Zu den markanten topographischen Merkmalen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt gehörte (zumindest im mitteleuropäischen Raum) in der Regel die Mauer, die einerseits den städtischen vom ländlichen Rechtsbezirk abgrenzte, andererseits Schutz vor äußeren Feinden bot. Zwar gab es in der Vormoderne ebenfalls Städte ohne umgebende Mauer wie umgekehrt Dörfer mit Befestigung, doch zeigte sich die prägende Bedeutung der Mauer auch in ihrer häufigen symbolischen Darstellung auf Stadtsiegeln (vgl. Archivale des Monats August).
Als die fortschreitende Kriegstechnik die alten Stadtbefestigungen zunehmend nutzlos machte, wurden sie seit dem späten 17. Jahrhundert zurückgebaut. Trotzdem sind die meisten Städte in Deutschland vor dem einsetzenden Industriezeitalter um 1800 kaum über ihre alten Mauern bzw. (nach deren Niederlegung) über diese ursprüngliche Grenze hinausgewachsen; nur Residenzen wie Dresden oder München und große Handelsstädte wie Hamburg oder Frankfurt/Main breiteten sich schon vorher in größerem Maßstab aus.
In Münster wurden die Befestigungsanlagen einschließlich der ab 1661 errichteten Zitadelle (vgl. Archivale des Monats Juli) nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) niedergelegt und durch die mit Bäumen bepflanzte Promenade ersetzt. Das dargestellte Wachstum der Stadt zwischen 1841 und 1981 ging mit einer Vermehrung der Bevölkerung von etwa 15.000 im Jahr 1815 auf etwa 250.000 um 1980 einher – ein eher moderater Anstieg im Vergleich zu Städten im Ruhrgebiet wie etwa Dortmund, dessen Einwohnerzahl im gleichen Zeitraum von etwa 5.000 auf etwa 600.000 wuchs.
Das Gelände jenseits alter Mauern veränderte sich in Münster (wie auch andernorts) zusätzlich durch die Eisenbahn und den Dortmund-Ems-Kanal im Osten sowie den Aasee im Westen der Stadt.
LAVRW W, W 051/ Kartensammlung A Nr. 49006.