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Freitag, 29. Oktober 2021 - 09:03

Archivale des Monats November 2021

 

Die Einweihungsfeier der evangelischen Christuskirche am 10. November 1896

Am Abend des 9. Novembers 1896, halb sieben Uhr abends, erschollen erstmals die Glocken der Christuskirche in der Martin-Luther-Straße Ecke Wespienstraße. Das Geläut und der daran anschließende Posaunenchor vom Kirchturm kündigten die Einweihungsfeierlichkeiten des nächsten Tages an, mit denen das Gotteshaus evangelischen Gemeinde Aachens übergeben werden sollte. Der Bau der Kirche nach Plänen des Aachener Architekten Georg Frentzen war 1893 begonnen worden. Die Kirche war 47 Meter lang und 27 Meter breit; sie fasste 1.220 Personen.

Am Festtag selbst war die Kirche, wie das Echo der Gegenwart, eine der damaligen Tageszeitungen, berichtete, „mit Laubgewinden und wallenden Fahnen“ geschmückt. Nach erneut langem Geläut und Posaunenchor begann der Festgottesdienst, der von hohen Vertretern der protestantischen Kirche wie dem Superintendenten und Präses der Provinzialsynode, Valentin Umbeck, mitgestaltet wurde. Kaiserin Auguste Viktoria, selbst nicht anwesend, ließ durch einen Beauftragten eine Altarbibel überreichen, in die sie als Widmung eigenhändig u. a. geschrieben hatte: „Ist Jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur“.

Zu den Festgästen zählten zahlreiche Honoratioren wie Vertreter der lokalen Politik – so der Aachener Regierungspräsident Julian von Hartmann und der Aachener Oberbürgermeister Philipp Veltman -, Abgesandte der Aachener Garnison, evangelische Geistliche der Nachbargemeinden. Auch Architekt Frentzen nahm teil.

In seinem Innern war der Kirchenbau reich ausgestattet: Die Malereien stammten von dem Aachener Maler Heinrich Hofmann; der Aachener Bildhauer Karl Krauß hatte eine Christusfigur sowie Figuren von Aposteln und Evangelisten für die Christuskirche geschaffen. Prächtige Glasfenster schufen eine feierliche Atmosphäre. Spenden Aachener Bürgerinnen und Bürger hatten zur weiteren Ausstattung beigetragen: So spendeten z. B. Robert Suermondt und seine Ehefrau Fanny Maria Rau den marmornen Altartisch, u. a. Angehörige der Familie Cockerill und Charles Suermondt die Orgel und vier Kronleuchter finanzierte Emil Lochner.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt, weshalb das Gebäude 1959 mit Ausnahme des Turms abgerissen wurde. Im Jahr 1949 trat die Johannes-Notkirche nach Plänen von Otto Bartning an der Ecke Gottfriedstraße-Richardstraße an ihre Stelle. Als die Notkirche im März 1979 einem Brand zum Opfer fiel, wurden ihre Überreste, aber auch der noch stehende Turm der Christuskirche abgerissen. Heute steht am ehemaligen Standort der Christuskirche das evangelische Gemeindezentrum „Martin-Luther-Haus“.

Das Archivale des Monats zeigt die Titelseite des Programmhefts zur Einweihungsfeier der Kirche. Der Blick geht die Martin-Luther-Straße Richtung Kaiserplatz hinunter.

 

Quellen:
Stadtarchiv Aachen, Fotosammlung VIII.5
Echo der Gegenwart, 11.11.1896, 2. Blatt

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