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Mittwoch, 31. März 2021 - 13:31

Die Rheinische Flora – eine Literaturzeitschrift aus den 1820er-Jahren

In der Bibliothek des Stadtarchivs werden auch Zeitschriften aufbewahrt, die in Aachen erschienen sind, sich bestimmten Aspekten des kulturellen Lebens widmeten, hin und wieder durchaus überregionale Bedeutung erlangten und oft auch nur für kurze Zeit existierten. Ein Beispiel hierfür ist die Zeitschrift Rheinische Flora, Blätter für Kunst, Leben, Wissen und Verkehr.

Die Flora, die am 1. Januar 1825 mit einer Probenummer erstmals erschien, ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten; sie ist noch in sieben deutschen Bibliotheken neben dem Stadtarchiv nachweisbar, unter anderem in der Stadtbibliothek.

Die Rheinische Flora hatte in der regionalen Geschichtsschreibung zunächst durchaus Aufmerksamkeit erregt, sie war dann aber wieder weitgehend in Vergessenheit geraten. Im dritten Band der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins von 1881 setzte sich Alfred von Reumont intensiv mit dem Blatt auseinander, indem er es als Hoffnungsstreifen an einem in literarischer Hinsicht von ihm sehr trüb gezeichneten Aachener Horizont beschrieb.

Nachdem Anfang der 1820er-Jahre erste vielversprechendere Publikation in Aachen vorgelegt worden waren, gründeten die Herausgeber des Stadt-Aachener Anzeigers und des Unterhaltungs- und Literaturblatts, M. Urlichs und A. J. Cremer, die Rheinische Flora als belletristische Zeitschrift. Als Herausgeber engagierten sie Johann Baptist Rousseau (1802-1867).

Rousseau, 1802 in Bonn geboren, kam aus ärmlichen Verhältnissen, sein Vater war Stubenmaler. Durch die finanzielle Unterstützung eines reichen Onkels wurde ihm 1820 das Studium der Philologie an der Rheinischen Hochschule Bonn ermöglicht. Doch bereits 1821 musste er aus finanziellen Gründen sein Studium doch abbrechen, er verdiente seinen Lebensunterhalt nun als Hauslehrer, u. a. in Köln. Auch war er schon als Herausgeber anderer Literaturzeitschriften, z. B. des Westdeutschen Musenalmanachs tätig. Durch Rousseaus Freundschaft mit Wilhelm Smets (1796-1848) wurden die beiden Verleger auf Rousseau aufmerksam und stellten ihn ein.

Die Rheinische Flora veröffentlichte Lyrik und Erzählungen, Theaterkritiken, biographische Skizzen und Miszellen und vermittelte so den interessierten Bürger*innen die verschiedenen Facetten des literarischen Lebens. In der Rheinischen Flora veröffentlichten namhafte Autoren: u. a. Heinrich Heine, Wilhelm Oertel, August Wilhelm Schlegel, Wilhelm Smets, Friedrich Arnold Steinmann, Adelheid von Stolterfoth und Jodocus Donatus Hubertus Temme.

Die Rheinische Flora erschien viermal, ab 1827 dann dreimal die Woche (mittwochs, freitags, sonntags), zum Teil mit Beilagen, und war im Abonnement zu jährlich 4 Talern erhältlich. Eine Ausgabe, in Halbbogengröße, hatte vier Seiten, dazu kam dann ggf. noch ein Blatt Beilage. Die Beilagen brachten mehr weltliche Themen: es gab hier z. B. Beiträge zum Wetter, zu laufenden Aachener Gerichtsverfahren oder auch Ankündigungen.

Im Stadtarchiv findet sich die Rheinische Flora vollständig, allein im ersten Jahrgang aus dem Jahr 1825 gibt es einzelne Lücken. Ende März 1827 erschien die letzte Ausgabe der Flora, das Blatt wurde nach dem Weggang Rousseaus in Richtung Hamm im Dezember 1826 nur noch ca. ein Vierteljahr weiter betrieben und dann eingestellt. Die Zeitschrift existierte somit nur etwas mehr als zwei Jahre.

Das Archival des Monats zeigt den Titel der Ausgabe vom 28. April 1825 mit dem Frühlingsgedicht „Die Rose und der Schmetterling“ von Georg Graf von Blankensee.

Quelle: Stadtarchiv Aachen, Archivbibliothek, CZ 85

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