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Mittwoch, 5. Januar 2022 - 09:45
Wintercircus vor 100 Jahren: das Gastspiel von Circus Henny auf dem Aachener Blücherplatz.

Archivale des Monats Januar 2022

Wintercircus vor 100 Jahren: das Gastspiel von Circus Henny auf dem Aachener Blücherplatz.

Schon vor hundert Jahren, im Januar 1922, war der Wintercircus in Aachen beliebt. Vom 14. bis 29. Januar 1922 gastierte auf dem Blücherplatz der damals sehr bekannte und beliebte Circus Henny in seinem 4000 Personen fassenden, eigenen, transportablen und mit Dampfheizung beheizbaren Holzcircusbau.

Direktor und Eigentümer dieses Unternehmens war seit 1919 der Österreicher Julius Gleich (1886-1951), der damit warb, zwei Arenen in seinen Zuschauerzelten vorzuhalten. Im Laufe des Jahres 1922 versuchte er eine Umbenennung in "Europäischer Barum & Bailey Circus" in Anspielung auf den bekannten amerikanischen Circus mit drei Arenen. Offensichtlich jedoch ohne den erhofften Erfolg, denn 1924 wurde der Circus Henny endgültig in Circus Gleich umbenannt.

Der Bericht in der Tageszeitung "Politisches Tageblatt" vom 16. Januar 1922 über die erste Aachener Vorstellung im Circus Henny hebt nach der Eröffnungsnummer durch eine Seilartistin die Freiheitspferdedressuren der Eheleute Wilke und die Hundedressuren eines Fräulein Geraldina mit zehn Foxterrieren sowie die von der Direktorin Frau Gleich vorgeführte hohe Schule mit ihrem Halbblut "Atlas" lobend hervor. Zum letzten Punkt des ersten Programmteils sagt die Zeitung: "Der Clou des Spezialitätenprogramms des ersten Teiles bildet Maharadscha, der als moderner Simson die unglaublichsten Kraftproben mit seinen Zähnen ausführt."

Der zweite Teil des Programms wurde durch die Raubtierdressurnummern, für die der Circus Henny bekannt war, dominiert. Die Tageszeitung kommentierte: "Die Löwengruppe ist eine Darbietung, die zu rückhaltloser Bewunderung veranlaßt. Es ist kaum glaublich, wie diese Tiere dem Winke ihres Dompteurs Knorr gehorchen, der mit bewundernswerter Unerschrockenheit mit den beiden Exemplaren arbeitet. Die Katzen reißen die Rachen auf und fauchen ihren Gebieter zornig und heftig an. Aber sie fügen sich unter seine Peitsche und gehen an die ihnen zugewiesenen Plätze. Die folgende Eisbärengruppe, vorgeführt von Dompteur Wulf, bildete eine ebenso amüsante als großartige Fortsetzung. Die gelehrigen Petze bauen Pyramiden, vergnügen sich auf einer Schaukel, ein galanter Petz schiebt seine Freundin im Fahrstuhl in der Manege herum." – Heute wäre eine solche Vorführung und Berichterstattung nicht mehr zeitgemäß. Doch dem damaligen Publikum gefiel dieses mit 26 Attraktionen gespickte Programm – der Circus war fast täglich ausverkauft.

Dennoch kamen die Clowns und Spaßmacher in der Berichterstattung weniger gut weg. Ihre Witze waren den Journalisten, nicht nur beim Politischen Tageblatt, sondern auch beim "Echo der Gegenwart", zu alt und abgestanden. Die hauseigene Circuskapelle Busch hingegen erhielt deutliches Lob.

Das Archivale des Monats Januar zeigt auf aufwändig gestaltetem Briefpapier die Anfrage von Direktor Julius Gleich vom 9. Juli 1921 für die Genehmigung zu einem Gastspiel in Aachen auf dem Blücherplatz im Juni 1922, nachdem er für 1921 keine Zusage erhalten konnte. Im Sommer hätte er mit seinem großen, 7000 Personen umfassenden Zuschauerzelt, sicherlich ein noch besseres Geschäft machen können. Aber offensichtlich war er auch mit dem Gastspieltermin im Januar zufrieden.

Der untere Teil des Briefbogens zeigt eben jenen Winterholzbau, der dann auch in Aachen im Januar 1922 aufgebaut und rege besucht wurde. Unter dem Namen Circus Gleich sollte dieser Circus in späteren Jahren noch häufiger in Aachen gastieren.

Quelle: Stadtarchiv Aachen OB 129-2 Bd. 14.

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