Zur Geschichte des Kreisarchivs
Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war der Gedanke aufgekommen, dass das Kreisarchiv auch die Bestände der kreisangehörigen Gemeinden verwahren könnte. Das Kreisarchiv übernahm sukzessive die Archivbestände der Altgemeinden des Kreisgebiets als Deposita. So wurden die Gemeindearchive von Oedt 1950/1959 und von Kaldenkirchen in mehreren Abgaben ab 1955 übernommen; es folgten 1957 Schiefbahn, 1958 Hinsbeck, 1958/1967 Leuth, 1960/1983 Breyell. Nach der Gebietsreform gab es eine weitere Abgabewelle von Gemeindearchiven, so 1975/1985 Elmpt, 1976/1980 Brüggen, 1976 Waldniel, 1979 Vorst, 1977/78 Bracht. Zuwachs durch das größte und älteste Kommunalarchiv im Kreisgebiet erhielt das Kreisarchiv zum 1. Januar 1985, als das bis dahin im Kempener Kuhtor beheimatete Stadtarchiv Kempen eingegliedert wurde.
2013 schlossen die sieben Städte und Gemeinden Brüggen, Grefrath, Kempen, Nettetal, Niederkrüchten, Schwalmtal und Tönisvorst mit dem Kreis jeweils eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung zur Übernahme und Betreuung ihres Archivguts. Mit den Vereinbarungen wurde das Kreisarchiv das zuständige öffentliche Archiv dieser Städte und Gemeinden im Sinne des Archivgesetzes NRW.
In der Perspektive des geplanten Archivneubaus in Viersen-Dülken schloss am 21. Dezember 2016 die Stadt Viersen eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung mit dem Kreis Viersen, durch die das Stadtarchiv Viersen zum 1. Februar 2017 unter vorläufiger Beibehaltung seines Standortes in das Kreisarchiv eingegliedert wurde.
Frühere Standorte
Das Kreisarchiv war zunächst in einer Villa am Kempener Burgring untergebracht. Später zog es in die ehemalige Thomas-Druckerei um. Nach dem Umzug der Kreisverwaltung ins neue Kreishaus in Viersen 1984 wurde die Burg Kempen Sitz des Kreisarchivs.
Mit der Einrichtung des Zwischenarchivs für die Kreisverwaltung wurden ab 2004 mehrere Außenmagazine angemietet. Mit der Eingliederung des Stadtarchivs Viersen 2017 kamen ein zweiter Standort mit Lesesaal sowie ein weiteres Außenmagazin hinzu.
Neubau
Nach einem Architektenwettbewerb errichtete der Kreis Viersen von Anfang 2020 bis Mitte 2022 ein neues Gebäude für das Kreisarchiv am Ransberg in Viersen-Dülken. Der Zweckbau besteht aus einem massiven, fensterlosen Magazinkubus und einem transparenten, hellen Umringsgebäude und wurde nach den Prinzipien der zirkulären Wertschöpfung gebaut. Der Klinker des Magazinkubus stammt aus einem Fabrikabbruch aus der Region. Für das Umringsgebäude wurde weitgehend der nachwachsende Rohstoff Holz verwendet. Die Innenwände wurden als Lehm-Trockenbau mit einer hervorragenden Klimabilanz errichtet und mit Lehmputz verputzt. Energetisch versorgt wird das Gebäude mit einer Kombination aus Kraftdach, Eisspeicher und Brunnenanlage.
Der Magazinkubus soll an einen Berfes, einen Wehrturm, erinnern. In ihm wird das Archivgut auf vier Etagen sicher und geschützt vor Licht und Klimaschwankungen verwahrt.
Das Umringsgebäude dagegen ist umso transparenter und betont die Offenheit und Zugänglichkeit des Archivs. Den Sonnenschutz gewährleistet ein weit überkragendes Dach. Im Umringsgebäude befinden sich alle Funktionsbereiche außer dem Magazin. Hierzu zählen der Lesesaal mit dem Freihand-Bestand der Bibliothek, die Büros, Restaurierungs-, Reinigungs- und Digitalisierungswerkstätten, ein Akzessionsbereich sowie Vortrags- und Gruppenarbeitsräume.
Das Oberflächenwasser wird nicht in die Kanalisation abgeleitet, sondern für die Grundstücksbewässerung in zwei Erdtanks gespeichert, mit einem Teich auf dem Grundstück reguliert und bei Bedarf über zwei Rigolen versickert und trägt dadurch zur Grundwasserbildung bei. Die Bepflanzung des Grundstücks mit regionalen Pflanzen zeichnet sich durch eine hohe Biodiversität aus.
Am Freitag, 12. August 2022, wurde das Gebäude mit einem Festakt eröffnet, am 15. August konnte das Kreisarchiv seine Arbeit in den neuen Räumen aufnehmen.