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Land – Dorf – Stadt (ARCHIVALE DES MONATS DER ABTEILUNG WESTFALEN)

Zu den Folgen der Ermordung des Kölner Erzbischofs Engelbert I. am 7. November 1225 (vgl. Einführung zur Archivale des Monats 2025) gehört auch die Entstehung der Stadt Hamm: Graf Friedrich II. von Isenberg wird als Hauptverantwortlicher für den Anschlag auf Engelbert geächtet und hingerichtet, seine Burg Nienbrügge an der Lippe durch seinen Rivalen Graf Adolf I. von der Mark zerstört, der dann nu...

Zu den Folgen der Ermordung des Kölner Erzbischofs Engelbert I. am 7. November 1225 (vgl. Einführung zur Archivale des Monats 2025) gehört auch die Entstehung der Stadt Hamm: Graf Friedrich II. von Isenberg wird als Hauptverantwortlicher für den Anschlag auf Engelbert geächtet und hingerichtet, seine Burg Nienbrügge an der Lippe durch seinen Rivalen Graf Adolf I. von der Mark zerstört, der dann nur wenige hundert Meter östlich davon zur Absicherung seines Herrschaftsbereiches die Stadt Hamm gründet, planmäßig anlegt und kraft einer (nicht erhaltenen) Urkunde vom 4. April 1226 mit Lippstädter Stadtrecht ausstattet. 

Diesen 800. Geburtstag nimmt das diesjährige Archivale des Monats der Abteilung Westfalen zum Anlass, anhand ausgewählter Quellen Schlaglichter auf westfälische Siedlungsformen der vergangenen Jahrhunderte zu werfen: In welchen rechtlichen und sozialen Verbänden lebte die Bevölkerung? Wie sahen Siedlungen aus? Welchen Einflüssen waren sie ausgesetzt?

LAVNRW W, W 051/Kartensammlung A, Nr. 1343 (Ausschnitt Hamm).

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Januar: Hintersassen des Landadels

Nachdem die Erben des 1567 verstorbenen Johann von Merveldt bereits seit 1577 in zweiter Instanz vor dem Reichs­kammergericht um die Herrschafts- und Besitzrechte an der Herrlichkeit Merfeld bei Dülmen prozessiert hatten, wurde 1592 diese Karte des umstrittenen Ge­biets angefertigt. Sie zeigt das von Wassergräben umgebene Haus Merfeld links unten und jene etwa 30 Höfe und Kotten in der westli...

Nachdem die Erben des 1567 verstorbenen Johann von Merveldt bereits seit 1577 in zweiter Instanz vor dem Reichs­kammergericht um die Herrschafts- und Besitzrechte an der Herrlichkeit Merfeld bei Dülmen prozessiert hatten, wurde 1592 diese Karte des umstrittenen Ge­biets angefertigt. 

Sie zeigt das von Wassergräben umgebene Haus Merfeld links unten und jene etwa 30 Höfe und Kotten in der westli­chen Umgebung, die nicht nur Abgaben an das Haus Merfeld entrichten mussten, sondern auch dessen Gerichtsbarkeit un­terstanden. Sie verweisen damit auf ein Kennzeichen vormoderner „Staatlichkeit“ im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation: Territoriale Herrschaft bedeutete keineswegs automatisch eine lückenlose und monopolartige Machtausübung; Landesherren wie hier der Fürstbischof von Münster mussten sich mit konkurrieren­den, althergebrachten Rechten und Privi­legien lokaler Adeliger auseinanderset­zen.

Obrigkeit manifestierte sich also für die verstreute Bevölkerung in der Herrlichkeit Merfeld einerseits in der Gerichtshoheit ihres Grundherrn, andererseits – etwa bei Schatzungen –  in den Beamten des fürstbischöflichen Amtes Dülmen.

LAVNRW W, W 051/ Kartensammlung A, Nr. 2412.

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Februar: Ländlicher Nachbarschaftsstreit

Wo Menschen siedeln, entstehen Konflikte. Im ländlichen Raum der Frühen Neuzeit wurzelten Streitigkeiten vornehmlich in zwei Kennzeichen der Landwirtschaft: Zum Einen waren die Grenzen von Feldern, Wiesen und sonstigen Ländereien mangels präziser Landvermessung nur ungenau dokumentiert. Zum Anderen waren Allmenden bzw. Marken weit verbreitet, also jene Weide-, Wald-, Heide- oder Moorflächen, ...

