Historisches Archiv der Stadt Köln
3 Nachlässe und Sammlungen
3.2 Nachlässe, Partei-, Vereins-, Familienarchive
3.2.12 Buchstabe L
Leibl, Wilhelm
Best. 1176 Leibl, Wilhelm

09. November 1877
Basel: Schider kann mit seiner Frau oft über Leibl reden. Die schöne Zeit in München vergißt er nie "und selbst der übertriebene Künstlerroman 'das Paradies' von Heyse stimmte [ihn] sehnsüchtig". "Nun zu was hätten wir freie Filosofie (!) getrieben, ohne sie anzuwenden. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 1/2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 173
Altsignatur : 173



24. Juni 1878
Basel: Schider teilt die Geburt eines Mädchens mit. Unterschrift.


Enthält : Postkarte, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 174
Altsignatur : 174



07. Juli 1878
Basel: Schider gibt Leibl recht, nicht nach dem "exaltirten Paris" zu gehen, da er ein "so gemütliches Plätzchen" gefunden hat. Er soll dem "Auguren" (Sperl) möglichst viel Bier wegtrinken. Zur Geburtsfeier der kleinen Tochter möge Leibl Photographien seiner Bilder und Zeichnungen schicken. "Mich hat Dein Antheil an meiner Malerei wirklich erquickt". In Basel kümmert sich kein Mensch um seine Malerei, er gilt nur als Schulmeister. Augenblicklich arbeitet er an einem Bild mit einer Bäuerin in Schwarzwäldertracht; er hofft, daß er endlich auch aus der "Maskeradenmalerei" herauskommt. Anfang Oktober geht er bestimmt nach Paris. Grüße an Sperl, Knörper, Haider usw. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : Nachschrift von Nettchen: Sie freut sich über Leibls Wohlbefinden und sein "gemüthliches Plätzchen". Von Würzburg hat sie gute Nachrichten, nur die Mutter beklagt sich über Leibls Schweigen. Er soll dorthin Photographien der Bilder schicken. In 3 Wochen will sie mit der Mutter von Heidelberg aus die Brüder in Saarbrücken und Speicher besuchen. Unterschrift mit dem Vornamen. 3 und 1 Halbseite, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 175
Altsignatur : 175



29. November 1878
Basel: Schider berichtet, wie es ihm in Paris gefallen hat: "Nun im ganzen gut, in einzelnen vortrefflich und in vielen gar nicht. Was mir dort gefiel, ist das Leben an und für sich; ich glaube, man kann dort ganz ungeschoren leben, wie man will, bald wie ein Arbeiter und dann wieder vollauf je nach den Einnahmen. Was mir aber dießmal viel weniger gefallen, das sind die französichen Maler mit ihrer Absichtlichkeit. Mir gefielen die Engländer und manche Spanier viel besser, obwohl ich die vielgerühmten fortunes gar nicht besonders mag mit ihrem Geflitter und Gezitter. Die Deutschen haben eine recht hübsche Gartenlaube eingerichtet, worin eine recht absichtliche Behaglichkeit zutage tritt. Der deutsche Salon erzählt wie eine alte Kindsmagd die alten Geschichten von deutscher Treue und Liebe, innig und sinnig sind die hübschen Farbendrucke nebeneinander gehängt. Die Achenbachs und Knaus sind mit den mannigfaltigsten Färbchen, die die heutige aufweist, bepinselt, und da ist's kein Wunder, wie ich vor Vergnügen laut lachte, wie ich Deine 5 Gescharten in ihrer Ursprünglichkeit vor Augen sah. Ich freute mich von ganzem! Herzen darüber, das Bild war oft mein Ruhepunkt in dem Ausstellungswirbel. Sie hängen sehr gut und haben, was Studium und Wahrheit betrifft, keinen Konkurrenten!... Der Perfall glänzt etwas und der Rahmen ist wirklich Asthma erregend. Er hängt in der Nähe der Lenbachportraits, die nun, einem starken Licht ausgesetzt alle ihre Schwächen zeigen und so versonnen! und versudelt aussehen, mit rother und gelber Sauce, daß Du Deine Freude daran hättest. Die Franzosen machen viele Witze über diesen Flecktyphus. Munkaci, den ich besuchte, sprach viel von Dir und meinte, Du solltest doch nach Paris kommen, Du könntest bald ein Krösus werden. Er war sehr großmüthig, malt mit einer ungeheuren Palette 3 Bilder zugleich. Ich glaube, Du könntest einmal hinreisen und dann wieder in Dein Dorf zurück, denn Du hättest ein solches Bild doch nie in Paris gemalt". Wenn Leibl über Würzburg reist, soll er über Basel kommen und die Holbeins berichtigen. Er schickt eine Photographie seiner Tochter. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 4 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 176
Altsignatur : 176



