Während der Öffnungszeiten sind Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek ohne besondere Anmeldung frei zugänglich. Führungen und Schulprojekte - auch außerhalb der Öffnungszeiten - sollten etwa sechs Wochen vor dem geplanten Termin abgesprochen werden.
Die Bibliothek umfasst Literatur zur Geschichte Bielefelds und Westfalens. Die meisten Bücher sind entleihbar. Bevor man mit der Recherche in den Originaldokumenten beginnt, kann man sich dort in der häufig leichter verständlichen Literatur informieren und so schon viele Fragen vorab klären. Das Archiv bietet neben Akten aus der Stadtverwaltung und den Ämtern und Gemeinden des ehemaligen Landkreises auch Unterlagen von Firmen, Vereinen und einzelnen Persönlichkeiten. Die Archivalien und andere Dokumente wie Fotos, Karten, Plakate und Zeitungen können in den Räumen des Archivs benutzt werden.
Aus der Zeit des Nationalsozialismus kann man im Stadtarchiv Bielefeld Material u.a. zu folgenden Themen finden:
- Das Ende der Weimarer Republik
- Die Zerschlagung der Arbeiterbewegung
- Das Ende der Pressefreiheit
- Die Gleichschaltung von Kunst und Kultur
- Feste und Feiern
- Horst-Wessel-Kult
- Politischer Widerstand
- Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung
- Kinder im Krieg
- Zwangsarbeit in der Kriegswirtschaft
- Der Bombenkrieg und seine Auswirkungen auf Bielefeld
Zum Ablauf eines Archivbesuchs
Zur Einführung machen die MitarbeiterInnen des Archivs i.d.R. mit den SchülerInnen einen Rundgang durch die Abteilungen. Danach soll es an die eigentliche Quellenarbeit gehen, die erfahrungsgemäß in Form von Gruppenarbeit abläuft. Hierbei ziehen sich die MitarbeiterInnen des Archivs zurück. Soll Archivarbeit gelingen, sollte der Lehrer/die Lehrerin sich mit den Quellen vertraut gemacht und konkrete Fragestellungen formuliert haben. Selbstverständlich unterstützen die ArchivarInnen die LehrerInnen bei der Vorbereitung des Archivbesuchs und bei der Zusammenstellung der Quellen.
I. Presse im Nationalsozialismus
Ziel der Nationalsozialisten war die Schaffung eines perfekten Kommunikationssystems, das für ihre politischen Absichten und die Einflussnahme auf breite Bevölkerungsschichten eingesetzt werden konnte. Eine freie Presse sollte abgeschafft werden.
In der Weimarer Zeit gab es in Bielefeld die "Volkswacht", die institutionell und inhaltlich die SPD vertrat. Die bürgerliche Leserschaft war geteilt zwischen der "Westfälischen Zeitung" (WZ), die sich selbst als gemäßigt rechts und parteipolitisch unabhängig einstufte, und der "Westfälischen Neuesten Nachrichten" (WNN). Diese Zeitung, bis Anfang der 1930er Jahre liberaler "Generalanzeiger", erlebte Ende der Weimarer Zeit einen deutlichen Rechtsruck. Beide bürgerlichen Zeitungen hatten in der Endphase der Weimarer Republik eine abwartende bis NS-freundliche Tendenz, vergleichbar auch mit der sich wendenden bürgerlichen Einstellung. Die bürgerliche Presse kann damit als einer der Wegbereiter des Nationalsozialismus angesehen werden.
Die Machtübernahme im Spiegel der Lokalpresse
Die beiden bürgerlichen Zeitungen begrüßten die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Die Westfälische Zeitung war dabei noch euphorischer als die WNN. In einem Kommentar zum 30. Januar 1933 wurde die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler in der WZ als "großer Versuch" von "historischer Bedeutung" beschrieben.
Quellen: Westfälische Zeitung und Volkswacht über den 30. Januar 1933


