Historisches Archiv der Stadt Köln
3 Nachlässe und Sammlungen
3.2 Nachlässe, Partei-, Vereins-, Familienarchive
3.2.18 Buchstabe R
Raitz von Frentz (Familie)
Best. 1037 Raitz von Frentz (Familie)


Kasten 3


Bestellsignatur : Best. 1037 (Raitz von Frentz (Familie)), A 3/14


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1739 August 20



Beschreibung : Köln im Brauweiler Hof Der verstorbene Johann Raitz v. Frentz zu Schlenderhan, der Domstifte Speyer, Münster und Lüttich Domprobst bzw. Kapitular, auch fürstlich jülich-bergischer Geheimer Rat und Kanzler, hatte in seinem am 20. Juli 1640 errichteten Testament Exekutoren bestimmt, die mit einem Inspektor und einem Advokaten die zugunsten der Familie gestiftete Fundation zustandebringen sollten, nämlich durch rentbare Anlage der nach Abzug der frommen Legate verbleibenden Barschaften, wie das Inventar und der am 1. Febr. 1655 ausgefertigte Rezeß dies im einzelnen ausweisen. Durch das am 31. Juli 1640 verfertigte Kodizill wurde sodann angeordnet, daß zum besseren Unterhalt des Stammhauses Schlenderhan jedes Jahr den Besitzern vom Rentmeister 210 Reichstl. auszuzahlen seien, und zwar für den Burggrafen, den Pförtner und den Kuhhirten je 20 Rtl., für Materialien zum Hausbau 60 Rtl., zur Verbesserung und Vermehrung der Weiher, Gräben und Hecken 40 Rtl. und zur Einfriedung 50 Rtl. Ferner wurden 6000 Rtl. vermacht, um das Stammhaus neu zu erbauen. Die jährlichen Einkünfte aus der rentbar angelegten Hinterlassenschaft sollten zudem vorrangig den jungen Herren der Familie zu Erziehung und Studium zugutekommen, wofür eine Summe von 8000 Rtl. angelegt wurde. Auch sollten zum Hause Schlenderhan Erbgüter hinzugekauft werden. Diese Auslagen können, wie eine beigefügte Aufstellung ausweist, nicht alle bestritten werden ohne Schmälerung der Fundation, zumal den Freiherren v. Frentz mehrfach Kapitalien vorgestreckt wurden und sie den Stommeler Hof in Köln selbst bewohnten, so daß dieser keine Einkünfte erbrachte. Um die Fundation nicht gänzlich zugrunde zu richten, wurde es notwendig, die Ausgaben an die Bediensteten und die 6000 Rtl. wie die 8000 Rtl. außer Acht zu lassen. Der jetzige Besitzer des Hauses Schlenderhan Franz Winand Frh. v. Frentz, Amtmann zu Bergheim, machte geltend, die seinem Hause vorgeschossenen Kapitalien seien nicht nur gegen die Nutzung des genannten Stommeler Hofes zu verrechnen und dadurch als getilgt zu betrachten, seinem Hause müsse vielmehr noch eine große Summe zugutekommen, da die besagten 8000 Rtl. inzwischen einen Wert von 50414 Rtl. darstellten. Der derzeitige Inspektor hingegen will eine solche Reduktionsrechnung nicht annehmen; das Haus Schlenderhan habe laut beigefügter Gegenrechnung mehr als das ihm Zustehende erhalten. Auch haben Exekutoren und Inspektoren in erster Linie darauf zu achten, daß der Wille des Stifters in dessen Sinn, wie dieser aus dem Testament klar hervorgeht, erfüllt wird. Zudem bestand ein Anrecht an den 6000 Rtl., die zur Erbauung eines neuen Hauses aufgewandt werden konnten, erst von Baubeginn an; der Neubau erfolgt aber erst in jüngeren Jahren, während bereits viele Jahre zuvor 4000 Rtl. zu genanntem Zweck angefordert und ausgezahlt wurden. Weiterhin hatte das Haus Schlenderhan von den 8000 Rtl., die ihm durch erwähntes Kodizill zugelegt worden waren, lediglich die Erträge zu beanspruchen; diese jedoch waren, wie aus der erstgenannten Aufstellung ersichtlich, vom Beginn der Fundation an bis heute nicht so hoch, daß Auszahlungen in besagter Höhe ohne Ruinierung der Stiftungssubstanz möglich geworden wären. Um aus den pro und contra angeführten Argumentationen, den vorgelegten Aufstellungen, Schriften und Repliken keine mißlichen und kostspieligen Prozesse entstehen zu lassen und die auf das Beste des Hauses Schlenderhan abzielende Fundation in gutem Stand zu halten, sind die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Exekutoren und Inspektoren einerseits und genanntem Freiherrn v. Frentz andererseits nunmehr, wie folgt, verglichen worden.: Als Grundstock der Fundation sollen die zur Zeit angelegten Kapitalien, Obligationen und Rentverschreibungen, wie sie in einer diesem Vergleich angefügten Spezifikation aufgeführt sind, unangetastet bleiben und alle Rückstände, Zinsen wie Barschaften allein der Fundation zustehen. Die Rentverschreibung und Forderung an die Kellnerei Bergheim allerdings soll dem mehrgenannten Freiherrn v. Frentz erblich gehören. Daneben wird ihm die Rückzahlung aller Kapitalien erlassen, die er und seine verstorbenen Voreltern aus der Fundation erhielten und die in einer Anlage spezifiziert sind. Auch gehen die aus Fundationsmitteln angekauften Büsche in sein Eigentum über. Dafür werden alle Ansprüche und Forderungen annulliert, die Freiherr v. Frentz laut Reduktionsrechnung erhoben hatte. Weil die zum Bau eines neuen Hauses bestimmten 6000 Rtl. längst ausgezahlt und nur noch die dem Wohle des Hauses Schlenderhan gewidmeten 8000 Rtl. zu berücksichtigen sind, ist vereinbart worden, zuerst den Grundstock der Fundation aus den jährlich eigehenden Einkünften bis auf 32000 Rtl. anwachsen zu lassen und dann aus den jährlichen Überschüssen so viel zu ersparen, daß die 8000 Rtl. rentbar angelegt werden können. Zinsen können bis dahin nicht beansprucht werden. nach Anlage besagter 8000 Rtl. soll ein weiteres Anwachsen der Fundationsmittel nicht zu neuen Ansprüchen des Freiherrn v. Frentz berechtigen. Von vorstehendem Vergleich, der durch Handschalg bekräftigt wurde, werden drei Ausfertigungen zu Papier gebracht, unter-schrieben und besiegelt, von denen eine mit dem zugehörigen Schriftwechsel in die Archivkiste übernommen wird. Es unterschreiben Arnold Wolfgang Frh. v. Frentz zu Schlenderhan als Exekutor, Franz Winand Hieronymus Frh. v. Frentz als Inhaber des Hauses Schlenderhan, Mattias Grein, Abt zu Brauweiler, als Inspektor, Bruder Thomas Schmitz, Profeß zu Brauweiler, als Zeuge, Goswin Nikolaus Withian von Aachen als Advokat des Hauses Schlenderhan sowie H. Sandt anstelle des Advokaten der Fundation.


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