Wo Menschen siedeln, entstehen Konflikte. Im ländlichen Raum der Frühen Neuzeit wurzelten Streitigkeiten vornehmlich in zwei Kennzeichen der Landwirtschaft: Zum Einen waren die Grenzen von Feldern, Wiesen und sonstigen Ländereien mangels präziser Landvermessung nur ungenau dokumentiert. Zum Anderen waren Allmenden bzw. Marken weit verbreitet, also jene Weide-, Wald-, Heide- oder Moorflächen, die in genossenschaftlichem Eigentum der Dorfgemeinschaft standen und von den Berechtigten zur Viehmast und Gewinnung von Futter, Früchten, Holz und Düngestoffen genutzt wurden, so dass man über individuelle Nutzungen leicht uneins werden konnte.

Die Zeichnung der Hofstätte des Schulten Bölling bei Nottuln entstand 1662 im Zuge eines Nachbarschaftsstreites um einen Graben und zeigt u.a. einen dreistöckigen steinernen Speicher, der heute noch auf dem jetzigen Hof Schulze Hauling erhalten ist.

LAVNRW W, B 215 / Kloster St. Aegidii, Münster - Akten, Nr. 134d.

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März: Adelsjagd als Landplage

Das frühneuzeitliche Jagdprivileg lokaler Adelsfamilien schädigte in mehrfacher Hinsicht die ländliche Bevölkerung: Bauern durften nicht jagen und konnten sich so kaum gegen Ernteverluste durch Wildschäden wehren, zumal bei Wilderei drakonische Strafen drohten. Umgekehrt unterlagen sie oft der Jagdfron, mussten also bei den Jagden des Adels zeitaufwändige Hilfsdienste leisten. Schließlich konnten ...

Das frühneuzeitliche Jagdprivileg lokaler Adelsfamilien schädigte in mehrfacher Hinsicht die ländliche Bevölkerung: Bauern durften nicht jagen und konnten sich so kaum gegen Ernteverluste durch Wildschäden wehren, zumal bei Wilderei drakonische Strafen drohten. Umgekehrt unterlagen sie oft der Jagdfron, mussten also bei den Jagden des Adels zeitaufwändige Hilfsdienste leisten. Schließlich konnten Treibjagden erhebliche Verwüstungen auf Feldern und Wiesen hinterlassen. 

Vor diesem Hintergrund kam den Grenzen solcher Jagdbezirke hohe Bedeutung zu. Die Karte entstand 1750 im Zuge eines Prozesses, den bereits 1651 Melchior Dietrich von Büren zu Mengede wegen Beschneidung seiner Jagdrechte durch die Stadt Dortmund angestrengt hatte. Zu sehen ist das rot umrandete Gebiet der Grafschaft Dortmund mit den darin liegenden bzw. angrenzenden Dörfern und Adelssitzen, darunter Haus Mengede in der linken Hälfte.

LAVNRW W, W 051/ Kartensammlung A, Nr. 22218.

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April: Blumen gegen Landflucht?

Der Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden wurde 1961 auf Initiative der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft und unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten mit dem Ziel gegründet, durch dekorative Maßnahmen, aber auch durch Verbesserung der dörflichen Infrastruktur der zunehmenden Abwanderung in urbane Zentren entgegenzuwirken. Teilnahmeberechtigt waren Ortschaften mit bis zu 3.000 Einwohner...

Der Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden wurde 1961 auf Initiative der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft und unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten mit dem Ziel gegründet, durch dekorative Maßnahmen, aber auch durch Verbesserung der dörflichen Infrastruktur der zunehmenden Abwanderung in urbane Zentren entgegenzuwirken. Teilnahmeberechtigt waren Ortschaften mit bis zu 3.000 Einwohnern, die sich sowohl durch ihre Gemeindevertretungen als auch durch Vereine bewerben konnten.

In den 1990er Jahren überarbeitete man vor dem Hintergrund des beschleunigten Strukturwandels auf dem Land die Auswahlkriterien und ergänzte 1998 den Namen des Wettbewerbs durch den Zusatz Unser Dorf hat Zukunft, der seit 2007 als alleiniger Titel fungiert. Im Zentrum stehen seitdem und vor allem seit der Integration in das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung weniger bloße Verschönerungen als die Verbesserung von Daseinsvorsorge und Lebensqualität.