"Gleichschaltung" der Presse
Bereits am 31. Januar 1933 wurde der kommunistische "Kämpfer" beschlagnahmt. Aus dem befristet ausgesprochenen Verbot für die Zeitung wurde ein dauerhaftes. Die Volkswacht, das Presseorgan der Sozialdemokraten, hatte ebenfalls unter heftigen Angriffen der Nationalsozialisten zu leiden. Die am 4. Februar verabschiedete Verordnung "Zum Schutz des deutschen Volkes" bot eine Handhabe zur Einschränkung des Presserechts. Wegen einer missliebigen Karikatur wurde die Volkswacht vom 23.-25. Februar verboten. Am 27. Februar erschien sie zum letzten Mal mit der Schlagzeile "Bielefeld ist rot und bleibt rot". In der Nacht des Reichstagsbrandes sprach Göring allen SPD-Zeitungen Preußens zunächst ein 14-tägiges Erscheinungsverbot aus, das später nicht wieder aufgehoben wurde. Am 10. Mai 1933 wurde das gesamte SPD-Vermögen beschlagnahmt. Im Dezember 1933 übernahm das NS-Volksblatt für Westfalen, "Amtliches Organ der NSDAP für das östliche Westfalen", die Räumlichkeiten und die Druckerei. Protest in der bürgerlichen Presse war nicht zu erwarten, war doch durch das Verbot der Volkswacht eine große Konkurrenz ausgeschaltet. Nicht nur den Arbeiterparteien waren nun die wichtigsten Informationsmittel für ihre Anhänger genommen, die Staatsführung hatte auch jeder freien Meinungsäußerung ein Ende gemacht.
Quelle: Volkswacht vom 27. Januar 1933

II. Feiern im Nationalsozialismus
"Führers Geburtstag" am 20. April 1933
Die Aufbruchstimmung nach der Machtübernahme löste ein Feuerwerk von Festen aus, mit dem man sich der Zustimmung zum nationalsozialistischen Regime vergewisserte. In Bielefeld begann dieses Feuerwerk "wie in anderen Städten auch" mit dem Geburtstag Adolf Hitlers am 20. April 1933. An diesem Tag gab es im Bürgerpark eine Großveranstaltung, bei der die Grünanlage in Adolf-Hitler-Park umbenannt wurde. Fotos von diesem Ereignis bezeugen den Kult um den Führer: Vor der Oetkerhalle war eine riesige Leinwand aufgestellt, auf die das Bild Hitlers projiziert wurde. Fackelzüge in der Dunkelheit, Menschenmassen, der Einsatz moderner Bildtechniken, dies sprach stark die Emotionen an.
Quelle: Foto Bürgerpark mit Hitlerprojektion

1. Mai "Tag der nationalen Arbeit"
Eine weitere Großveranstaltung fand am 1. Mai, dem traditionellen Feiertag der Arbeiterbewegung statt. Seit 1933 als "Tag der nationalen Arbeit" ideologisch vereinnahmt, gab es nun alljährlich einen gut organisierten Massenaufmarsch, dessen Intention es war, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bevölkerung zu stärken und auch die Arbeiter für das Regime zu gewinnen. Der 1. Mai wurde zu einem gesetzlichen Staatsfeiertag erklärt und damit seiner ursprünglich internationalen Ausrichtung entfremdet. Welcher Organisationsaufwand betrieben wurde, um den Tag reibungslos zu gestalten, machen die umfangreichen Presseartikel im Vorfeld deutlich. Komplette Firmenbelegschaften und ihre Betriebsführer marschierten gemeinsam in dem Zug zur zentralen Kundgebung in den Heeper Fichten, also mitten durch das von der Arbeiterschaft bewohnte Viertel, den "5. Kanton". Die Beteiligung ging weit über die Betriebe hinaus: SA, SS, Schulklassen, Polizei, Eisenbahner, Chöre und CVJM marschierten mit. Am 2. Mai 1933, einen Tag nach dem Großereignis, wurden die freien Gewerkschaften verboten und ihre Gebäude beschlagnahmt.
Quelle: Westfälische Neueste Nachrichten vom 2. Mai 1933

