Die Geschichte der Totenzettel beginnt in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Belgien und den Niederlanden (hier Bidprentjes genannt) und zieht sich bis in die heutige Zeit. Während der Reformation bildete sich im Zuge der Gegenreformation mit den Totenzetteln eine Art Gegenreaktionen zu den stark verbreiteten Leichenpredigten des Protestantismus. Während diese Predigten ausführlich Auskunft über den Verstorbenen gaben, sollten die während des katholischen Requiems - der Totenmesse - verteilten Totenzettel hauptsächlich dazu dienen, für die Seele des Verstorbenen zu beten.
Die Form der Totenzettel hat sich im Laufe der Jahre mehrfach gewandelt. Die anfänglich auf Pergament oder Papier teilweise noch handgeschriebenen Exemplare, die sich nur die Geistlichkeit, der Adel oder das höhere Bürgertum leisten konnten, enthielten im Wesentlichen nur den Namen und die Lebensdaten sowie die Bitte um das Gebet für das Seelenheil. Letzteres sollte der Verkürzung der Fegefeuerqualen des Verstorbenen dienen. Die Größe variierte stark und konnte den Umfang eines kleinen Plakates erreichen. Oft waren sie reich mit religiösen Motiven geschmückt, häufig in Form eines Rahmens. Dabei handelte es sich meist um düstere Todessymbolik wie Sensemann, Totenschädel, Särge, zerbrochen und erloschene Kerzen, Urnen und Uhren.
Die Verbreitung des Totenzettels in alle Bürgerschichten nach der Französischen Revolution drängte bald den religiösen Zweck zugunsten der Prestigefunktion zurück. Neben den Lebensdaten können Angaben zur Eheschließung, zu verstorbenen Ehepartnern, Kindern, Beruf, Stand, Titeln, Ehrenämtern, öffentlichen Funktionen, verliehenen Auszeichnungen, Krankheiten und deren Verlauf sowie der Todesursache enthalten sein. Die Totenzettel waren beidseitig bedruckt und auf der Rückseite mit Heiligendarstellungen oder christlichen Texten versehen. Der verwendete religiöse Bildschmuck hatte nun eine tröstlichere Wirkung. Ab 1900 ersetzten Portraits der Verstorbenen oftmals die Heiligenabbildungen. Auf den nun auch verstärkt vorkommenden Doppelblatt-Totenzetteln findet man häufig geschlossene Lebensläufe.
Mit ihrem nun kleinen Format (ca. DIN A6) waren die Totenzettel zur Aufbewahrung im Gebetbuch bestimmt. Zur Messfeier waren sie somit immer zur Hand und sollten dadurch die Erinnerung an den Verstorbenen erhalten und zum Gebet für ihn anregen.
Ab den 1960er Jahren ging der Brauch der Verteilung von Totenzetteln stark zurück und wurde durch die Veröffentlichung des Todesfalls in Form einer Anzeige in der Zeitung ersetzt.
Totenzettel haben in der Forschung einen hohen Stellenwert: Sie dienen zum einen als Ersatz- und Ergänzungsüberlieferung v. a. in der Personen- und Familienforschung. Zum anderen dokumentieren sie die teilweise sehr weitläufige Verzweigung der Aachener Familien auch über die Grenzen in die Niederlande und nach Belgien sowie die Verflechtungen einzelner Unternehmen. Und nicht zuletzt spiegeln sich in ihnen in nicht unerheblichem Maße zeit- und kulturgeschichtliche Entwicklungen sowie der jeweilige Zeitgeist wider.
Auf den Totenzetteln sind fast immer der Name, Geburtsdatum oder Alter sowie das Sterbedatum angeben. Angaben, die darüber hinaus zu finden sein können sind:
Geburtsort, Name der Eltern, Sterbeort, Todesurzeit, Todesursache, Beerdigungsdatum, Beerdigungsfriedhof, Name und Beruf des Ehepartners, Anzahl und Namen (selten) der Kinder, Verdienstorden / Auszeichnungen, Porträts, Namen und Lebensdaten von Geschwistern
Der älteste Totenzettel unserer Sammlung stammt aus dem Jahr 1793.
Die Totenzettelsammlung des Stadtarchivs Aachen wurde durch die Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde eingescannt und ist auf deren Homepage einzusehen. Die Totenzettel können jedoch auch im Stadtarchiv Aachen im Original eingesehen werden.