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Dienstag, 31. August 2021 - 14:29

September: Erntedank im Zugriff der Obrigkeit

Die Gleichschaltung der Bauern im „Reichsnährstand“ und ihre Einbindung in die „Erzeugungsschlacht“ (vgl. Monatsarchivale August) kombinierte das NS-Regime mit der propagandistischen Vereinnahmung des Erntedankfestes, dessen Wurzeln bis in vorchristliche Zeit zurückreichen. 1934 erhob man den auf den ersten Sonntag nach Michaelis (29. September) festgelegten Erntedank zum gesetzlichen Feiertag, an dem bäuerliche Arbeit im Rahmen der „Blut und Boden“- Ideologie gewürdigt wurde. Das zentrale Reichserntedankfest fand als Massenveranstaltung von 1933 bis 1937 auf dem Bückeberg bei Hameln statt, bevor es 1938 aufgrund der Sudetenkrise und danach kriegsbedingt ausfiel.

In der Vormoderne hatte die Sorge der Obrigkeit (zumal jener der geistlichen Staaten) um gute Ernten fraglos ehrenhaftere, aber letztlich auch nicht völlig uneigennützige Motive: Missernten konnten die wirtschaftliche Machtposition des Adels oder gar die ständische Ordnung insgesamt gefährden.

LAVNRW W, B 004/Fürstbistum Münster, Edikte, B 4, fol. 31; V 060/Nachlass Erika Liesmann, Nr. 15.