Horst-Wessel-Stein und Horst-Wessel-Denkmal
Zur Identitätsstiftung und Untermauerung des Führerkults wurden traditionelle Anlässe vereinnahmt, aber auch neue geschaffen. Ein solches Ereignis war 1933 die Einweihung des Horst-Wessel-Steins. Der zum Märtyrer des "Dritten Reiches" stilisierte SA-Aktivist Horst Wessel, 1907 als Pfarrersohn in Bielefeld geboren, war 1930 in Berlin ermordet worden. Bielefelder Bürger hatten sich um die Aufstellung des Gedenksteins auf dem Kammweg des Teutoburger Waldes bemüht. Der Stein wurde mit einem "Durchmarsch" durch die Stadt und einer feierlichen Weihe durch den als lokalen Vertreter des Führers auftretenden Gauleiter Dr. Meyer der Öffentlichkeit übergeben.1939 wurde an der heutigen Alfred-Bozi-Straße ein überlebensgroßes Horst-Wessel-Denkmal aufgestellt, das anlässlich der "Westfalenfahrt der Alten Garde", einer Rundfahrt von etwa 700 frühen Parteimitgliedern, mit einer ähnlichen Zeremonie eingeweiht wurde.
Quellen: Foto Horst-Wessel-Stein, Foto Horst-Wessel-Denkmal


Literatur: Wolfgang Emer, "Bielefelds bestem Sohn". Die Einweihung des Horst-Wessel-Steins 1933. In: Werner Freitag (Hg.), Das Dritte Reich im Fest. Führermythos, Feierlaune und Verweigerung in Westfalen 1933-1945, Bielefeld 1997, S. 81-86.
III. Politischer Widerstand
Während in den Jahren nach 1933 von SPD- und KPD-Anhängern häufig illegale Flugblätter und Zeitungen verteilt wurden, zogen sich die Widerstandsgruppen in den ersten Kriegsjahren ganz zurück. Erst mit dem Jahreswechsel 1942/43, dem Fall von Stalingrad, der in der Bevölkerung einen deutlichen Stimmungsumschwung hervorrief und den Glauben an einen Sieg der deutschen Wehrmacht tiefgreifend erschütterte, traten Widerstandskämpfer wieder vermehrt in Aktion. Man versuchte, über das illegale Abhören von ausländischen Rundfunksendern Informationen über den Frontverlauf zu erhalten und diskutierte gemeinsam die politische Lage. Bei den Maschinenfabriken Benteler und Dürkopp existierten solche Widerstandsgruppen. Wurden sie aufgedeckt, so drohten den Mitgliedern schwere Strafen. Zwischen 1942 und 1944 sind wenigstens 19 Bielefelder zum Tode verurteilt worden, die meisten von ihnen wegen Hochverrats. Insgesamt sind über 50 Bielefelder für ihre politische Überzeugung gestorben.
Im August 1944 tagte drei Wochen lang der Volksgerichtshof unter dem Vorsitz seines Vizepräsidenten Dr. Crone im Landgericht von Bielefeld. Zur Steigerung der Propaganda- und Abschreckungsfunktion hielt Crone in vollem Richterornat bei der Firma Dürkopp eine Rede vor den Arbeitern, die auch in der Presse veröffentlicht wurde.
Quelle: Westfälische Neueste Nachrichten vom 5./6. August 1944