28. Oktober 1882
Basel: Schider hat Mitgefühl mit Leibl und seinen "ekligen Geschichten"; doch wäre Leibl der Mann, "diese Mückenstiche auszuhalten". "Mir geht's in Basel viel besser. Jeder Schüler, der nach München, Paris, Stuttgart, Karlsruhe hineingeschmeckt hat, kommt nach einem Jahr hochnasig und tollköpfig von diesen Kunst- und kunstgewerblichen Brutanstalten zurück, schwärmt für Pyloti, Bonat, Liegenmeier und Keller und geht mit stiller Verachtung den Hut auf dem Kopfe an mir vorüber, erzählt seinen Freunden und Bekannten von den Wundern, die er gesehen, und die ganze Schule ist in Aufregung. Ist es schon höchst undankbar, ein ehrlicher Maler zu sein, so ist diese Eigenschaft bei einem Lehrer doppelt unangenehm". Mit seinen anatomischen Zeichnungen hatte er viel Verdruß. Ein berühmter Anatomieprofessor in Leipzig, der in Basel geboren ist, brachte die minutiös mit der Feder ausgeführten Zeichnungen in eine xylographische Anstalt, wo sie nach dem Muster eines Lehrbuches für Studenten "niedergebügelt" wurden. In seinem Grimm flüchtete Schider in den Leichenkeller und malte "den nächstbesten, einen schwindsüchtigen, rippenzerschlagenen und secirten Unglücklichen". Dort fühlte er sich "trotz des faulenden, modernden Leichengeruchs wohler als in dem ewigen Schuldunst". Da er Leibls Vorliebe für Kadaver kennt, schickt er diesem eine Photographie seines "Tusculum". Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 4 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 177
Altsignatur : 177



05. November 1882
Basel: Schider freut sich, das Leibl sein neues Bild "beisammen hat und begrüßt die 4 Gebirgler schon im voraus. In den gegenwärtigen Baseler Messetagen freut er sich "an den bayerischen Gestalten und deren duseliger Sprache. Sind sie auch etwas versumpft und verschwommen, so stekt (!) doch mehr Gemüth und weniger Intrigue und Gewinnsucht dahinter als bei den berechnenden Schweizern. Dafür sind diese solider und zuverläßlicher". Auf einer Fahrt nach Nürnberg hatte er neulich das Vergnügen einen echten bayerischen Schaffner schimpfen zu hören. Schider hat sich an einen 'Verlorenen Sohn' gemacht: statt des alten Mannes will er die Leiche eines jungen und kräftigen malen; im dunklen Hintergrund steht seine alte Mutter. Darüber werden die Kritiker Geschichten erfinden. Im Sommer will er das Bild im Leichenkeller der Universität vollenden; diese Umgebung stört ihn nicht, da er "Humanist" ist. Grüße an Sperl und Knörper. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 4 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 178
Altsignatur : 178



13. September 1883
Basel: Schider erinnert sich gern der gemeinsam verbrachten gemütlichen Tage und beschreibt, wie er einen Zahnarzt bei der Anfertigung eines Gebisses gemalt hat. Nettchen schrieb ihm von Leibls Bereitschaft, für einen männlichen Nachkommen die Patenschaft zu übernehmen. Er fragt, ob er und Sperl das neue Atelier bezogen haben, und spricht von Jeans bevorstehender Hochzeit. "In Zell war wieder permanentes Pokulieren mit Musikbegleitung". Felice spielt freilich ausgezeichnet. Grüße an Sperl und Knörper. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 4 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 179
Altsignatur : 179



14. Mai 1886
Aibling: Leibl will sich Schiders Vorschlag über die Fußtour durch Tirol überlegen. Immerhin soll die Cholera aus Italien schon Südtirol erreicht haben. Was soll Leibl tun, während Schider Aquarelle malt? Ferner ist gerade Zeit für Hühnerjagd. Leibl war "unter der Fuchtel Sperls" fleißig. Dieser lobt sein Bild über den Schattenkönig; daran hat er nur noch 2 Hände und das Knie zu malen: "Das sind aber schwere Stücke". "Wenn es nur Sperl mit dem Verkauf besser ginge; dann wäre er immer hier und es fleckte bedeutend mit meiner Malerei". Neben seinem Atelier läßt er eine Hütte für Sperl bauen. Der Bruder des Adressaten Rudolf besucht Sperl häufiger. Unterschrift mit dem Vornamen.


Enthält : 2 Halbseiten, eigenhändig.
Bestellsignatur : Best. 1176 (Leibl, Wilhelm), A 180
Altsignatur : 180


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