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vrijdag, 2. juli 2021 - 10:14
Wirtschaft und Sport: Soll die Stadt die Radrennbahn Krummerück kaufen? – Eine Episode aus dem Jahr 1928

Archivale des Monats Juli 2021

Wirtschaft und Sport: Soll die Stadt die Radrennbahn Krummerück kaufen? – Eine Episode aus dem Jahr 1928

Bei der Erschließung von Akten der städtischen Armenverwaltung in preußischer Zeit ist unerwartet ein besonderes Archivale aus dem Jahr 1928 entdeckt worden: ein Plan des Geländes der Radrennbahn Krummerück, das in Forst bzw. Brand im Bereich Driescher Hof lag.

Der Plan gelangte in die Akte der Armenverwaltung, weil der Besitzer des Geländes, auf dem die Radrennbahn lag, Dr. Jean Paul Goossens, es der Stadt zum Kauf angeboten hatte; aus diesem Angebot entwickelte sich ein sog. Kapitalgesuch, für dessen Bearbeitung die städtische Armenverwaltung zuständig war. Goossens wollte Kapital ansammeln, um den Aachener Betrieb der Firma Mannesmann-Mulag vollständig zu übernehmen. Die Firma fertigte in Aachen „Benzinwagen“ und Ersatzteile. Zusätzlich wollte Goossens eine englische Firma gewinnen, die den Standort in die Lage versetzen sollte, elektrisch betriebene Omnibusse zu bauen.

Das der Stadt zum Kauf angebotene Gelände mit der Radrennbahn umfasste 22 Morgen (ca. 70.000 m²), der aufgerufene Preis betrug 250.000 Reichsmark. Die ovale Radrennbahn, die von der 1924 gegründeten „Stadion-Aktiengesellschaft“ betrieben wurde, war im gleichen Jahr von der Baufirma Robert Grünzig in Eisenbeton gebaut worden. Die Bahn war 400 m lang und ca. 9 m breit; auf den Geraden hatte sie eine Höhe von 1,20 m, in den Kurven von 4,65 m. Auf den aufgeschütteten Sitz- und Stehplätzen rund um die Bahn hatten 10.000 Zuschauer*innen Platz. Am 24. August 1924 wurde die Radrennbahn eröffnet; angesichts der getrübten wirtschaftlichen Gesamtlage war der Betrieb der Sportstätte, auf der sowohl Radrennen als auch Motorradrennen und Leichtathletikveranstaltungen stattfanden, aber von Beginn an finanziell schwierig.

Die Stadt ließ ein Wertgutachten zu dem angebotenen Grundstück und den darauf befindlichen Anlagen erstellen. Die Anlage war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits in einem sehr schlechten Zustand, sodass die Stadt den Wert der Anlage auf nur 150.000 Reichsmark taxierte.

Der Finanzausschuss der Stadt lehnte den Erwerb des Grundstücks in seiner Sitzung vom 23. November 1928 ab, wollte Goossens als Unternehmer aber in anderer Form gerne unterstützen. Daraufhin wurde die städtische Sparkasse gebeten, eine Beleihung des Grundstücks zu prüfen; der Sparkasse war die Beleihung von Objekten wie Rennbahnen usw. jedoch satzungsgemäß untersagt und die Beleihung des Grundstücks wäre wegen seiner Beschaffenheit zu niedrig ausgefallen, um eine echte Hilfe für Goossens Vorhaben zu sein.

Das Archivale des Monats zeigt einen von dem Architekten Lambert Oligschläger gezeichneten Lageplan der Sportanlage. Im Vordergrund ist die Trierer Straße mit der damaligen Bebauung zu sehen. Von hier führt die damalige Krummerück-Allee zum gelb umrandeten Sportgelände. In Grün ist die Grenze zwischen Forst und Brand eingezeichnet. Das „Fußball-Spielfeld“ war 1928 nicht mehr als eine Wiese, darüber ist die ovale Radrennbahn zu sehen, rechts daneben ist ein „Auto-Standplatz“ für die Besucher*innen eingezeichnet.

Quelle: Stadtarchiv Aachen, PRZ 30-239 (Plan: fol. 63) bzw. PRZ 30-240.