IV. Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung
Rigadeportation
Am 13. Dezember 1941 wurden vom Bielefelder Bahnhof 400 Juden aus der Region Minden-Ravensberg und Lippe nach Riga deportiert. Wenige Tage zuvor waren sie aufgefordert worden, sich mit dem nach strengen Vorschriften zusammengestellten Gepäck bereitzuhalten. Polizeibeamte brachten die Menschen in den Saal der Gaststätte Kyffhäuser am Kesselbrink, einem belebten Platz mitten in der Stadt. Auch wenn die Presse weder über das Sammellager noch über die bevorstehende Deportation berichtete, wusste die Bevölkerung von der Aktion. Am helligten Tage wurden die Menschen per Autobus zum Güterbahnhof transportiert und mussten dort in einen aus Münster kommenden Zug einsteigen. Dieser erreichte vier Tage später das Ghetto im lettischen Riga. Nur 47 Menschen überlebten diese Deportation, unter ihnen 6 Juden aus Bielefeld.
Quellen: Foto Sammellager im Kyffhäuser, Foto Bahnsteig


V. Bielefeld im Krieg
Heimatfront
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Begriffe "Heimatfront" und "Innere Front" rasch zu propagandistischen Größen. Durch die Gleichsetzung von Front und Heimat sollten alle Menschen unmittelbar in das Kriegsgeschehen einbezogen werden. Wer nicht an der Front kämpfte, der hatte in der Heimat am Ziel des "Endsieges" mitzuwirken. Ein solcher Beitrag bedeutete aber nicht nur, dass die Männer und Frauen in den Rüstungsbetrieben arbeiteten, den Krieg verwalteten, Versorgungsengpässe und Luftangriffe ertrugen. Vielmehr war der Beitrag, den die Menschen leisten sollten, die Schaffung eines moralischen Rückhalts für das Frontgeschehen.
Quelle: Wochenspruch der NSDAP, Oktober 1939

Zwangsarbeit in der Kriegswirtschaft
In Bielefeld als einem wichtigen Industriestandort waren über 14 000 zumeist junge Menschen vor allem aus Weißrussland, der Ukraine und Polen als ZwangsarbeiterInnen eingesetzt. Sie lebten zum größten Teil in Lagern und arbeiteten für die Rüstungsindustrie. Ein Zeitdokument besonderer Art ist der ausführliche Bericht in den "Westfälischen Neuesten Nachrichten" über den Besuch des Gauleiters Dr. Meyer in solchen Lagern. Während die Presse die ausländischen ArbeiterInnen sonst kaum zum Thema machte, wurde anlässlich der Besichtigung der Lager durch den hohen NS-Funktionär bei der Bevölkerung um Verständnis für die ukrainischen Zwangsarbeiterinnen geworben und deren Arbeitsleistung gelobt. In einer Situation, in der die Blitzkriegsstrategie ad acta gelegt war, versuchte die Presse, den Aufenthalt der ausländischen Arbeiterinnen, der für die Nationalsozialisten aus rassenideologischer Sicht problematisch war, zur Sicherung der Kriegswirtschaft zu rechtfertigten.
Quelle: Westfälische Neueste Nachrichten vom 10.Juli 1942

Stimmungsberichte aus der Kriegschronik
Die Bielefelder Kriegschronik ist die wichtigste lokale Quelle zum Zweiten Weltkrieg in Bielefeld. Sie wurde von 1939 bis August 1944 von dem Museumsleiter Dr. Eduard Schoneweg geführt. Er sammelte Zeitungsausschnitte, Feldpostbriefe, Berichte von städtischen Ämtern, der Polizei und von Vereinen. Er ließ Fotos anfertigen und machte selbst tagebuchartige Aufzeichnungen. Seine Eindrücke schöpfte er aus Gesprächen mit Bekannten, Verwandten und Menschen, die ihm zufällig begegneten. Auch stellte er sich auf den Markt und belauschte die Gespräche der Passanten, um etwas über die Stimmung in der Bevölkerung zu erfahren. So ist Schoneweg kein objektiver Beobachter und die Chronik keinesfalls eine Darstellung der historischen Wirklichkeit.
Quelle: Bericht Schonewegs in der Kriegschronik vom 25. März 1944
