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Geschichte im Schaufenster

An dieser Stelle veröffentlicht das Landesarchiv besondere Highlights aus seinen umfangreichen Beständen. Im Fokus stehen Stücke, die Aufschluss geben sollen über die Geschichte in Daten, Zahlen und Fakten, aber auch über das ganz alltägliche Leben der vergangenen Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte im Rheinland, in Westfalen und in Ostwestfalen-Lippe. Alle präsentierten Archivalien werden erklärt und in den Kontext ihrer Zeit eingeordnet. Die Stücke kommen aus allen drei Regionalabteilungen.

Vom „Wachtturm“ ins Konzentrationslager (Archivale des Monats der Abteilung Westfalen)

Das Christentum hat sich im Verlauf seiner zweitausendjährigen Geschichte nicht nur in die großen Kirchen katholischer, orthodoxer und evangelischer Konfession, sondern auch in zahllose weitere kirchliche Gemeinschaften und Sekten aufgespalten. Zu den jüngeren Gruppierungen gehören die Zeugen Jehovas...

Das Christentum hat sich im Verlauf seiner zweitausendjährigen Geschichte nicht nur in die großen Kirchen katholischer, orthodoxer und evangelischer Konfession, sondern auch in zahllose weitere kirchliche Gemeinschaften und Sekten aufgespalten. Zu den jüngeren Gruppierungen gehören die Zeugen Jehovas, die 1931 aus der um 1880 in den USA entstandenen Bibelforscherbewegung bzw. der Wachtturm-Gesellschaft hervorgegangen sind.

Die Abbildung zeigt den Umschlag einer 1933 in Deutschland publizierten und verteilten Broschüre, die drei Radiovorträge von Joseph Franklin Rutherford (1869-1942) enthält, der 1917zum Nachfolger von Charles T. Russell, des Mitbegründers der Bibelforscher, gewählt worden war. Während sich zwei eher unpolitische Vorträge mit der Diskriminierung der Zeugen Jehovas und dem Wesen der Liebe befassen, fragt ein dritter Beitrag nach der Zukunft der amerikanischen Regierung und prophezeit eine vom Großkapital gestützte Militärdiktatur. Angeblich begnügte sich Goebbels‘ Propaganda-Ministerium zunächst damit, die weitere Verbreitung der Druckschrift von der Entfernung des Umschlags abhängig zu machen, bevor dann am 24. Juni 1933 das Verbot der Zeugen Jehovas jegliche Aktivitäten in die Illegalität zwang und jene physische Verfolgung einleitete, die zur Inhaftierung in Konzentrationslagern unter der eigens für „Bibelforscher“ eingeführten Kennzeichnung mit einem lila Winkel führte.

Nachdem die Zeugen Jehovas seit 1950 auch in der DDR verboten und mit Haftstrafen verfolgt worden waren, ist ihnen seit 2006 sukzessive von allen Bundesländern der Status als Körperschaft des öffentlichen Rechts zuerkannt worden.

LAV NRW W, Q 211a/Generalstaatsanwalt Hamm, Erstinstanzliche Strafsachen, F 612

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Vom Register zum Portal (Geschichte im Schaufenster der Abteilung Rheinland)

Kopiar, Register, Kartular, Repertorium, Inventar, Verzeichnis, Findbuch, Datenbank – Unser Archivportal ist die logische Konsequenz und zugleich so viel mehr! Im Mittelalter war das sorgfältige Aufbewahren der Urkunden zunächst nur ein Instrument zur Sicherung von Besitz- und Rechtstiteln. Schon früh entstanden erste Kopiare, in denen die Urkundeninhalte chronologisch abgeschrieben wurden, um den Rechtsinhalt zu sichern und die Urkunde zu schone...

Kopiar, Register, Kartular, Repertorium, Inventar, Verzeichnis, Findbuch, Datenbank – Unser Archivportal ist die logische Konsequenz und zugleich so viel mehr!

Im Mittelalter war das sorgfältige Aufbewahren der Urkunden zunächst nur ein Instrument zur Sicherung von Besitz- und Rechtstiteln. Schon früh entstanden erste Kopiare, in denen die Urkundeninhalte chronologisch abgeschrieben wurden, um den Rechtsinhalt zu sichern und die Urkunde zu schonen.

Die stetig wachsende Zahl an Urkunden erforderte schließlich die Einrichtung einer Systematik, die auch die Wiederauffindbarkeit der originalen Urkunde gewährleistete. Durch die Vergabe einfacher „Signaturen“ und die Ordnung der Urkunden nach Sachbetreffen war eine eindeutige Identifizierung möglich. Solche künstlich hergestellten Einheiten durch erste „Erschließungsinformationen“ der Urkunden gelten als Keimzelle heutiger archivischer Ordnung und Verzeichnung.

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich aus solchen Registern das archivische Findbuch, in dem zu jeder Archivalie in strukturierter Form Verzeichnungsinformationen wie Titel, Provenienz (Herkunft), Signatur und Laufzeit (Datierung) aufgenommen wurden. Mit Hilfe dieser Findbücher wird auch heute in den Archivbeständen recherchiert, allerdings zumeist nicht mehr in physischer Buchform, sondern als elektronisches Findbuch.

Den Einfluss der Informationstechnik auf die archivische Arbeit, insbesondere auf die Erschließung und Zugänglichmachung der Bestände, kann man kaum hoch genug einschätzen. Im Landesarchiv wurde die Erschließung besonders durch die Einführung des ersten Moduls des Verwaltungs-, Erschließungs- und Recherchesystems für Archive (V.E.R.A.) im Jahr 2003 erleichtert. Seitdem werden die Erschließungsinformationen digital erzeugt und können so vielfach nutzbar gemacht werden.

Die Geschichte der Erschließung in der Abteilung Rheinland reicht damit von mittelalterlichen Registern zur Rechtssicherung der eigenen Territorialrechte bis hin zu einer für das ganze Landesarchiv eingesetzten Erschließungssoftware, die für alle interessierten Nutzer Rechercheergebnisse bereithält.

Heute werden immer mehr Findmittel onlinegestellt, so dass Nutzerinnen und Nutzer von zu Hause aus nach Archivalien recherchieren können. Und auch der Stand der Digitalisierung wächst, so dass jeder von zu Hause aus viele unserer Archivalien betrachten kann.

Die Abteilung Rheinland des Landesarchivs stellt hier deshalb ein Kopiar mit integriertem Register aus dem Jahr 1775 vor, welches von dem Karmeliterorden anfertigt wurde. Hierin wurden unter anderem Privilegien und Besitztümer festgehalten. Die Archivalie ist außerdem digitalisiert, über das Archivportal recherchierbar und vollständig über den DFG-Viewer einsehbar.

LAV NRW R, AA 0098/ Aachen, Karmeliter, Rep. u. Hs. AA 0098, Nr. 2 (Aktendeckel)

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