Auf problematische Effekte in der Anfangszeit des Wettbewerbs scheint die Frage auf dem 1977 publizierten Plakat des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz anzuspielen, das 1975 zur Umsetzung des Europäischen Denkmalschutzjahres gegründet worden ist. Zu den ersten Forderungen des Komitees gehörte jedenfalls die Unterstützung der Landesdenkmalämter durch Verankerung der Denkmalpflege auf kommunaler Ebene.

LAVNRW W, W 351/Plakatsammlung, Nr. 538 und K 101/Regierung Arnsberg, Nr. 33210.

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Mai: Zwischen Dorf und Stadt

Die Karte datiert von 1753 zeigt das Gebiet zwischen der Stadt Rüthen und den (1975 eingemeindeten) Dörfern Meiste und Kneblinghausen. Sie entstand im Zuge eines seit 1655 (!) laufenden Rechtsstreits um die Weiderechte in dem rötlich eingefärbten Gebiet zwischen Elter Weeg und Hartmans Holl, vermittelt aber auch einen Eindruck vormoderner Topographie: Einerseits die von einer Mauer mit Toren umgeb...

Die Karte datiert von 1753 zeigt das Gebiet zwischen der Stadt Rüthen und den (1975 eingemeindeten) Dörfern Meiste und Kneblinghausen. Sie entstand im Zuge eines seit 1655 (!) laufenden Rechtsstreits um die Weiderechte in dem rötlich eingefärbten Gebiet zwischen Elter Weeg und Hartmans Holl, vermittelt aber auch einen Eindruck vormoderner Topographie: Einerseits die von einer Mauer mit Toren umgebene Stadt mit hohem Kirchturm (hier wohl St. Nikolaus), andererseits das offen zwischen Feldern liegende Dorf mit kleiner Kirche (hier St. Ursula), dazu verbindende Wege, ein Gehölz mit dem Bach Albecke, ein Schultenhof (Ettinghausen) und (als Besonderheit) die Ruine eines Turms (Stumpeler Wahrt), der ursprünglich zur Überwachung der nahe gelegenen Grenze zum Fürstbistum Paderborn gedient hatte; 1833 errichtete man auf seinem Fundament eine Station für den optischen Telegraphen zwischen Berlin und Koblenz, der bis 1849 in Betrieb war. 

LAVNRW W, W 051/ Kartensammlung A, Nr. 6155.

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Juni: Wandel durch Verteidigung

Nachdem das Dorf Südlohn im westlichen Münsterland im Lauf des Spanisch-Niederländischen Krieges (1568-1648) mehrfach von marodierenden Truppen überfallen und geplündert worden war, wandten sich die Einwohner an ihren Landesherrn, den münsteraner Fürstbischof Ernst von Bayern, und erhielten 1597 von ihm die Erlaubnis, ihr Dorf zu befestigen. Die aus den entsprechenden Planungen hervorgegangen...

Nachdem das Dorf Südlohn im westlichen Münsterland im Lauf des Spanisch-Niederländischen Krieges (1568-1648) mehrfach von marodierenden Truppen überfallen und geplündert worden war, wandten sich die Einwohner an ihren Landesherrn, den münsteraner Fürstbischof Ernst von Bayern, und erhielten 1597 von ihm die Erlaubnis, ihr Dorf zu befestigen. 

Die aus den entsprechenden Planungen hervorgegangenen Ansichten zeigen, wie tiefgreifend sich der Ort und seine Umgebung verändern sollten. Das bislang offen  zwischen Feldern und Gewässern liegende Dorf wurde zwar nicht, wie der Plan es offenbar vorsah, mit einer massiven Steinmauer und fünf Türmen, aber doch mit einem Erdwall und einem Wassergraben umgeben und war nur noch durch zwei Tore zugänglich. Diese Verteidigungsanlagen boten indessen lediglich Schutz gegen kleinere Banden und konnten etwa 1598 ein 30.000 Mann starkes spanisches Heer nicht an der Besetzung der Region hindern. Der Verlauf von Wall und Graben ist noch heute im Stadtplan erkennbar.

LAVNRW W, W 051/ Kartensammlung A, Nr. 1817 (Ausschnitt) und Nr. 427.

