und frischer Butter auf Bauernschwarzbrod vom Nachbarn und eine Pfeife Holländertabak. Leider kann ich nicht mehr auf die Jagd gehen, weil ich nicht schießen kann und war doch so guter Kugelschütz. Tempi passati!" Von Aibling aus will er wieder Kleider schicken. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 110
Altsignatur : 110



29. Dezember 1894
Kutterling: Leibl wünscht Jean zum neuen Jahr vor allem Genesung. Sein Besuch wäre fröhlicher gewesen, wenn Jean voller Rüstigkeit gewesen wäre. Sperl ist auch wieder in Kutterling. Die Zeiten sind Künstlern gar nicht günstig. Leibl ißt viel Äpfel und dankt für die übersandten ausgezeichneten Heringe. Erbsensuppe kochen sie selbst aufs Beste. Allmählich schneit das Dorf ein: "Bei Schnee und Eis hat die Landschaft einen wundervollen Charakter, wie man nichts Schöneres sehen kann. Dazu das urwüchsige Leben". Die Holzknechte sind in voller Arbeit. "Abends versammeln sich einige Burschen in meiner Stube, liegen auf der Ofenbank oder sitzen um den Tisch herum, rauchen Tabak, trinken ein Gläschen Gebirgsschnaps und spielen unter sich Karten um ein paar Pfennig oder mit mir Tarok. Bevor sie heimgehen, hängen sie sich noch einigemale an einem Finger auf, hackeln oder treiben sonst ihr Spaßen. Es wäre ganz schön, wenn nicht auch vor mir das drohende unheimliche Gespenst der abnehmenden Sehkraft stünde. Das ist für mich das Ärgste". Nettchen will, wenn bei Louis die Katastrophe einträte, nach München; Leibl bezweifelt, daß das richtig ist. Ferdinand beschwerte sich, daß Jean den Empfang des Erbschaftsanteils nicht bestätigt hätte. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 3 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 111
Altsignatur : 111



23. Januar 1895
Kutterling: Leibl übersendet Jean Photographien nach dem Bild des verstorbenen Vaters und von seinem Wohnhaus mit einigen der Burschen, die abends ihn besuchen. Er hat einen kleinen Ofen angeschafft: "Wenn ich nur wüßte, wie man 2 oder 3 Kartoffelgemüse macht. Das Leiden von Louis tut ihm leid. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 1 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 112
Altsignatur : 112



02. Februar 1895
Zellingen: Gretchen Leibl schreibt, daß Jeans Gesundheitszustand nicht günstig ist. Die Schwäche nimmt zu, und die Beine schmerzen. Der Arzt von Zell kommt täglich. Lulu und die Barmherzigen Schwestern unterstützen sie in der Pflege. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : Postkarte.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 113
Altsignatur : 113


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