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Freitag, 30. Juli 2021 - 10:26

Archivale des Monats August 2021

 

Vor 100 Jahren: das Jahr 1921 in der Chronik der Gemeinde Kornelimünster

Vor Kurzem gelangten die Chroniken der Gemeinde Kornelimünster und Walheim aus preußischer Zeit in die Bestände des Stadtarchivs. Die neun Bände umfassen den Zeitraum von 1826 bis 1950.

Alle preußischen Gemeinden mussten Chroniken führen, in denen sie die wichtigsten Ereignisse eines Jahres, geordnet nach inhaltlichen Kategorien, festhalten sollten. In den Chroniken finden sich zusammenfassende Berichte zu folgenden Kategorien: Allgemeines; Gemeindeangelegenheiten; Bevölkerung; Kirche, Schule, Unterricht; Handel, Gewerbe, Verkehr; Landwirtschaft und Sonstiges. Am Anfang jeder Jahreschronik stand aber das hier als Archivale des Monats vorgestellte statistische Formular. Ein Blick in die Chronik für das Jahr 1921 ermöglicht einen schlaglichtartigen Blick in den Lebensalltag des heutigen Aachener Stadtteils vor 100 Jahren.

Im Jahr 1921 gehörten Breinig (mit Breinigerheide und Breinigerberg mit Münsterau und Schützheide) und Venwegen zur Gemeinde Kornelimünster. Aus der statistischen Übersicht geht hervor, dass 1921 4.619 Menschen in der Gemeinde lebten, davon 1.649 in Kornelimünster, 2.429 in Breinig und 541 in Venwegen. Es waren 66 Jungen und 51 Mädchen geboren worden, 39 Menschen waren gestorben, hinzu kamen vier Totgeburten. Hochzeiten fanden 53 statt. In der Elementarschule waren insg. 364 Mädchen und 387 Jungen; 118 Kinder waren geimpft worden, 108 zum wiederholten Male. Die Viehzählung ergab, dass in der Gemeinde Kornelimünster 98 Pferde, 1.607 Rinder, 124 Schafe, 157 Ziegen und 581 Schweine gehalten wurden. Der Großteil der landwirtschaftlichen Flächen wurde zum Anbau von Kartoffeln genutzt (21,5 Hektar), gefolgt von Klee, der auf 15 Hektar angebaut wurde.

Im unteren Teil des Formulars sind die Preise für die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Lebensmittel wiedergegeben. Am Ende der Seite vermerkte der Chronist: „Lebensmittelpreise ab März fallend, im Hochsommer wieder steigend.“ Die Ernteerträge waren aufgrund von Trockenheit und Hitze – am 11. Juli soll die Temperatur in der Sonne 49°C betragen haben – unter den Erwartungen geblieben.

Lokalhistorisch aufschlussreich sind die Chroniken auch, weil wirtschaftliche, gesellschaftliche und soziale Entwicklungen hier aus Sicht der Gemeinde festgehalten und an die Aufsichtsbehörde, damals die Regierung Aachen, übermittelt wurden. Auch hielt die Chronik wichtige Personalia fest: Die Besetzung öffentlicher Ämter und Wahlen wurden dokumentiert, aber auch andere Besonderheiten, z. B.: „Mitte März ließ sich in Breinig, als erster daselbst, der praktische Arzt Dr. Heinrich Kahlen, ein geborener Aachener, nieder.“

Die Lektüre der Chronik macht auch deutlich, dass der Erste Weltkrieg 1921 noch stark nachwirkte. Aufwendungen für die Besatzungsverwaltung waren zu leisten, die die Gemeinde, die selbst zu dieser Zeit keine Einquartierungen fremder Soldaten hatte, finanziell und administrativ belasteten. Aber auch die Schicksale der eigenen Soldaten waren vielfach noch nicht geklärt. In der Rubrik Sonstiges vermerkte die Chronik: „Im Sommer kehrte als bekannter letzter Kriegsgefangener Peter Barth, Cornelimünster, aus Sibirien zurück. Über mehrere seit dem Kriege Vermisste fehlt auch bisher jede Nachricht.“

Wer die Chronik für das Jahr 1921 im langfristigen Zusammenhang betrachten will, kann die Chroniken der Gemeinde Kornelimünster nun im Stadtarchiv einsehen (Signaturen: GEM 15-1 bis GEM 15-5).

Quelle: Stadtarchiv Aachen, GEM 15-4, fol. 93

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