 

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Juli: Kontrolle durch Befestigung

Nach seiner Wahl zum Fürstbischof von Münster 1650 geriet Christoph Bernhard von Galen (auch bekannt als „Bomben-Bernd“) rasch in einen Konflikt mit seiner Residenzstadt, die infolge ihrer Rolle als Verhandlungsort des Westfälischen Friedens nach mehr Autonomie mit dem Ziel der Reichsfreiheit strebte. Der resultierende Machtkampf eskalierte und gipfelte in zwei Belagerungen, die 1661 zur Kapitulat...

Nach seiner Wahl zum Fürstbischof von Münster 1650 geriet Christoph Bernhard von Galen (auch bekannt als „Bomben-Bernd“) rasch in einen Konflikt mit seiner Residenzstadt, die infolge ihrer Rolle als Verhandlungsort des Westfälischen Friedens nach mehr Autonomie mit dem Ziel der Reichsfreiheit strebte. Der resultierende Machtkampf eskalierte und gipfelte in zwei Belagerungen, die 1661 zur Kapitulation der Stadt führten. Zur militärischen Herrschaftsabsicherung ließ Galen die westliche Stadtmauer niedergelegen und eine mit eigener Garnison besetzte Zitadelle mit freiem Schussfeld auf die Stadt errichten.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) war die Zitadelle jedoch von so geringem Verteidigungswert, dass man sie schleifte und ab 1767 an ihrer Stelle das neue Residenzschloss für den Fürstbischof erbaute.

Noch kurzlebiger war im übrigen die Zitadelle, die Galen ab 1655 als weitere Residenz im Norden Coesfelds erbauen ließ: diese nach dem ersten Bischof von Münster benannte Ludgerus-Burg verfiel nach Galens Tod 1678 aufgrund des Desinteresses seiner Nachfolger und wurde schon 1688 wieder abgerissen.

LAVNRW W, W 051/Kartensammlung A, Nr. 1214.

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August: Statussymbol aus Wachs

Siegel fanden schon in der Antike Verwendung als Beglaubigungsmittel, verbreiteten sich indessen in Mitteleuropa nach Anfängen in königlichen Kanzleien des 8. Jahrhundert erst seit dem späteren 12. Jahrhundert in größerem Umfang. Als Siegler traten seither neben (weltlichen und geistlichen) Landesherren, Klöstern, Gerichten, Personen des Adels und Korporationen wie Gilden auch Kommunen auf. O...

Siegel fanden schon in der Antike Verwendung als Beglaubigungsmittel, verbreiteten sich indessen in Mitteleuropa nach Anfängen in königlichen Kanzleien des 8. Jahrhundert erst seit dem späteren 12. Jahrhundert in größerem Umfang. Als Siegler traten seither neben (weltlichen und geistlichen) Landesherren, Klöstern, Gerichten, Personen des Adels und Korporationen wie Gilden auch Kommunen auf. 

Obwohl auch Dorfsiegel bekannt sind, scheint in vielen Fällen die Anschaffung eines städtischen Siegelstempels unmittelbar auf die Verleihung der Stadtrechte durch den Landesherrn erfolgt zu sein, so dass die Siegel offenbar nicht nur praktisch als Beglaubigungsmittel, sondern auch bildlich als Symbol für den neuen rechtlichen Status fungierten. Häufig verwendete Motive waren dabei Mauern, Tore und Türme als Teile der Stadtbefestigung, Wappen (des Landesherren) oder Heilige als jeweilige Stadtpatrone. 

Städtische Siegel genossen als sigillum authenticum öffentlichen Glauben und konnten auf Antrag auch für private Rechtsgeschäfte der Bürgerschaft verwendet werden.

LAVNRW W, W 251/Siegelsammlung Nr. 9, 18, 22, 45, 55, 66, 99, 138, 150, 194, 221, 252, 520, 992, 1027.

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September: Phönix aus der Asche?

Mehr oder weniger verheerende Feuersbrünste gehören vielerorts zur Stadtgeschichte. Abgesehen von Kriegseinwirkungen wurden sie zumeist durch Funkenflug aus Kaminen oder offenen Feuerstellen in den Häusern oder Selbstentzündung in gärenden Heu- bzw. Strohlagern verursacht und durch enge Bebauung sowie mangelnden Brandschutz begünstigt. Zudem waren oft nur unzulängliche Feuerlöschmittel wie Eimer u...

