Kommunalarchive sind offene Häuser des Wissens, der Bildung und Kultur. Sie unterstützen die historisch-kulturelle Bildung vor Ort, sind für Lehrende und Lernende wichtige außerschulische Lernorte und tragen als solche zur Entwicklung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins junger Menschen bei. Ihr größtes Potenzial: der Informationsspeicher an authentischen Originalzeugnissen, der zur Begegnung und kritischen Auseinandersetzung mit der Lokalgeschichte einlädt.
Das Stadtarchiv Gladbeck hat zu diesem Zweck mit dem Schauspieler Marco Spohr die Veranstaltung Gladbecker Steine sprechen. Führung und Lesung auf den Spuren des Nationalsozialismus konzipiert. Dem Gladbecker Publikum ist Marco Spohr bereits als Autor und Regisseur des ausgezeichneten Theaterstücks Gladbeck unterm Hakenkreuz – Nie wieder! bestens bekannt, welches im Jahr 2017 mit Schülerinnen und Schülern von fünf Gladbecker Schulen auf Initiative des Stadtarchivs realisiert worden war.
2019 erfolgte die Erstaufführung von Gladbecker Steine sprechen unter der damaligen Archivleiterin Katrin Bürgel (2009-2021), seit einigen Jahren ist die Veranstaltung – in der Kombination aus Stadtführung und der teils szenischen Lesung von Originalquellen aus den Beständen des Stadtarchivs – ausschließlich für Gladbecker Schulen geöffnet.
Während der zweieinhalbstündigen Veranstaltung blicken die Gladbecker Schülerinnen und Schüler hinter die Mauern bekannter Gebäude, begegnen im Historischen Ratssaal dem damaligen Kreisleiter der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), Gustav Bockermann, dem nach vielen Jahren seiner Vertreibung zurückgekehrten Dr. Bernhard Preminger, sowie am Jovyplatz dem politisch verfolgten Sozialdemokraten Mathias Jakobs. Am historischen Ort des Wittringer Ehrenmals, der 13. Station, setzen sich die Schulklassen abschließend mit dem Thema „Bücherverbrennung“ auseinander.
Die Inszenierung von Gladbecker Steine sprechen steht für ein neues archivpädagogisches Angebot des Stadtarchivs Gladbeck, das sich zum Ziel setzt, die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust für die Gladbecker Schülerinnen und Schüler an den konkreten Orten ihrer Geburtsstadt greifbar und erfahrbar zu machen. Weil die Nachfrage an der Veranstaltung zuletzt zugenommen hat, sind für das Jahr 2026 erstmals Zusatztermine für die Schulen im Stadtgebiet geplant. Bislang wurde das Angebot von ungefähr 300 Personen wahrgenommen.
Die 10. Auflage von Gladbecker Steine sprechen findet am 30. April 2026 unter Teilnahme der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule statt.