Mehr oder weniger verheerende Feuersbrünste gehören vielerorts zur Stadtgeschichte. Abgesehen von Kriegseinwirkungen wurden sie zumeist durch Funkenflug aus Kaminen oder offenen Feuerstellen in den Häusern oder Selbstentzündung in gärenden Heu- bzw. Strohlagern verursacht und durch enge Bebauung sowie mangelnden Brandschutz begünstigt. Zudem waren oft nur unzulängliche Feuerlöschmittel wie Eimer und Handdruckspritzen vorhanden.

In Ahaus kam es im Oktober 1863 innerhalb weniger Tage und offenbar unabhängig voneinander gleich zu zwei Bränden: Nachdem zunächst „nur“ vier Häuser niederbrannten, wurden drei Tage später etwa 90% der städtischen Bausubstanz zerstört, darunter das Schiff der gotischen Kirche und die Synagoge. Die betroffenen Menschen verloren nicht nur ihr Obdach und ihren gesamten Besitz, sondern in vielen Fällen durch die Zerstörung von Nahrungsvorräten, Viehfutter und Saatgut auch die Grundlagen für einen Neuanfang. 

Die Katastrophe wirkte sich langfristig in zweierlei Hinsicht aus: Zum Einen entstanden beim Wiederaufbau vermehrt Steinhäuser in größeren Abständen an breiteren Straßen, zum Anderen wandelte sich die wirtschaftliche Struktur des vormals agrarisch geprägten Ackerstädtchens durch die Entstehung bzw. Ansiedlung von Fabriken.

LAVNRW W, W 051/Kartensammlung A, Nr. 12605.

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Oktober: Jenseits alter Mauern

Zu den markanten topographischen Merkmalen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt gehörte (zumindest im mitteleuropäischen Raum) in der Regel die Mauer, die einerseits den städtischen vom ländlichen Rechtsbezirk abgrenzte, andererseits Schutz vor äußeren Feinden bot. Zwar gab es in der Vormoderne ebenfalls Städte ohne umgebende Mauer wie umgekehrt Dörfer mit Befestigung, doch zeigte sic...

Zu den markanten topographischen Merkmalen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt gehörte (zumindest im mitteleuropäischen Raum) in der Regel die Mauer, die einerseits den städtischen vom ländlichen Rechtsbezirk abgrenzte, andererseits Schutz vor äußeren Feinden bot. Zwar gab es in der Vormoderne ebenfalls Städte ohne umgebende Mauer wie umgekehrt Dörfer mit Befestigung, doch zeigte sich die prägende Bedeutung der Mauer auch in ihrer häufigen symbolischen Darstellung auf Stadtsiegeln (vgl. Archivale des Monats August). 

Als die fortschreitende Kriegstechnik die alten Stadtbefestigungen zunehmend nutzlos machte, wurden sie seit dem späten 17. Jahrhundert zurückgebaut. Trotzdem sind die meisten Städte in Deutschland vor dem einsetzenden Industriezeitalter um 1800 kaum über ihre alten Mauern bzw. (nach deren Niederlegung) über diese ursprüngliche Grenze hinausgewachsen; nur Residenzen wie Dresden oder München und große Handelsstädte wie Hamburg oder Frankfurt/Main breiteten sich schon vorher in größerem Maßstab aus.

In Münster wurden die Befestigungsanlagen einschließlich der ab 1661 errichteten Zitadelle (vgl. Archivale des Monats Juli) nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) niedergelegt und durch die mit Bäumen bepflanzte Promenade ersetzt. Das dargestellte Wachstum der Stadt zwischen 1841 und 1981 ging mit einer Vermehrung der Bevölkerung von etwa 15.000 im Jahr 1815 auf etwa 250.000 um 1980 einher – ein eher moderater  Anstieg im Vergleich zu Städten im Ruhrgebiet wie etwa Dortmund, dessen Einwohnerzahl im gleichen Zeitraum von etwa 5.000 auf etwa 600.000 wuchs.

Das Gelände jenseits alter Mauern veränderte sich in Münster (wie auch andernorts) zusätzlich durch die Eisenbahn und den Dortmund-Ems-Kanal im Osten sowie den Aasee im Westen der Stadt.

LAVRW W, W 051/ Kartensammlung A Nr. 49006.

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